Tarlatamab als erster Wirkstoff seiner Klasse bei kleinzelligem Lungenkrebs von der FDA zugelassen

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Zur Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms (SCLC) im ausgedehnten Stadium mit Progression während oder nach platinhaltiger Chemotherapie erhielt Tarlatamab-dlle (Imdelltra, Amgen, Inc.) am 16. Mai 2024 eine beschleunigte Zulassung durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA.
Erster bispezifischer Wirkstoff seiner Klasse
Der erste bispezifische Wirkstoff einer Klasse bezeichnet eine völlig neue Medikamentenart, die zuvor nicht mit vergleichbaren Mechanismen oder Zielstrukturen entwickelt wurde. Tarlatamab-dlle ist das erste Medikament, das gleichzeitig an das DLL3-Protein auf Tumorzellen und das CD3-Protein auf Immunzellen binden kann. Dadurch soll das Immunsystem aktiviert werden, um Tumorzellen abzutöten. Dieser Ansatz mit zwei Zielstrukturen könnte wirksamer sein und weniger Nebenwirkungen verursachen als herkömmliche Behandlungen. In diesem Sinne wird Tarlatamab als zielgerichtete Therapie eingeordnet.

Tarlatamab ist ein bispezifischer T-Zell-Aktivator (BiTE), der als erster seiner Klasse an den Delta-like-Liganden 3 (DLL3) auf Zelloberflächen, einschließlich Tumorzellen, und an CD3 auf T-Zellen bindet. Diese Wechselwirkung führt zur T-Zell-Aktivierung, zur Freisetzung entzündlicher Zytokine und zur Auflösung DLL3-exprimierender Krebszellen.
FDA-Zulassung auf Grundlage der DeLLphi-301-Studie
Die Wirksamkeit wurde bei 99 Patienten der offenen, multizentrischen Mehrkohortenstudie DeLLphi-301 untersucht. Sie hatten rezidivierendes beziehungsweise therapierefraktäres SCLC im ausgedehnten Stadium mit Progression nach platinhaltiger Chemotherapie.
Patienten mit symptomatischen Hirnmetastasen, interstitieller Lungenerkrankung oder nichtinfektiöser Pneumonitis sowie aktiver Immundefizienz waren ausgeschlossen. Tarlatamab wurde bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität verabreicht.
Die wichtigsten Wirksamkeitsendpunkte waren die Gesamtansprechrate (ORR, overall response rate) und die Ansprechdauer.
- Die Gesamtansprechrate betrug 40% (95% CI: 31, 51). Bei den ansprechenden Patienten lag die mediane Ansprechdauer bei 9,7 Monaten (Spannweite: 2,7, 20,7+).
Bei den 69 Patienten mit verfügbaren Angaben zur Platinsensitivität betrug die Gesamtansprechrate
- bei den 27 Patienten mit platinresistentem SCLC 52% (95% CI: 32, 71), definiert als Progression innerhalb von < 90 Tagen nach der letzten Platindosis, und
- bei den 42 Patienten mit platinsensitivem SCLC 31% (95% CI: 18, 47), definiert als Progression ≥ 90 Tage nach der letzten Platindosis.

Die Fachinformation von Tarlatamab-dlle enthält einen hervorgehobenen Warnhinweis, eine Boxed Warning, zu schwerem oder lebensbedrohlichem Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) und neurologischer Toxizität einschließlich des Immuneffektorzell-assoziierten Neurotoxizitätssyndroms (ICANS). Die häufigsten unerwünschten Reaktionen bei mehr als 20% waren CRS, Müdigkeit, Fieber, Dysgeusie als Geschmacksstörung, Appetitlosigkeit, Muskel-Skelett-Schmerzen, Verstopfung, Anämie und Übelkeit. Die häufigsten Laborveränderungen der Grade 3 oder 4 (≥5%) waren erniedrigte Lymphozyten, erniedrigtes Natrium, erhöhte Harnsäure, verminderte Gesamtneutrophilen, erniedrigtes Hämoglobin, verlängerte aktivierte partielle Thromboplastinzeit und erniedrigtes Kalium.
Die empfohlene Tarlatamab-Dosierung beginnt mit 1 mg als intravenöser Infusion über 1 Stunde an Tag 1 von Zyklus 1. Es folgen 10 mg an den Tagen 8 und 15 von Zyklus 1 und anschließend alle 2 Wochen bis zur Krankheitsprogression oder bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität.
Quellen
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