Kann Brust-MR verdächtige Mammografiebefunde klären und zusätzliche Krebsherde erkennen? Beeinflussen diese die Therapieentscheidung?

In diesem Artikel
Nach einer Studie in Radiology kann eine Brust-Magnetresonanztomografie (MR) nach krebsverdächtiger Mammografie zusätzliche Herde in anderen Brustregionen erkennen. Diese können aggressiver als der mammografische Hauptknoten sein und die Therapieentscheidung beeinflussen. Bei Brustkrebs, nach Hautkrebs der häufigsten Krebsart der Frau, sind korrekte Diagnose und Stadienbestimmung der Ausbreitung Voraussetzung guter Behandlung. Die Diagnose beginnt mit der Untersuchung bei Beschwerden wie tastbarem Knoten, Ausfluss, Schmerzen oder Hautveränderungen. Nach Anamnese und Untersuchung folgt bei Verdacht eine Mammografie. Aus Knoten werden Biopsien entnommen und vom Pathologen mikroskopisch zur Diagnose beurteilt. Danach bestimmen erfahrene Zentren die Ausbreitung mit MR und PET/CT. MR ist heute eine der empfindlichsten Methoden zum Brustkrebsnachweis. Sie wird besonders beim Screening von Hochrisikopatientinnen und vor Operationen verwendet.
Besonders bei dichtem Brustgewebe kann MR gleichzeitig in verschiedenen Quadranten liegende, multizentrische Herde erkennen, die Mammografie übersieht. Manche halten diese zusätzlichen Herde aber für klinisch unbedeutend und nicht entscheidungsrelevant. Ihre unnötige Entdeckung könnte sogar Überbehandlung verursachen. Die Gegenposition warnt ohne MR vor unzureichender Behandlung und befürwortet den Einsatz. Deshalb ist MR nach Mammografie umstritten. Eine kürzlich in „Radiology“ und auf der Website der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (ASCO) veröffentlichte Studie könnte dieser Diskussion eine Richtung geben.
In der Studie wurden Daten von 2021 neu diagnostizierten Frauen mit zusätzlicher MR vor Operationsplanung untersucht. Bei 285 (%14) fand MR mammografisch nicht sichtbare Herde; 73 lagen in einem anderen Quadranten als die Hauptmasse, also multizentrisch. Davon waren %25 größer als die für Therapieentscheidungen relevante Grenze von 1 cm. Bei 17 war der zusätzliche MR-Herd sogar größer als der mammografische Hauptknoten.
Zusammenfassend können nach dieser Studie mittels MR zusätzlich erkannte multizentrische Herde die Therapieentscheidung beeinflussen. Sie unterstützt damit MR nach Mammografie zur Behandlungsplanung. Das bedeutet aber nicht, dass jede Patientin MR benötigt. Dies entscheiden Ärzte nach umfassender Bewertung.
Weiterlesen: Wann sollte Brustgewebe mit MR untersucht werden?
- Zur Beurteilung der Unversehrtheit von Silikonimplantaten bei Verdacht auf Beschädigung.
- Bei okkultem primärem Brustkrebs: zum Auffinden des Haupttumors, wenn Achsellymphknoten Brustkrebsmetastasen enthalten, aber Ultraschall oder Mammografie keinen Primärtumor zeigen.
- Zur Ausbreitungsbestimmung bei neu diagnostiziertem Brustkrebs,
- bei lokal fortgeschrittenem Krebs zur Bewertung des Ansprechens auf präoperative, verkleinernde neoadjuvante Chemotherapie,
- bei Verdacht auf Rückfall,
- zur Klärung verdächtiger Mammografiebefunde,
- zum Screening bei hohem Risiko: BRCA-Mutation oder starke Familiengeschichte mit Risiko über %20-25,
- zum Nachweis möglicher mammografisch übersehener Herde bei dichtem Brustgewebe.
Quellen
Multicentric Cancer Detected at Breast MR Imaging and Not at Mammography: Important or Not?
Radiology. 2015 Nov 25:150796.
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