Nach 2 Jahren Online-Treffen kommen Onkologen wieder zum größten Onkologiekongress zusammen

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Die größte Krebskonferenz der Welt, die wegen der Covid-19-Pandemie 2 Jahre lang online stattfand, kehrt endlich in die Veranstaltungssäle zurück. Viele scheinen bereit zu sein, persönlich an der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) teilzunehmen.
Bereits Anfang Mai hatten sich 30 Tausend Menschen für die ASCO angemeldet; es gab 27 Tausend Hotelreservierungen.
Die medizinische Leiterin der ASCO, Julie Gralow, sagte: „Diese Zahl ist fast genauso hoch wie zur gleichen Zeit im Jahr 2019“.
Bis Ende Mai dürften die Anmeldungen noch deutlich zunehmen. In den vergangenen Jahren stieg ihre Zahl jeweils unmittelbar vor Tagungsbeginn.
Die Jahrestagung begann am Freitag, dem 3. Juni, wie üblich in Chicago und dauert bis Dienstag, den 7. Juni. Sie findet wieder am McCormick Place statt, dessen Gelände auf dem Höhepunkt der Pandemie 2020 in Krankenhausstationen umgewandelt wurde.
Für Menschen, die nicht persönlich teilnehmen können, wird die Tagung wie in den letzten 2 Jahren auch virtuell übertragen.
Gralow sagte: „Ich denke, das Hybridmodell wird bleiben. Wir erreichen besonders viele Teilnehmer, die von sehr weit her nicht oder nicht ohne Weiteres reisen können, und haben gelernt, diese Erfahrung auch für sie zu verbessern.“
Die Teilnehmer können ihre Meinung allerdings ändern; etwa wenn die Covid-Fallzahlen kurz vor der Tagung steigen.
Gralow, früher Professorin für globale Gesundheit und heute Brustkrebs-Onkologin und klinische Forscherin, sagt, die Veranstaltung sei so organisiert, dass die Gesundheit der Teilnehmer bestmöglich berücksichtigt werde.
Für die persönliche Teilnahme verlangt die ASCO einen Impfnachweis (in den USA bedeutet das zwei Impfdosen). Gralow sagte außerdem: „Wenn Sie Ihren Impfstatus vorher nachweisen, schicken wir Ihnen einen Ausweis zu, sodass Sie sich nicht anstellen müssen.“
„Bei Masken halten wir uns derzeit an die Regeln Chicagos. Das bedeutet, dass Masken in Innenräumen nicht vorgeschrieben sind. Wir empfehlen das Tragen einer Maske, weil hier eine Gruppe von Ärzten zusammenkommt, die immungeschwächte Patienten behandeln.“
Diese Entscheidung löste auf Twitter Kritik sowohl von Ärzten als auch von Patientenvertretern aus. Einige zeigten sich überrascht, dass Masken nicht vorgeschrieben waren.
Die Strahlenonkologin Fumiko Ladd Chino kommentierte die Entscheidung so: „Ich weiß, dass bei den meisten Veranstaltungen mit ‚freiwilligen Masken‘ die Masken abgenommen werden; auf meiner letzten Tagung habe ich das als eine der wenigen Maskenträgerinnen genau so erlebt. Es ist noch Zeit, die #ASCO22-Regeln zu ändern. Wir sind für die Gesundheit der Patienten da.“
Die Patientenvertreterin und Überlebende eines Rektumkarzinoms Manju George setzte sich für eine Änderung der Regeln ein und verfasste einen Brief, den andere unterzeichnen konnten: „Die ASCO-Leitung wird mit Bitten besorgter Gesundheitsdienstleister überhäuft.“
Auf die Frage nach einer möglichen Änderung der Maskenregeln antwortete die ASCO: „Bei Gesundheit und Sicherheit erfüllen oder übertreffen unsere Protokolle die derzeitigen Richtlinien der WHO, der CDC und der Stadt Chicago. Die ASCO arbeitet außerdem eng mit der Stadt und dem Kongresszentrum zusammen und verfolgt die örtliche Lage aktiv.“
Die Organisation erklärte außerdem: „Zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit aller Teilnehmer verlangen unsere Protokolle, dass die Teilnehmer innerhalb der 48 Stunden vor ihrer Ankunft vollständig geimpft sind und ihr individueller Covid-19-Test negativ ist. Außerdem erwarten wir, dass alle Teilnehmer in Innenräumen Masken tragen, und ermutigen sie zu regelmäßigen Selbsttests. Wir erwarten, dass die Mitglieder unserer Gemeinschaft ihren Teil dazu beitragen, alle zu schützen. Mit medizinischen Masken sowie Covid-19-Antigen-Schnelltests und PCR-Tests erleichtern wir die Einhaltung unserer Regeln.“
Zudem gibt es ein Kennzeichnungssystem, mit dem Teilnehmer ihr gewünschtes Maß an Nähe angeben können. Die Farben bedeuten:
- Rot: Abstand halten, keine Umarmungen, kein Händeschütteln.
- Gelb: ein mittleres Maß
- Grün: Umarmungen und Händeschütteln sind in Ordnung
Gralow erklärte, dieses System sei bereits bei den ASCO-Spezialtagungen Anfang dieses Jahres eingesetzt worden; die Rückmeldungen der Delegierten seien positiv gewesen.
Gerechte Versorgung fördern
Das von ASCO-Präsident Everett Vokes festgelegte Thema der diesjährigen Tagung ist, durch Innovation eine gerechte Krebsversorgung zu fördern. Es baut auf dem von der Vorjahrespräsidentin Lori Pierce festgelegten Thema „Gerechtigkeit: Jeder Patient“ auf.
Gralow merkte an, einige Beiträge beträfen Ungleichheiten bei der Gleichberechtigung. Darauf konzentrierte sich die Pressemitteilung vom 26. Mai vor der Tagung, die mehrere Abstracts zu Ungleichheiten und möglichen Gegenmaßnahmen hervorheben sollte.
Eine Studie (aus 6511 Abstracts) konzentriert sich auf die während der Pandemie häufiger genutzte Telemedizin. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass nicht alle Patientengruppen in den USA so die benötigte spezialisierte Versorgung erreichen können.
Behandlung reduzieren
Gralow sagte: „Die Verringerung von Dosis oder Häufigkeit der Behandlungen ist ein weiteres Thema, das sich durch die Tagung zieht. Bei manchen Krebsarten erzielen wir so gute Ergebnisse, dass es Zeit ist, eine Verringerung der Behandlung zu untersuchen, weil wir wissen, dass wir einen Teil dieser Patienten wahrscheinlich überbehandeln … Deshalb prüfen wir, ob wir herausfinden können, bei welchen Patienten sich die Behandlungsdosen senken lassen.“
Ein Beispiel ist die LUMINA-Studie (Abstract LBA501), die den Verzicht auf eine Strahlentherapie nach einer Brustkrebsoperation untersucht. Sie testete diesen Ansatz prospektiv, senkte das Altersintervall der Patienten und grenzte besser ein, wer davon profitieren könnte.
Gralow sagte zu der Studie: „In der üblichen Praxis tun wir das bereits, allerdings nicht auf Grundlage belastbarer Daten, sondern aufgrund einer Ansammlung retrospektiver Analysen und ähnlicher Belege“.
Ein weiteres Beispiel ist die DYNAMIC-Studie (Abstract LBA-100). Sie untersucht den Verzicht auf eine Chemotherapie nach einer Darmkrebsoperation anhand der Spiegel zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA). Gralow erklärte, diese Patienten hätten eine Erkrankung im 2. Stadium und meist sehr gute Ergebnisse mit Operation und adjuvanter Chemotherapie. Die Studie solle die Untergruppe finden, die ohne Chemotherapie genauso gut abschneidet. Sie könnte zudem die Patienten am anderen Ende der Skala identifizieren, die möglicherweise etwas mehr Behandlung benötigen.
Innovation in den Mittelpunkt stellen
Zum Schwerpunkt Innovation gehört auch die Erforschung außerhalb der USA entwickelter Medikamente. Ein Beispiel ist nimotuzumab, das in China bereits gegen Nasopharynxkarzinom zugelassen ist, aber auch bei anderen Krebsarten untersucht wird. Auf der ASCO werden Daten zu Patienten mit KRAS-Wildtyp-Pankreaskarzinom vorgestellt (Abstract 4011). Diese Studie wurde wie andere Studien zu nimotuzumab in China durchgeführt.
Gralow erklärte, dies werfe eine wichtige Frage zu den Daten auf, die die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA für neue Zulassungen benötige. Kürzlich habe die FDA den Antrag für das ebenfalls in China entwickelte sintilimab abgelehnt, weil sämtliche zur Zulassung eingereichten Studiendaten aus China stammten. Die Behörde wolle multiregionale klinische Studien sehen, die die Krebspatienten in den USA widerspiegelten.
Ratschläge für Teilnehmer
Eine große Studie bei einer seltenen Krebsart verspricht einen neuen Versorgungsstandard. Bisher wurden weltweit und sogar in verschiedenen Krankenhäusern desselben Landes unterschiedliche Schemata eingesetzt. Es handelt sich um Ergebnisse einer internationalen Studie bei Kindern und Jugendlichen/jungen Erwachsenen mit Ewing-Sarkom (LBA-02). Gralow sagte: „Fachleute auf diesem Gebiet haben mir gesagt, dass diese Ergebnisse die Praxis verändern … (und) weltweit Wirkung zeigen werden“.
Neben wissenschaftlichen Sitzungen mit neuen Daten gibt es mehrere Fortbildungssitzungen über schwierige Fragen, mit denen Ärzte gelegentlich konfrontiert sind. Eine Sitzung behandelt „Mikroaggressionen, Vorurteile und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz“, eine andere das Thema „Strategien gegen moralische Belastung von Ärzten: Was tun, wenn wir nicht wissen, was wir tun sollen?“.
Außerdem gibt es eine besondere Sitzung zum Thema „Krebs am Ausgangspunkt: Globale und nationale Ungleichheiten in der Krebsversorgung angehen“. Diese von Bishal Gyawali am Brigham and Women's Hospital in Boston angeführte Bewegung verfolgt das Ziel, „Krebs, wie wir ihn kennen, zu beseitigen“. In einem Blogbeitrag von 2016 sagte Gyawali: „Vergessen wir den Weltraum; kehren wir zur leibhaftigen Realität auf der Erde und zu Forschung zurück, die sich sofort in jeder Gemeinschaft weltweit anwenden lässt.“
Gyawali hat auch einige Ratschläge für Teilnehmer der diesjährigen ASCO-Jahrestagung:
- Wenden Sie sich an Menschen, die Sie respektieren
- Vertrauen Sie darauf, dass Kontakte entstehen
- Prüfen Sie die Daten
- Hören Sie bei Fachsprache kritisch zu
- Vielleicht am wichtigsten: Haben Sie Spaß
„Im Leben gibt es mehr als Ihre Arbeit. Setzen Sie sich nicht unter Stress. Denken Sie an das große Ganze. Denken Sie an Ihre Patienten. Und vergessen Sie nicht: Das Leben ist schön, auch wenn es sich manchmal anders anfühlt.“
Quellen
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