Im MRT unsichtbare Prostatatumoren: Wie groß ist das tatsächliche Risiko?

In diesem Artikel
Bei Prostatakrebs gewinnt für Diagnose und Nachsorge die Magnetresonanztomografie (MRT) zunehmend an Bedeutung. Dabei zeigt sich manchmal ein überraschendes Phänomen:
Läsionen, die im pathologischen Bericht nach einer Biopsie nachgewiesen sind, sind gelegentlich im MRT nicht sichtbar. Für Radiologen erscheint das Prostatagewebe völlig normal.
Warum bleiben diese Läsionen im MRT unsichtbar, und bedeutet das eine Gefahr für Patienten?
Im MRT unsichtbare Läsionen: Anlass zur Sorge?
Einige Experten halten solche Läsionen meist für ungefährlich. Wenn ein Tumor im MRT nicht sichtbar ist, bedeutet dies ihrer Ansicht nach, dass er klinisch nicht relevant ist. Im MRT unsichtbare Tumoren werden häufig als unbedeutend eingestuft; eine systematische Biopsie sei nicht erforderlich.
Diese Experten vergleichen im MRT unsichtbare Läsionen mit niedrig riskantem Prostatakrebs mit einem Gleason-Score von 6 oder weniger . Solche Tumoren wachsen meist langsam und bergen kein Risiko der Ausbreitung oder des Todes. Bei Patienten unter aktiver Überwachung ist der Krankheitsverlauf mit MRT-unsichtbaren Tumoren wesentlich günstiger als mit sichtbaren Tumoren.
Gegenpositionen: Ist jede unsichtbare Läsion harmlos?
Andere Experten betonen jedoch, dass MRT-unsichtbare Läsionen nicht völlig harmlos sind. Sichtbare Läsionen weisen zwar meist auf aggressivere Tumoren hin, doch diese Verallgemeinerung gilt möglicherweise nicht für jeden Einzelnen.
Studien zufolge kann das MRT bei 10-20% der Patienten mit klinisch relevantem Prostatakrebs falsch negativ ausfallen.
In einer Analyse wurde bei Männern ohne verdächtige MRT-Läsion in 16% der Fälle durch eine Biopsie ein klinisch relevanter Prostatakrebs entdeckt. Eine andere Analyse zeigte, dass 35% der MRT-unsichtbaren Prostatakarzinome klinisch relevant waren.
Negatives MRT: irreführend oder beruhigend?
Andere Studien bestätigen wiederum ein geringes Risiko für klinisch relevanten Krebs bei negativem MRT. JAMA Oncology veröffentlichte eine Studie, in der nur 3% von 233 Männern mit negativem MRT innerhalb von 3 Jahren die Diagnose eines klinisch relevanten Prostatakarzinoms erhielten.
Warum erkennt das MRT manche Tumoren nicht?
Das MRT kann einige Krebsherde aus zwei wesentlichen Gründen übersehen:
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Kleine und aggressive Tumoren: Ein Tumor kann so klein sein, dass er im MRT nicht erkannt wird.
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Ähnliches Erscheinungsbild wie normales Gewebe: Manche niedriggradigen Tumoren ähneln normalem Prostatagewebe und fallen deshalb nicht auf.
Auch die Erfahrung des beurteilenden Radiologen kann das Ergebnis beeinflussen.

Genetische Profile und MRT-Sichtbarkeit
MRT-sichtbare und unsichtbare Prostatatumoren unterscheiden sich genetisch. Die Genexpression sichtbarer Tumoren wurde meist mit aggressiveren Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Eine Untersuchung ergab, die Expression der Gene PHYHD1, CENPF, ALDH2 und GDF15 sei in MRT-sichtbaren Tumoren häufiger und diese Gene seien mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf verbunden.
Was sollte nach einem negativen MRT geschehen?
Sollte bei einem Patienten trotz erhöhtem PSA und unauffälligem MRT eine Biopsie erfolgen?
Bei diesen Patienten ist eine Biopsie meist unnötig, sie sollten jedoch durch regelmäßige MRT-Kontrollen überwacht werden.
Am 12. Dezember 2024 in JAMA Oncology veröffentlichte eine Studie die Beobachtung, dass 86% der Männer mit negativem MRT innerhalb von 3 Jahren ohne Biopsie auskamen und in dieser Zeit nur bei 4% ein klinisch relevanter Prostatakrebs festgestellt wurde.
Wie sollte über die Notwendigkeit einer Biopsie entschieden werden?
Wenn eine Biopsie erforderlich ist, sollten auch Bereiche außerhalb der Zielläsion systematisch beprobt werden. Diese zusätzlichen Gewebeentnahmen verlängern den Eingriff um nicht mehr als 1-2 Minuten und erhöhen die Risiken nicht wesentlich.
Wenn die Bildgebung ein Fortschreiten zeigt, sollte eine Biopsie erfolgen. Auf Routinebiopsien zu verzichten kann jedoch Tausende Patienten vor biopsiebedingten Komplikationen wie Infektionen schützen.
Fazit
Der MRT-Befund kann ein starker Risikomarker zur Beurteilung der Aggressivität von Prostatakrebs sein. Dennoch ist eine individuelle Risikoeinschätzung wichtig. Für die Entscheidung über eine Biopsie sollten PSA, MRT und das gesamte klinische Profil gemeinsam berücksichtigt werden.
Quellen
2. Can a prostate biopsy be safely deferred on PI-RADS 1,2 or 3 lesions seen on pre-biopsy mp-MRI? Rickaz Abdul Raheem et al. Arab Journal of Urology. Online veröffentlicht: 13. September 2022
3. Filson CP, Natarajan S, Margolis DJ, Huang J, Lieu P, Dorey FJ, Reiter RE, Marks LS. Prostate cancer detection with magnetic resonance-ultrasound fusion biopsy: The role of systematic and targeted biopsies. Cancer. 2016, 15. März;122(6):884-92. doi: 10.1002/cncr.29874. Online-Vorabveröffentlichung 2016, 7. Januar. PMID: 26749141; PMCID: PMC4777653.
4. Hamm CA, Asbach P, Pöhlmann A, et al. Oncological Safety of MRI-Informed Biopsy Decision-Making in Men With Suspected Prostate Cancer. JAMA Oncol. Online veröffentlicht am 12. Dezember 2024. doi:10.1001/jamaoncol.2024.5497
5. MRI-Invisible Prostate Lesions: Are They Dangerous? - Medscape - 08. Januar 2025.
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