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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Strahlentherapie vor der Operation bei Rektumkrebs: Wem nützt sie, wem schadet sie?

Strahlentherapie vor der Operation bei Rektumkrebs: Wem nützt sie, wem schadet sie?
In diesem Artikel

Unten oder oben? Wie beeinflusst die Tumorhöhe die Behandlung von Rektumkrebs?

Rektumkrebs ist eine Krebsart, die im letzten Abschnitt des Dickdarms entsteht. Hat sich der Krebs auf umliegendes Gewebe ausgebreitet, ist er also lokal fortgeschritten , wird die Behandlungsplanung komplexer. In solchen Fällen müssen sowohl der Operationszeitpunkt als auch die Notwendigkeit zusätzlicher Behandlungen wie einer Strahlentherapie sorgfältig abgewogen werden. Denn die am besten geeignete Behandlung kann für jeden Patienten unterschiedlich sein.

Etwa 55–60% der Rektumkarzinome sind bei Diagnosestellung lokal fortgeschritten.

In den letzten Jahren wurden präoperative, also neoadjuvante, Strahlen- und Chemotherapien zunehmend eingesetzt, um lokale Rückfälle zu vermindern und das Langzeitüberleben zu verbessern. Neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Strategie nicht allen Patienten gleichermaßen nützt und in manchen Untergruppen sogar zu dauerhaften Einbußen der Lebensqualität führen kann.

Eine am 7. Mai 2025 in JAMA Network Open veröffentlichte umfassende Studie aus Taiwan zeigt, dass wir das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer neoadjuvanten Strahlentherapie insbesondere im Hinblick auf die Lage des Tumors im Rektum neu überdenken sollten.

Die Kernaussagen der Studie:

✅ Bei Krebs im unteren Rektum: Signifikanter Überlebensvorteil durch neoadjuvante Strahlentherapie.

⚠️ Im mittleren Rektum: Der Überlebensunterschied war statistisch nicht signifikant.

❌ Im oberen Rektum: Die Strahlentherapie leistete keinen Beitrag zum Überleben (HR: 1,54).

Lage und Anatomie des Rektums: oberes, mittleres, unteres, distales und proximales Rektum


Zentraler Befund: Bei tiefer gelegenen Tumoren ist der Nutzen deutlicher

Diese retrospektive Kohortenstudie auf Grundlage des taiwanischen nationalen Krebsregisters umfasste Patienten, bei denen zwischen 2014-2017 lokal fortgeschrittener Rektumkrebs diagnostiziert und behandelt wurde, insgesamt 4099 Patienten :

  • 1436 Patienten mit neoadjuvanter Strahlentherapie + Operation
  • 2663 Patienten mit unmittelbarer Operation

Die Patienten wurden mindestens 3 Jahre nachbeobachtet. Verglichen wurden wichtige Ergebnisse wie Gesamtüberleben, lokale Rückfälle und die Dauerhaftigkeit eines Stomas .


Strahlentherapie verbessert das Überleben – aber bei welchen Patienten? Neue Strategien nach Tumorhöhe: JAMA 2025, unteres, mittleres und oberes Rektum

Die wichtigsten Studienergebnisse

1. Vorteil beim Gesamtüberleben:

  • Gesamtüberleben nach 3 Jahren in der Gruppe NRT + Operation: 88,5%
  • In der Operationsgruppe: 85,2%
  • HR: 0,74 (95%-Konfidenzintervall: 0,59-0,92)

Insgesamt hatten die bestrahlten Patienten also eine etwas größere Chance, länger zu leben. Dieser Unterschied war statistisch signifikant.

2. Ähnliche lokale Rückfallraten:

  • NRT-Gruppe: 5,7%
  • Operationsgruppe: 6,6%
  • Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.

3. Erhöhtes Risiko eines dauerhaften Stomas:

  • Anteil dauerhafter Stomata in der NRT-Gruppe: 20,6%
  • In der Operationsgruppe: 11,1%
  • RR: 1,91 (KI: 1,62-2,25)

Bei bestrahlten Patienten war somit die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Stomas etwa 2-mal so hoch. Dieser Unterschied ist signifikant und beachtenswert.


Wie sollte sich die klinische Praxis verändern?

Die Studie zeigt, dass der Ansatz „Strahlentherapie für jeden lokal fortgeschrittenen Rektumkrebs“ neu bewertet werden sollte.

  • Am meisten profitieren Patienten mit Tumoren im unteren Rektum.
  • Bei Tumoren im oberen Rektum ohne Lymphknotenbefall könnte eine alleinige Operation ausreichen.

Auch die NCCN-Leitlinien aus den USA und die europäischen ESMO-Leitlinien empfehlen eine sorgfältige Planung der Strahlentherapie bei Tumoren des oberen Rektums.


Fazit: Eine individuelle Behandlung ist unerlässlich

Eine einheitliche Behandlung für alle reicht bei Rektumkrebs nicht mehr aus.

  • Im unteren Rektum: Strahlentherapie kann das Überleben verbessern.
  • Besonders im oberen Rektum: Strahlentherapie kann dauerhafte Schäden verursachen.

Bei Behandlungsentscheidungen sollten berücksichtigt werden:

  • Die Lage des Tumors im Rektum
  • Das Risiko eines Stomas
  • Die Erwartungen des Patienten an seine Lebensqualität.

🔬 Wissenschaftliche Daten helfen uns weiterhin dabei, diese Unterscheidung klarer zu treffen.

Quellen

Chen P, Yang AS, Fichera A, Chao-Han Lai et al. Neoadjuvant Radiotherapy vs Up-Front Surgery for Resectable Locally Advanced Rectal Cancer. JAMA Netw Open. 2025;8(5):e259049. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.9049
DROZDOGAN KI

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DROZDOGAN KI

Drozdogan-Assistent

Strahlentherapie vor der Operation bei Rektumkrebs: Wem nützt sie, wem schadet sie?

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