Studie der türkischen Forscherin Dr. Refika Yiğit zu einer therapeutischen HPV-Impfung

In diesem Artikel
Für etwa 5% aller Krebserkrankungen verantwortlich ist das humane Papillomavirus (HPV), das weltweit weiterhin ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellt. HPV-Impfstoffe werden in zwei Kategorien eingeteilt: vorbeugende und therapeutische Impfstoffe. Vorbeugende Impfungen sollen eine HPV-Infektion verhindern. Zu den am häufigsten eingesetzten Impfstoffen gehört Gardasil 9. Dieser Impfstoff bietet einen starken Schutz gegen Hochrisiko-HPV-Typen und kann einen großen Teil der HPV-Infektionen verhindern, die Gebärmutterhalskrebs verursachen. Für bereits mit HPV infizierte Menschen mit Zellveränderungen stand jedoch bislang keine therapeutische Impfung zur Verfügung. Seit vielen Jahren wird an therapeutischen HPV-Impfstoffen geforscht. Die neue Studie gilt als einer der konkretesten Fortschritte auf diesem Gebiet.
Therapeutische Impfung gegen HPV16 erwies sich als sicher und wirksam bei der Beseitigung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses
Könnten Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses (prämaligne Läsionen) ohne einen operativen Eingriff behandelt werden?
Eine neue klinische Phase-II-Studie unter der Leitung der in den Niederlanden tätigen Dr. Refika Yiğit ergab, dass der experimentelle therapeutische Impfstoff Vvax001 bei Patientinnen mit einer für das humane Papillomavirus Typ 16 (HPV16) positiven zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN3) sicher und wirksam war.
Wenn diese Ergebnisse in klinischen Phase-III-Studien bestätigt werden, könnte Vvax001 eine nichtoperative Behandlungsalternative für Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses bieten. Die Studie wurde am 24. Januar 2025 in Clinical Cancer Research veröffentlicht.
Der Zusammenhang zwischen HPV16 und Gebärmutterhalskrebs
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Hochrisikotypen des humanen Papillomavirus wie HPV16 und HPV18 nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verursachen. Eine frühere klinische Phase-I-Studie hatte gezeigt: Gegen die HPV16-Proteine E6 und/oder E7 gerichtetes Vvax001 löste bei Patientinnen starke zytotoxische T-Zell-Antworten aus. In der neuen klinischen Phase-II-Studie wurde diese Wirksamkeit ebenfalls bestätigt; dem Impfstoff wurde ein präklinischer Erfolg bescheinigt.
Was ist eine zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN)?
Der Begriff zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) bezeichnet präkanzeröse, atypische Zellwachstumsmuster am Gebärmutterhals. Diese Zellveränderungen sind kein Krebs, können sich jedoch unbehandelt zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln.
CIN wird je nach Schwere der Zellveränderungen in CIN1, CIN2 und CIN3 eingeteilt:
- CIN1 (leichte Dysplasie): Bezeichnet leichte Zellveränderungen, die in den meisten Fällen keiner Behandlung bedürfen, weil der Körper solche leichten Veränderungen meist selbst zurückbilden kann.
- CIN2 und CIN3 (mittelgradige bis schwere Dysplasie): Bezeichnen schwerwiegendere Zellveränderungen. Wenn CIN2 und CIN3 fortschreiten oder sich nicht innerhalb von 1-2 Jahren von selbst zurückbilden, kann eine Behandlung erforderlich sein. Insbesondere CIN3 wird meist behandelt, da ein hohes Risiko für die Entwicklung zu Gebärmutterhalskrebs besteht.
Eine bahnbrechende Studie in der Medizin
Die Forschenden nahmen 18 Patientinnen mit neu diagnostizierter HPV16-positiver CIN3 in die Studie auf. Sie erhielten drei Dosen Vvax001 im Abstand von 3 Wochen. Nach der letzten Impfung wurden die Patientinnen 19 Wochen lang mittels Kolposkopie nachbeobachtet. Beim letzten Besuch wurde anhand einer Biopsie geprüft, ob sich die Läsionen zurückgebildet hatten. Bei verbliebenen CIN2/3-Läsionen erfolgte der übliche operative Eingriff.
Die Forschenden bewerteten die histopathologischen Ansprechraten, die Elimination von HPV16 aus dem Körper, impfbedingte Nebenwirkungen und die durch die Impfung ausgelösten Immunantworten.
Die Ergebnisse
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Die Läsionen wurden kleiner: Bei den kolposkopischen Untersuchungen zeigte sich bei 94% der Patientinnen (17/18) eine Verkleinerung der CIN3-Läsionen. Dieser Rückgang war bereits 3 Wochen nach der letzten Impfung zu beobachten.
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Vollständige Rückbildung der Erkrankung bei 50%: Histopathologisch zeigte sich bei der Hälfte der Patientinnen (50%; 9/18), dass sich CIN3 zu CIN1 zurückgebildet hatte oder vollständig verschwunden war.
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Elimination von HPV16 bei 63%: Bei 63% der Patientinnen (10/16) wurde HPV16 vollständig aus dem Körper eliminiert.
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Keine Wirkung auf andere HPV-Typen: Die Impfung zeigte keine Wirkung auf die Elimination anderer HPV-Typen als HPV16.
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Alle Patientinnen blieben krankheitsfrei: Bislang wurde kein Rückfall beobachtet. Die mittlere und die längste krankheitsfreie Zeit betrugen 20 beziehungsweise 30 Monate.
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Keine schweren Nebenwirkungen: Es wurde festgestellt, dass die Impfung keine schweren Nebenwirkungen verursachte.
Kann diese Impfung eine Alternative zur Operation bei Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses bieten?
Die Studienleiterin Dr. Refika Yiğit, gynäkologische Onkologin am Universitätsklinikum Groningen in den Niederlanden, erklärte:
„Nach unserem Kenntnisstand scheint Vvax001 zu den wirksamsten therapeutischen Impfstoffen gegen HPV16-assoziierte CIN3-Läsionen zu gehören. Wenn sich dies in einer größeren klinischen Studie bestätigt, könnte mindestens die Hälfte der Patientinnen mit CIN3 auf eine Operation verzichten und damit operationsbedingte Nebenwirkungen und Komplikationen vermeiden.“
Diese vielversprechenden Ergebnisse könnten bei der Behandlung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses bahnbrechende Veränderungen bewirken. Wenn Phase-III-Studien die Ergebnisse bestätigen, könnte Vvax001 zu einer sehr wichtigen therapeutischen Option in der gynäkologischen Onkologie werden.
Zusammensetzung und Wirkmechanismus des Impfstoffs Vvax001
Vvax001 ist ein auf dem Semliki-Forest-Virus (SFV) basierender RNA-Replikon-Krebsimpfstoff, der die HPV16-Onkoproteine E6 und E7 kodiert. Er besteht aus nicht replizierenden SFV-Replikonpartikeln und trägt HPV16-abgeleitete Antigene. Nach intramuskulärer Verabreichung bewirkt er im Körper die Expression der Proteine E6 und E7 und stimuliert sowohl die angeborene als auch die adaptive Immunantwort. Dieser Prozess unterstützt die Erkennung und Beseitigung HPV-infizierter Zellen.
Wann könnte diese Impfung verfügbar werden?
Vvax001 ist bislang von keiner offiziellen Gesundheitsbehörde als Impfstoff zugelassen. Wenn Wirksamkeit und Sicherheit jedoch in klinischen Phase-III-Studien bestätigt werden, hat er ein großes Potenzial, zu den ersten zugelassenen therapeutischen HPV-Impfstoffen gegen Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses zu gehören. Es wird erwartet, dass belastbare Daten aus klinischen Studien das Zulassungsverfahren beschleunigen könnten und die Impfung innerhalb weniger Jahre für Patientinnen verfügbar werden könnte.
Wer ist Dr. Refika Yiğit?
Dr. Refika Yiğit absolvierte ihr Medizinstudium von 1994-2001 an der KU Leuven. Von 2002-2007 folgte dort die Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe, von 2007-2008 eine weitere Spezialisierung in der Brustchirurgie. Von 2008-2012 arbeitete sie als Ärztin am UMC St Radboud und anschließend von 2012-2013 am The Royal Marsden NHS Foundation Trust in London. Seit 2013 ist sie am Universitätsklinikum Groningen (UMCG) in der gynäkologischen Onkologie, minimalinvasiven Chirurgie und robotischen Chirurgie tätig.
Quellen
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