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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Onkologe Prof. Dr. Yüksel Ürün über seinen beruflichen Weg und die Balance zwischen Arbeit und Leben

Onkologe Prof. Dr. Yüksel Ürün über seinen beruflichen Weg und die Balance zwischen Arbeit und Leben
In diesem Artikel

In dieser Folge der ASCO-Post-Reihe Ein erfülltes Leben spricht Gastredakteur Dr. Jame Abraham mit einem führenden medizinischen Onkologen der Türkei, Prof. Dr. Yüksel Ürün , über dessen klinische Laufbahn und Forschung in der Onkologie. Dr. Ürün ist Professor für Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Ankara in der Türkei.

Dieser Beitrag ist eine Übersetzung des am 27. November 2024 in The ASCO Post erschienenen Artikels „Genitourinary Cancer Expert Yüksel Ürün, MD, Shares His Career Journey and the Importance of Achieving a Work/Life Balance“.

Nach einem postdoktoralen Forschungsstipendium zu urogenitalen Krebserkrankungen am Dana-Farber Cancer Institute 2012-2013 kehrte Dr. Ürün in die Türkei zurück und gründete die Datenbank des Nierenkrebskonsortiums der Türkischen Onkologiegruppe. Sie umfasst aktuell Daten aus mehr als 15 Krebszentren der Türkei zu etwa 1.500 Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom . Als führender Forscher auf dem Gebiet urogenitaler Tumoren hat Dr. Ürün mehr als 150 begutachtete Artikel, Präsentationen und Buchkapitel veröffentlicht. Er ist zudem Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Organisationen, darunter ASCO, die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), die Genitourinary Cancer Group der Europäischen Organisation für Krebsforschung und -behandlung (EORTC) und die Advanced Prostate Cancer Consensus Conference. Zuletzt wurde er für das ASCO Leadership Development Program 2023-2024 ausgewählt und schloss es erfolgreich ab.

Wissen teilen

Dr. Abraham fragte Dr. Ürün nach seiner aktiven Präsenz in sozialen Medien und seinem Interesse an Vielfalt und Chancengleichheit in Bildung und Gesundheitsversorgung. Dr. Ürün erläuterte:

„Mich motivieren Rückmeldungen von Kollegen wie Ihnen, die mir sagen, wie hilfreich die von mir in sozialen Medien geteilten Informationen für sie sind. Die Onkologie kennt keine Grenzen. Krebs kennt ebenfalls keine Grenzen. Er betrifft Menschen überall auf der Welt. Wir Onkologen haben die Verantwortung, Wissen zu teilen und Kollegen zu unterstützen, die unseren Beruf überall ausüben. Letztlich kommt das unseren Patienten zugute. Darin liegt die Kraft sozialer Medien.“

Dr. Yüksel Ürün mit seinen Kollegen aus dem ASCO-Führungskurs


Warum entschied er sich für die Onkologie?

Dr. Ürün wurde im ländlichen Kurtalan in der Türkei geboren und wuchs in Aydın auf. Damals war die örtliche medizinische Versorgung selbst bei weniger schweren Erkrankungen begrenzt. Die Menschen mussten daher sowohl für grundlegende als auch für intensive medizinische Versorgung weite Strecken zurücklegen.

„Seit meiner Kindheit interessierte ich mich für Medizin“, berichtet Dr. Ürün und fügt hinzu:

„Seit meinem ersten Schultag wollte ich immer Arzt werden. Natürlich wollte ich zunächst meiner Familie helfen, besonders meiner Mutter. Mit zunehmendem Alter begann ich zu verstehen, wie Krankheiten und Beschwerden fast jeden Menschen betreffen.“

Zunächst plante Dr. Ürün eine Laufbahn in der Inneren Medizin. Eine persönliche Begegnung während seiner Facharztausbildung änderte jedoch seine Pläne. „Ich lernte einen jungen Mann mit Hodenkrebs kennen“, erinnert er sich.

„Bis dahin beschränkten sich meine Erfahrungen mit Krebs weitgehend auf einige Angehörige mit weit fortgeschrittener, nicht heilbarer Erkrankung. Für sie blieb nur palliative Versorgung.“

Dr. Ürün fährt fort:

„Nach der Begegnung mit diesem jungen Patienten gab mir mein Betreuer ein Exemplar der NCCN-Leitlinien für die klinische Praxis bei Hodenkrebs. Ich hatte zum ersten Mal eine solche Leitlinie vor mir. Beim Lesen erfuhr ich, dass sogar bei fortgeschrittener Erkrankung eine Chance auf vollständige Heilung bestehen kann. Dieses Wissen veränderte meine Sichtweise. Ich dachte: Selbst bei metastasierten, fortgeschrittenen soliden Tumoren ist Heilung möglich.“


Inspiration durch Hodenkrebs

Für Dr. Ürün wurde Hodenkrebs zu einer Modellerkrankung.

„Ich schrieb meine Abschlussarbeit in der Inneren Medizin über Hodenkrebs und beschloss, mich auf urogenitale Krebserkrankungen zu spezialisieren“, erklärt er.

„Meine Facharztausbildung in medizinischer Onkologie absolvierte ich an der Universität Ankara, einer der angesehensten Einrichtungen der Türkei. Diese Erfahrung erweiterte meinen Horizont in jeder Hinsicht, und meine Mentoren unterstützten mich stets.“


Klinische Praxis und Forschung verbinden

Im Jahr 2012 ging Dr. Ürün in die USA und nahm an einem Stipendienprogramm am Dana-Farber Cancer Institute in Boston teil.

„Was mir bei Dana-Farber zuerst auffiel, war der patientenorientierte Ansatz sowie die Bedeutung von Forschung und kontinuierlicher Weiterbildung“, erinnert er sich.

„Damals war Dr. Toni Choueiri mein Mentor. Er leitet heute das Zentrum für urogenitale Onkologie am Dana-Farber und wurde zugleich zu meinem lebenslangen Mentor und Freund. Außerdem lernte ich viele führende Forscher dieses Gebiets kennen, darunter Dr. Philip W. Kantoff, Mary-Ellen Taplin und Christopher Sweeney. Unter Tonis Leitung wurden wir mit Freunden aus aller Welt zu einer großen Familie der urogenitalen Onkologie und bleiben bis heute in Kontakt.“

Für Dr. Ürün bot dieses frühe Stipendium eine wichtige Gelegenheit, kritisches Denken zu lernen und zu verstehen, wie sich Forschung und klinische Praxis verbinden lassen.

„Ich lernte, Dinge aus mehreren Perspektiven zu betrachten“, sagt er.

„Und natürlich sah ich ein vielfältiges Team hochqualifizierter medizinischer Fachkräfte aus aller Welt. Dadurch erkannte ich die große Bedeutung eines starken weltweiten Onkologienetzwerks, in dem wir alle unsere Fähigkeiten gemeinsam weiterentwickeln können.“


Rückkehr in die Türkei und Umsetzung der Dana-Farber-Erfahrungen

Nach dem Stipendium beschloss Dr. Ürün, das bei Dana-Farber Gelernte in die Türkei zu übertragen. Er erläutert:

„Eine wichtige Lehre von Dana-Farber war, dass man nicht alles gleichzeitig tun kann, weil personelle und finanzielle Mittel begrenzt sind. Statt mich darüber zu beklagen, was uns fehlt, beschloss ich jedoch, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen.“

Dr. Ürün fährt fort:

„2016 gründeten wir die Datenbank des Nierenkrebskonsortiums der Türkischen Onkologiegruppe und widmeten sie meinem Mentor Dr. Choueiri. Wie bereits erwähnt, umfasst sie heute etwa 1.500 Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom aus mehr als 15 Krebszentren der Türkei. Durch die Teilnahme weiterer Zentren erweitern wir sie.“

„Natürlich gibt es auch Daten, die wir aus klinischen Studien gewinnen können“, fügt er hinzu,
„aber wir wissen, dass klinische Studien allein nicht alle benötigten Antworten liefern. Aus epidemiologischen Daten können wir viel über Krankheitsmuster lernen. Das bietet die Chance, die Versorgung unserer Patienten zu verbessern.“


Teil der weltweiten Krebsgemeinschaft sein

Dr. Ürün beschreibt kurz seine Rolle als Professor für Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Ankara in der Türkei.

„Wir haben ein umfassendes multidisziplinäres Onkologieteam mit Fachleuten aus Chirurgie, medizinischer Onkologie, Radioonkologie, Pathologie und vielen weiteren Disziplinen. Patienten aus der gesamten Türkei und sogar aus anderen Teilen der Welt kommen hierher, um bestmöglich onkologisch versorgt zu werden.“

Dr. Ürün fügt hinzu:

„Außerdem führen wir ein starkes klinisches Studienprogramm bis hin zu Phase-I-Studien durch, um Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zusätzliche Behandlungsoptionen anzubieten. Ich glaube, dass Patienten in klinischen Studien bessere Ergebnisse erzielen als Nichtteilnehmer. Es ist sehr wichtig, unsere Ergebnisse zu veröffentlichen, unsere Daten weltweit zu teilen und zu lernen, wie wir klinische Studien besser gestalten können.“

Dr. Ürün geht auch kurz auf seine internationalen onkologischen Aktivitäten ein:

„Wir arbeiten in internationalen Forschungskooperationen mit Toni Choueiri bei Dana-Farber sowie mit anderen amerikanischen und europäischen Krebszentren zusammen. Deshalb fühlen wir uns als Teil der weltweiten Onkologiegemeinschaft und überlegen ständig, wie wir zu ihrer Weiterentwicklung beitragen können.“


Kosten der Krebsbehandlung in der Türkei

Dr. Abraham bat Dr. Ürün um eine Einschätzung der Kosten der Krebsversorgung in seinem Land. Dr. Ürün antwortet:

„In der Türkei haben wir ein staatlich unterstütztes allgemeines Krankenversicherungssystem; etwa 90% der Bevölkerung sind staatlich versichert. Jede von der türkischen Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde TİTCK zugelassene Krebsbehandlung sowie Bildgebung und Laboruntersuchungen werden vom Staat erstattet. Deshalb sind zugelassene Krebsbehandlungen in staatlichen Krankenhäusern für alle Patienten kostenlos.“

Allerdings könne es nach einer US-Zulassung 2 bis 5 Jahre dauern, bis ein Medikament auch in der Türkei zugelassen werde.

„Daher sind klinische Studien entscheidend für einen frühzeitigen Zugang zu diesen Behandlungen“, erklärt Dr. Ürün.

„Bei Prostatakrebs sind beispielsweise die meisten neuen Therapien wie Abirateronacetat, Enzalutamid und Apalutamid von der TİTCK zugelassen und für Patienten verfügbar. Herkömmliche Chemotherapien wie Doxorubicin und Carboplatin/Paclitaxel-Kombinationen sind natürlich schon seit etwa zehn Jahren zugelassen und zugänglich.“

Dr. Ürün fährt fort:

„Leider sind neue Krebstherapien, die noch nicht von der TİTCK zugelassen wurden, nur in Apotheken erhältlich und werden nicht erstattet. Die Patienten müssen sie daher selbst bezahlen, was für manche sehr teuer ist. Im Allgemeinen können die grundlegenden Krebsmedikamente der Liste unentbehrlicher Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation jedoch für die meisten Patienten kostenlos bereitgestellt werden. Die Zulassung neuer Medikamente kann dauern.“


Führungspersönlichkeiten in der Onkologie entwickeln

Dr. Abraham fragte Dr. Ürün nach seinen Erfahrungen im ASCO Leadership Development Program. Er antwortet:

„Zunächst möchte ich ASCO für diese Gelegenheit danken. ASCO hat viel Mühe und Mittel in das Programm investiert; für mich war es eine besondere Erfahrung. Ich bin sehr froh, aufgenommen worden zu sein. Im Medizinstudium lernen wir keine Führungsfähigkeiten. Letztlich bedeutet gute Führung aber, den Patienten die besten Behandlungsmöglichkeiten anbieten zu können. Gute Führung heißt Fürsprache, Ehrlichkeit und Zusammenarbeit.“

Dr. Ürün ergänzt:

„Das Programm hat meinen Horizont erweitert. Als Arzt behandeln Sie natürlich jeden Patienten als Einzelperson. Bei Führung lernen Sie dagegen, wie Sie die Versorgung vieler Patienten verbessern können. Das Programm ermöglichte Mentoring durch ASCO-Führungskräfte, die Mitarbeit in ASCO-Gremien und den Aufbau eines größeren Netzwerks. Heute fühle ich mich wie einer der ASCO-Botschafter in der Region.“


Balance zwischen Arbeit und Leben

Dr. Abraham bat Dr. Ürün um seine Gedanken zur Bedeutung der Balance zwischen Arbeit und Leben. Er antwortet:

„Unsere Energie ist nicht unbegrenzt. Manchmal müssen wir neue Kraft schöpfen, um besser arbeiten zu können und Erschöpfung zu vermeiden. In meinen ersten Jahren als Onkologe glaubte ich, für den Erfolg mehr arbeiten zu müssen. Im Laufe meines Lebens und während dieses Führungsprogramms habe ich jedoch gelernt, dass man Beruf und Privatleben ins Gleichgewicht bringen muss. Für mich bedeutet Erfolg im Leben, von einer liebevollen Familie und Freunden umgeben zu sein, die einen unterstützen, Freude teilen und in schweren Zeiten da sind. Ihre Wärme und Ermutigung geben meiner Arbeit und meinem Privatleben Ausgeglichenheit, Motivation und Sinn.“

Dr. Ürün erzählt auch, wie er sich außerhalb der Arbeit erholt:

„Ich lese gern und wandere in der Natur. Die Natur wirkt für mich sehr heilsam. Zu gehen und den Wind im Gesicht zu spüren, lässt mich wie neugeboren fühlen und schenkt mir inneren Frieden. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie tun können, und laufen Sie – Ihren Zielen entgegen und für Ihre Gesundheit. Jeder Schritt zählt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn! So gehe ich mit Stress um.“


An gemeinsamen Zielen arbeiten

Dr. Abraham fragte Dr. Ürün nach einem Rat für junge Onkologen. Er erläutert:

„Träumen Sie groß, leben Sie Ihre Träume und bleiben Sie beharrlich. Machen Sie sich keine Sorgen über das Scheitern. Wenn Sie Ihr Bestes geben, gibt es kein Scheitern, und Sie haben zur weltweiten Onkologiegemeinschaft beigetragen.“

Das virtuelle Mentoringprogramm von ASCO verbindet Mitglieder mit Mentoren außerhalb ihrer eigenen Einrichtung. Es soll den ungedeckten Bedarf an beruflicher Weiterentwicklung bei Onkologen in Ausbildung, Berufseinsteigern, in der Medizin unterrepräsentierten Gruppen und Onkologinnen aufgreifen.

„Mein persönlicher Rat: Seien Sie nicht zurückhaltend und bitten Sie um Hilfe. Wir arbeiten alle an denselben Zielen“, sagt Dr. Ürün.

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