Neue Krebsmedikamente mit FDA-Zulassung in den letzten 2 Jahren

In diesem Artikel
Arzneimittel sind Produkte zur Diagnose, Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten, die Körperfunktion oder -struktur beeinflussen. Jedes neue Medikament muss streng bewertet und zugelassen werden. Obwohl jedes Land eigene Zulassungs- und Erstattungsverfahren besitzt, ist die amerikanische FDA weltweit führend. Die meisten folgenden Medikamente werden in unserem Land noch nicht erstattet. Dennoch zeigt diese Liste eindrucksvoll den raschen Fortschritt der Krebsmedizin und macht Hoffnung. Mit wachsenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelegen dürften sie künftig auch hier zugänglich werden.
Krebsmedikamente mit FDA-Zulassung 2016
Atezolizumab
Am 18. Mai 2016 zugelassenes Atezolizumab (Tecentriq®) wird bei während oder nach platinhaltiger Chemotherapie lokal oder fern ausgebreitetem Urothelkarzinom sowie Progression innerhalb von 12 Monaten nach adjuvanter oder neoadjuvanter Platintherapie (Blasenkrebs) eingesetzt. Wie Pembrolizumab und Nivolumab wirkt es über PD L1. Krebszellen bilden PD L1 und bringen es an ihre Oberfläche, um der Abwehr zu entgehen. Es bindet an den PD 1-Rezeptor der T-Zelle. Atezolizumab verhindert diese Bindung und ermöglicht der Abwehr die Erkennung und Vernichtung der Krebszellen. Häufigste Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Appetitmangel, Übelkeit, Harnwegsinfektion, hohes Fieber und Verstopfung.
Nivolumab
Am 17. Mai 2016 erhielt Nivolumab (Opdivo®) die FDA-Zulassung bei wiederkehrendem oder nach autologer hämatopoetischer Stammzelltransplantation fortgeschrittenem klassischem Hodgkin-Lymphom . Dabei handelt es sich um in Lymphknoten beginnenden Immunsystemkrebs. Bindet PD 1 an den PD 1-Rezeptor der T-Zelle, hemmt dies ihre Vermehrung und die Bildung krebsbekämpfender Zytokine. So vermehren sich Krebszellen weiter und die Krankheit schreitet fort. Nivolumab bindet an PD L1 und verhindert dessen Kontakt zum T-Zell-Rezeptor. Dadurch arbeitet die Abwehr aktiver. Häufige Nebenwirkungen sind Schwäche, Husten, Übelkeit, Ausschlag, Atembeschwerden, Durchfall und Verstopfung.
Lenvatinib
Am 13. Mai 2016 zugelassenes Lenvatinib (Lenvima®) wird nach gefäßneubildungshemmender Therapie bei Nierenkrebs mit Everolimus eingesetzt. Es hemmt Rezeptortyrosinkinasen RTK an der Zellmembran, die Wachstum, Vermehrung, Gefäßbildung und Fernausbreitung fördern. Ihre Inaktivierung macht Krebszellen unwirksam und verhindert neue Bildungen. Häufig sind Bluthochdruck, Müdigkeit, Durchfall, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Appetitmangel.
Cabozantinib
Am 25. April 2016 FDA-zugelassenes Cabozantinib (Cabometyx®) wird nach gefäßneubildungshemmender Therapie bei Nierenkrebs eingesetzt. Es hemmt Kinasen wie MET, VEGFR 1-2, RET, ROS 1 und KIT und verhindert damit Metastasen, Gefäßneubildung und Medikamentenresistenz. Häufig sind Durchfall, Müdigkeit, Übelkeit, Appetitmangel, Bluthochdruck und Erbrechen.
Venetoclax
Am 11. April 2016 zugelassenes Venetoclax (Venclexta®) wird nach Vorbehandlung bei chronischer lymphatischer Leukämie mit 17p-Deletion, einer Veränderung des 17. Chromosoms, eingesetzt. CLL ist Blut- und Knochenmarkkrebs aus Lymphozyten als Untergruppe weißer Abwehrzellen und die häufigste chronische Leukämie. Venetoclax hemmt Bcl-2. Bcl-2 ist ein wichtiger Regulator der Apoptose. Durch Blockade von Bcl-2 sterben Krebszellen. Häufig sind Neutropenie, Durchfall, Übelkeit, Anämie, Infektionen der oberen Atemwege und Müdigkeit.
Crizotinib
Am 11. März 2016 zugelassenes Crizotinib (Xalkori®) wird bei metastasiertem ROS-1-mutiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt. Bereits 2011 wurde es bei ALK-positivem Lungenkrebs zugelassen. Durch Hemmung des an Vermehrung und Tumorbildung beteiligten Moleküls ALK verhindert es Tumorentstehung und Wachstum. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, verschwommenes Sehen und Lichtempfindlichkeit.
Everolimus
Am 26. Februar 2016 zugelassenes Everolimus (Afinitor®) wird eingesetzt bei:
- Nicht operabel entfernbarem Krebs der Lunge mit Ausbreitung in umliegende oder entfernte Gewebe
- Gut differenzierten, also dem Ursprungsgewebe ähnlichen, nichtfunktionellen neuroendokrinen Tumorendes Magen-Darm-Systems.
Besonders nach der Menopause bei hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs eingesetztes Everolimus blockiert den mTOR-Signalweg für Wachstum und unkontrollierte Vermehrung. Häufig sind Schleimhautentzündung, Infektionen, Rötung, Ausschlag, Durchfall, Schwellung und Bauchschmerzen.
Eribulin
Am 28. Januar 2016 zugelassenes Eribulin (Halaven®) wird nach Anthrazyklintherapie bei nicht operablem Liposarkomeingesetzt, einem bösartigen Fettgewebstumor. Eribulin wurde erstmals 2010 zugelassen und hemmt die Mikrotubuli des Zellskeletts. Diese sind besonders bei Zellteilung und Rezeptortransport zur Oberfläche wichtig. Bei unzureichender Funktion kann die Krebszelle sich nicht weiter teilen und stirbt. Häufig sind Neutropenie, Anämie, Müdigkeit, Haarausfall und Übelkeit.
Obinutuzumab
Am 26. Februar 2016 zugelassenes Obinutuzumab (Gazyva®) wird bei nach Rituximab wiederkehrendem oder resistentem follikulärem Lymphomzusammen mit Bendamustin, anschließend als alleinige Obinutuzumabtherapie eingesetzt. Es ist auch mit Chlorambucil bei unbehandelter CLL zugelassen. Es wirkt über B-Zellen der Immunabwehr und bindet deren CD 20. Dadurch werden direkt zelltötende Stoffe freigesetzt und das Komplementsystem aktiviert. Häufig sind Infusionsreaktionen, Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie und hohes Fieber.
Palbociclib
Am 19. Februar 2016 FDA-zugelassenes Palbociclib (Ibrance®) wird bei vorbehandeltem hormonrezeptorpositivem HR, HER 2-negativem metastasiertem Brustkrebs mit Fulvestrant gegeben. 2015 wurde es bereits mit Letrozol bei HR-positivem, HER 2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen. Es wirkt auf sich teilende Zellen und hemmt die für Teilung zuständigen CDK 4 und 6, sodass Wachstum und Vermehrung ausbleiben. Nebenwirkungen sind weniger Blutzellen, Müdigkeit, Anämie, Übelkeit und Haarausfall.
Ofatumumab
Am 19. Januar 2016 zugelassenes Ofatumumab (Arzerra®) wird bei fortgeschrittener oder rezidivierter chronischer lymphatischer Leukämienach vollständigem oder partiellem Ansprechen als erweiterte Behandlung verwendet. Wie Obinutuzumab bindet es an CD 20 der B-Zellen. Durch CD 20 kann es Krebszellen direkt töten oder die vernichtende Wirkung des Komplementsystems nutzen. Häufig sind verminderte weiße Blutkörperchen, Pneumonie, hohes Fieber, Husten, Durchfall und Anämie.
Krebsmedikamente mit FDA-Zulassung 2015
Alectinib
Am 11. Dezember 2015 zugelassenes Alectinib (Alecensa®) wird bei Crizotinibunverträglichkeit und fortgeschrittenem ALK-positivem metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt. Es hemmt die krebsbegünstigenden Proteingene beziehungsweise Moleküle ALK und RET und verhindert damit das Überleben der Krebszelle. Häufig sind Müdigkeit, Muskelschmerzen, Verstopfung und Ödeme.
Cobimetinib
Am 10. November 2015 zugelassenes Cobimetinib (Cotellic®) wird bei nicht operablem oder BRAF-V600E- beziehungsweise V600K-mutiertem metastasiertem malignem Melanommit Vemurafenib verwendet. Wegen der genetischen Grundlagen ist es nicht für jeden geeignet. Es hemmt den wachstumsfördernden MAPK-Weg sowie MEK1 und MEK2, die extrazellulär signalbezogenen Kinasen. Häufig sind Durchfall, Übelkeit, hohes Fieber, Erbrechen und starke Sonnenempfindlichkeit.
Daratumumab
Am 16. November 2015 zugelassenes Daratumumab (Darzalex®) wird nach Proteasomhemmern und immunmodulierenden Medikamenten bei multiplem Myelomeingesetzt und ist der erste dafür zugelassene monoklonale Wirkstoff. Das Blutzellmolekül CD38 besitzt Aufgaben wie Signalbildung und Gewebeanheftung. Daratumumab blockiert CD38 und bewirkt die Zerstörung der Tumorzelle. Häufig sind Injektionsreaktionen, Müdigkeit, Übelkeit, Rückenschmerzen, hohes Fieber und Husten.
Elotuzumab
Am 30. November 2015 FDA-zugelassenes Elotuzumab (Empliciti®) wird nach Vorbehandlung bei multiplem Myelommit Lenalidomid und Dexamethason eingesetzt. Wie Daratumumab ist es eine Immuntherapie und richtet sich gegen SLAMF7 auf Myelom- und natürlichen Killerzellen. Dadurch greifen natürliche Killerzellen die Krebszellen an und vernichten sie. Häufig sind Müdigkeit, Durchfall, hohes Fieber, Verstopfung und Husten.
Panobinostat
Am 23. Februar 2015 zugelassenes Panobinostat (Farydak®) wird nach Bortezomib und immunmodulierender Behandlung bei multiplem Myelommit Bortezomib und Dexamethason gegeben. Lebensinformationen liegen in Chromosomen als DNA-Helix und werden beim Öffnen nutzbar. Histone steuern Öffnen und Schließen. Acetylgruppen an ihren Aminosäuren öffnen Chromosomen und ermöglichen die Produktion lebenswichtiger Bestandteile. HDAC, Histondeacetylasen, entfernen dagegen Acetylgruppen und schließen Chromosomen, sodass die Produktion stoppt. Panobinostat hemmt HDAC; dadurch bleiben Chromosomen offen und Wege zur Krebszellvernichtung zugänglich. Häufig sind Durchfall, Müdigkeit, Übelkeit, Ödeme und gesteigerter Appetit.
Palbociclib
Am 3. Februar 2015 zugelassenes Palbociclib (Ibrance®) wird nach der Menopause bei hormonrezeptorpositivem ER- und HER2-positivem fortgeschrittenem Brustkrebs eingesetzt. Es hemmt für die Zellteilung notwendige cyclinabhängige Kinasen CDK und verhindert Tumorwachstum. Nebenwirkungen sind verminderte neutrophile Abwehrzellen, Müdigkeit, Anämie und Übelkeit.
Talimogen Laherparepvec
Am 27. Oktober 2015 zugelassenes Talimogen Laherparepvec (Lmlygic®) ist bei nicht operablem Melanomdie erste direkt in den Tumor gespritzte Krebsimpfbehandlung. Sie verwendet genetisch veränderte Viren, reguliert Vermehrung der Krebszellen und verstärkt die Immunabwehr. Häufig sind Müdigkeit, Schüttelfrost, hohes Fieber und Übelkeit.
Pembrolizumab
Am 2. Oktober 2015 zugelassenes Pembrolizumab (Keytruda®) wird nach platinhaltiger Chemotherapie bei PD-L1 (Programmed Death Ligand 1) tragendem metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt. Krebszellen nutzen ihr PD L1, das über den PD 1-Rezeptor an T-Zellen bindet, um der Abwehr zu entgehen. Pembrolizumab verhindert dies und ermöglicht leichtere Erkennung und Vernichtung. Häufig sind Müdigkeit, Appetitmangel, Atembeschwerden und Husten.
Lenvatinib
Am 13. Februar 2015 zugelassenes Lenvatinib (Lenvima®) wird besonders bei wiederkehrendem, metastasiertem, auf Radiojod nicht ansprechendem Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Es hemmt die RTK an der Zelloberfläche und verhindert so Wachstum und die zur Fernausbreitung nötige Gefäßneubildung. Häufig sind Bluthochdruck, Müdigkeit, Durchfall, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Appetitmangel.
Trifluridin / Tipiracil
Am 22. September 2015 zugelassenes Trifluridin/Tipiracil (Lonsurf®) wird nach Fluoropyrimidin, Oxaliplatin, Irinotecan und gefäßneubildungshemmenden Mitteln bei metastasiertem kolorektalem Krebs (Dickdarmkrebs) angewendet. Die Kombination zweier Moleküle verstärkt die Wirkung. Zur Ernährung und Fernausbreitung benötigt Krebs neue Gefäße. Tipiracil hemmt die dafür wichtige Thymidinphosphorylase; Trifluridin bindet direkt an Krebszell-DNA und verhindert Teilung. Häufig sind Anämie, Müdigkeit, Übelkeit, Appetitmangel und verminderte Blutzellen.
Ixazomib
Am 20. November 2015 zugelassenes Ixazomib (Ninlaro®) wird nach Vorbehandlung bei multiplem Myelom mit Lenalidomid und Dexamethason eingesetzt. Es ist das erste oral zugelassene Medikament seiner Kategorie. Myelomzellen produzieren viele Proteine, die Proteasomen abbauen. Bleiben sie ungespalten in der Zelle, wirken sie toxisch. Ixazomib bindet an diese Proteinabbauer und hemmt sie. Die Proteinansammlung tötet die Krebszelle. Zusammen mit Lenalidomid ist der Effekt stärker. Häufig sind Durchfall, Verstopfung, weniger Blutplättchen, Nervenschäden und Übelkeit.
Sonidegib
Am 24. Juli 2015 zugelassenes Sondegib (Odomzo®) wird nach Rückfall trotz Operation oder Bestrahlung beziehungsweise fehlender Eignung dafür bei lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom der Haut eingesetzt. Krebs kann über viele Signalwege entstehen, darunter Hedgehog. Sonidegib beeinflusst die notwendigen intrazellulären Elemente und kann so die Krebsentstehung verhindern. Auch Gefäßneubildung bestehender Krebszellen kann gehemmt werden. Häufig sind Muskelkrämpfe, Haarausfall, Müdigkeit, Übelkeit, Muskel- und Skelettschmerzen, Durchfall, Gewichts- und Appetitverlust.
Liposomale Irinotecan-Injektion
Am 22. Oktober 2015 FDA-zugelassenes liposomales Irinotecan (Onivyde®) wird nach gemcitabinbasierter Therapie bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Fluorouracil (5FU) und Leucovorin verwendet. Als alleinige Behandlung ist es dabei nicht zugelassen. Irinotecan ist mit einer Fettschicht umhüllt. DNA-Strukturen ermöglichen die Lebensfunktionen jeder Zelle. Auch Krebszellen benötigen für ihre Vermehrung die Verarbeitung von DNA durch Topoisomerasen. Irinotecan hemmt diese Verarbeitung, sodass Krebszellen vor weiterer Teilung sterben. Häufig sind Durchfall, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit, Appetitmangel und Mundschleimhautentzündung.
Nivolumab
Das Immuntherapie- Medikament Nivolumab erhielt:
- am 4. März 2015 bei metastasiertem nichtkleinzelligem Plattenepithel- Lungenkrebs oder bei Patienten unter platinhaltiger Chemotherapie;
- am 30. September 2015 bei nicht operablem oder metastasiertem Melanom zusammen mit Ipilimumab;
- am 9. Oktober 2015 bei metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs oder bei Patienten mit platinhaltiger Chemotherapie;
- am 23. November 2015 nach gefäßneubildungshemmender Behandlung bei Nierenzellkrebs betroffenen Patienten
die FDA-Zulassung.
Krebszellen binden mit PD L1 an den PD 1-Rezeptor der T-Zellen und entgehen so der Abwehr, indem sie gesunde Zellen nachahmen. Wie Pembrolizumab verhindert Nivolumab diese Bindung und erleichtert Erkennung und Vernichtung durch das Immunsystem. Häufig sind Schwäche, Husten, Übelkeit, Ausschlag, Atembeschwerden, Durchfall und Verstopfung.
Necitumumab
Am 24. November 2015 zugelassenes Necitumumab (Portrazza®) wird bei metastasiertem Plattenepithel- nichtkleinzelligem Lungenkrebs mit Gemcitabin und Cisplatin als Erstlinie eingesetzt. Bei nichtplattenepithelialem nichtkleinzelligem Lungenkrebs ist Nutzen nicht gezeigt. Es wirkt über EGFR , den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor, und verhindert durch Hemmung Wachstum sowie neue Gefäße. Es besitzt auch direkt krebszelltötende Wirkung. Häufig sind Ausschlag und niedrige Magnesiumwerte.
Osimertinib
Am 13. November 2015 zugelassenes Osimertinib (Tagrisso®) wird bei metastasiertem EGFR (epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor) T790M mutiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt. Oral gegeben wirkt es wie Necitumumab über EGFR. Die Rezeptorhemmung verhindert Wachstum und Gefäßneubildung. Häufig sind Durchfall, Ausschlag, trockene Haut und Nagelveränderungen.
Dinutuximab
Am 10. März 2015 zugelassenes Dinutuximab (Unituxin®) wird bei Hochrisiko- Neuroblastom bei Kindern nach zumindest teilweise erfolgreicher Mehrfachmedikation mit GM-CSF, IL-2 und 13-RA eingesetzt. Neuroblastom entsteht im Nervensystem, das Nachrichten vom Gehirn in den Körper leitet. Dinutuximab bindet an das Glykolipid GD2 auf Krebszellen und führt zu deren Vernichtung. Mögliche Nebenwirkungen sind Schmerzen, hohes Fieber, niedriger Blutdruck, niedriges Natrium, Anämie, Erbrechen, Durchfall, niedriges Kalium und Nesselsucht.
Uridintriacetat
Am 11. Dezember 2015 wurde durch die FDA
- bei irgendwelchen negativen Zeichen nach Überdosierung von Fluorouracil oder Capecitabin sowie
- bei frühen lebensbedrohlichen Herz- oder Nervennebenwirkungen innerhalb von 96 Stunden nach deren Einnahme
Uridinacetat (Vistogard®) als Notfallmedikament zugelassen. Es wirkt als Gegenmittel und verhindert nach oraler Einnahme Zellschäden und Zelltod, indem es Fluorouracil entgegenwirkt. Außerhalb dieser Situationen darf es nicht verwendet werden, weil sonst die Wirksamkeit von Fluorouracil und Capecitabin sinkt. Häufig sind Erbrechen, Übelkeit und Durchfall.
Trabectedin
Am 23. Oktober 2015 zugelassenes Trabectedin (Yondelis®) wird nach Anthrazyklinen bei nicht operablen oder metastasierten, aus Fettzellen stammenden Liposarkomen und aus glatten Muskelzellen stammenden Leiomyosarkomen eingesetzt. Es beeinflusst direkt DNA und ihre Bestandteile sowie den Zellzyklus und vernichtet Krebszellen. Häufig sind Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Verstopfung, Appetitmangel, Durchfall, Schwellung, Atembeschwerden und Kopfschmerzen.
Ramucirumab
Am 24. April 2015 zugelassenes Ramucirumab (Cyramza®) wird nach Ersttherapie mit Bevacizumab, Oxaliplatin und Fluoropyrimidin bei metastasiertem kolorektalem Krebs mit FOLFIRI verwendet. Es wirkt über den für Gefäßneubildung zuständigen VEGFR2. Die Hemmung von VEGFR2 verhindert weitere Vermehrung und Fernausbreitung. Häufig sind Bluthochdruck, Durchfall und Kopfschmerzen; besonders Blutungen verlangen sorgfältige Überwachung.
Gefitinib
Am 13. Juli 2015 FDA-zugelassenes Gefitinib (Iressa®) wird bei VEGFR-mutiertem metastasiertem nichtkleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt. Es wirkt über den gefäßneubildungsfördernden VEGFR2. Durch Hemmung von VEGFR2 werden Vermehrung und Fernausbreitung verhindert. Häufig sind Bauchschmerzen, dunkler Urin, Appetitmangel, Durchfall, hohes Fieber und Kopfschmerzen.
Carfilzomib
Am 24. Juli 2015 zugelassenes Carfizomib (Kyprolis®) wird bei vorbehandeltem rezidiviertem multiplem Myelom mit Lenalidomid und Dexamethason eingesetzt. Carfilzomib ist ein oral eingenommener Immunmodulator. Myelom ist Blutkrebs; die Zellen produzieren viele Proteine, die Proteasomen zur Vermeidung schädlicher Wirkungen zerkleinern. Carfilzomib hemmt diese, sodass ungespaltene Proteine sich ansammeln, toxisch wirken und Krebszellen töten. Häufig sind Müdigkeit, Atembeschwerden, hohes Fieber, verminderte Blutzellen, Anämie und Bluthochdruck.
Ibrutinib
Am 29. Januar 2015 zugelassenes Ibrutinib (Imbruvica®) wird bei einer Lymphom- Form, der Waldenström-Makroglobulinämie eingesetzt. Es wurde auch 2013 bei Mantelzelllymphom zugelassen. Die Wirkung an Tyrosinkinaserezeptoren verhindert weiteres Krebszellwachstum, Vermehrung und Fernausbreitung. Häufig sind weniger Blutplättchen als blutstillende Zellen, Durchfall, Anämie, Müdigkeit, Schmerzen und Schwellung.
Quellen
https://www.fda.gov/
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