Studien zur psychologischen Unterstützung von Krebskranken

In diesem Artikel
Drei neue Untersuchungen stellen drei neue Ansätze zur psychologischen Unterstützung von Krebskranken vor. Die Studien wurden beim diesjährigen ASCO-Kongress veröffentlicht.
Menschen erleben in verschiedenen Phasen einer Krebserkrankung unterschiedliche, durch die Krankheit bedingte seelische Veränderungen. Ohne ausreichende Ermutigung und psychologische Unterstützung können diese die Lebensqualitäterheblich senken und den Umgang mit dem Krebs erschweren.
In der Krebsbehandlung ist psychologische Unterstützungein ebenso wichtiger Faktor wie die chemotherapeutische Behandlung. Um diesem Bedürfnis von Krebskranken zu entsprechen, entstand vor etwa 50 Jahren ein neues Fachgebiet namens Krebspsychologie – Psychoonkologie . Diese Wissenschaft will psychische Probleme erkennen und lindern, die Krebskranke und ihre Angehörigen im Zusammenhang mit Diagnose und Behandlung erleben können.
Bei der diesjährigen Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie, ASCO , wurden drei neue Ansätze zur Krebspsychologie bewertet. Diese Ansätze sind der Reihe nach:
- Die STREAM-Studie während der Krebsdiagnose und -behandlung
- Die Studie „Besiege deine Angst“ in der Überlebensphase nach Krebs
- Die CALM-Studie in der letzten Phase der Krebserkrankung
Die STREAM-Studie
Diese Untersuchung betrifft ein internetgestütztes Stressmanagement . Die Studie mit 129 neu diagnostizierten Betroffenen beruhte auf einem „minimalen Kontakt“. Hintergrund ist, dass Krebsbehandlungen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Entsprechend diesem Prinzip nahmen die psychologischen Fachkräfte während der Anwendung nur einmal wöchentlich Kontakt mit den Betroffenen auf.
Während der 8-wöchigen Anwendung erhielt ein Teil der Betroffenen eine kognitive Therapie, während die anderen ohne Intervention beobachtet wurden. Die Teilnehmenden der kognitiven Therapie erhielten wöchentlich online Informationen über deren Konzepte. Um die Wirkung zu erfassen, wurde jeweils am Ende der wöchentlichen Behandlung ein Fragebogen eingesetzt.
Den Fragebogenergebnissen zufolge nahmen nach 8 Wochen im Arm mit kognitiver Therapie negative Gefühle ab, und entsprechend wurde eine Verbesserung der Lebensqualität beobachtet.
Die Studie „Besiege deine Angst“
Diese Untersuchung richtete sich bei Menschen nach überstandener Krebserkrankung gegen die Angst vor einem Krebsrückfall . An der durchgeführten klinischen Phase-2-Studienahmen Menschen teil, die Dickdarmkrebs, Brustkrebs oder den Hautkrebs Melanom überstanden hatten, insgesamt 222 Betroffene. Im Versuchsarm wurde das Programm „Besiege deine Angst“ eingesetzt, im Kontrollarm das Programm „Entspanne dich“. Im Arm „Besiege deine Angst“ wurde vermittelt, dass ungewiss ist, ob der Krebs zurückkehrt, und dass diese Tatsache akzeptiert werden muss.
Im Kontrollarm „Entspanne dich“ wurden dagegen Entspannungstechniken vermittelt. In beiden Armen fanden über 10 Wochen persönliche Gespräche von 60 oder 90 Minuten Dauer statt.
Der am Studienende eingesetzte Fragebogen zeigte, dass die Teilnehmenden im Arm „Besiege deine Angst“ weniger Angst vor einem Krebsrückfall hatten als diejenigen im Kontrollarm.
Die CALM-Studie
Der ausgeschriebene Name dieser Studie bedeutet Mit Krebs umgehen und ein sinnvolles Leben führen . Sie wurde durchgeführt, um auf die psychischen Bedürfnisse von Menschen in der letzten Phase einer Krebserkrankung einzugehen. Es nahmen 305 Menschen mit fortgeschrittenem Krebs teil. Der Versuchsarm erhielt das CALM-Programm, der Kontrollarm eine psychologische Standardbehandlung.
Der CALM-Arm umfasste vier Hauptbereiche:
- Umgang mit Beschwerden und Kommunikation mit Gesundheitsfachkräften
- Durch die Krankheit verursachte Veränderungen der eigenen Person und der Beziehungen zu nahestehenden Menschen
- Das Gefühl von Ziel und Sinn
- Zukunft und Tod
Über einen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten erhielten die Betroffenen 3 bis 6 Therapiesitzungen. Im CALM-Arm wurden nach einer Anwendung über 3 Monate die depressiven Symptomeum %52 verringert. Nach 6 Monaten Behandlung stieg dieser Wert auf %65. Gegenwärtig werden Gesundheitsfachkräfte in weltweit 20 Ländern in der Anwendung von CALM geschult.
Fazit
Die psychologische Unterstützung von Krebskranken ist ebenso wichtig wie die Krebsbehandlung selbst. Die beschriebenen Untersuchungen sind wertvolle Beiträge zur Krebspsychologie. Künftige Studien auf diesem Gebiet versprechen Hoffnung sowohl für Betroffene als auch für ihre Angehörigen.
Quellen
2017 ASCO Annual Meeting. Abstract No: LBA10002
2. Long-term results of a phase II randomized controlled trial (RCT) of a psychological intervention (Conquer Fear) to reduce clinical levels of fear of cancer recurrence in breast, colorectal, and melanoma cancer survivors.
2017 ASCO Annual Meeting. Abstract No: LBA10000
3. Managing cancer and living meaningfully (CALM): A randomized controlled trial of a psychological intervention for patients with advanced cancer.
2017 ASCO Annual Meeting. Abstract No: LBA10001
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