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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Unauffällige Koloskopie: Lassen sich die Vorsorgeintervalle verlängern und wie stark sinkt das Krebsrisiko?

Unauffällige Koloskopie: Lassen sich die Vorsorgeintervalle verlängern und wie stark sinkt das Krebsrisiko?
In diesem Artikel

Bei der Darmkrebsvorsorge sprechen negative Koloskopiebefunde dafür, die Intervalle bis zur nächsten Untersuchung auf mehr als 10 Jahre zu verlängern . Entsprechende Ergebnisse wurden am 27. November 2024 in JAMA Oncology veröffentlicht. Knudsen und Kollegen betonten, dass dieser Vorschlag insbesondere bei Menschen mit niedrigem Risikoprofil beachtenswert ist.


Eine Koloskopie wird sowohl Männern als auch Frauen ab dem Alter von 45 Jahren empfohlen. Mit dieser Früherkennungsmethode lässt sich das Innere von Kolon und Rektum, also des Dickdarms, betrachten. Sie gehört zu den wirksamsten Verfahren, die Ärzte für folgende Zwecke einsetzen:

Vorbereitung auf die Koloskopie, Kolon und Rektum, Darmpolyp


Einzelheiten der aktuellen JAMA-Studie

Diese US-Kohortenstudie nutzte Daten aus drei prospektiven, bevölkerungsbasierten US-Kohorten mit Pflegekräften und anderen Gesundheitsberufen: Nurses’ Health Study, Nurses’ Health Study II und Health Professionals Follow-up Study. Die Nachbeobachtung begann in den Jahren 1988 und 1991 und dauerte bis 2020. Zum Vergleich der Verteilung der Risikoprofile mit der allgemeinen US-Bevölkerung wurden außerdem Daten des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2018 herangezogen.

Insgesamt wurden 195.453 Teilnehmende nachbeobachtet (medianes Alter: 44; 81% Frauen). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 12 Jahre (Interquartilsabstand: 6–20 Jahre). Von 81.151 Personen mit negativem Befund bei der Vorsorgekoloskopie erkrankten 394 an Darmkrebs und 167 starben daran. Unter 114.302 Personen ohne Vorsorgekoloskopie erkrankten 2.229 an Darmkrebs und 637 starben daran.


Bedeutung der Ergebnisse

Negative Koloskopiebefunde waren über die 20-jährige Nachbeobachtung hinweg durchgehend mit einer geringeren Darmkrebsinzidenz (Hazard Ratio [HR] = 0,51; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,44–0,58) und einer geringeren Darmkrebssterblichkeit (HR = 0,56; 95%-KI: 0,46–0,70) verbunden.

Bei Personen mit negativem Koloskopiebefund betrug die kumulative Darmkrebsinzidenz über 10 Jahre in der Gruppe mit hohem Risikoscore 0,78%. Die Gruppe mit mittlerem Risikoscore erreichte diesen Wert nach 16 Jahren, die mit niedrigem Risikoscore erst nach 25 Jahren.


Wer hat ein niedriges oder hohes Darmkrebsrisiko?

Bei Darmkrebs werden niedrige und hohe Risikoprofile anhand der Faktoren bestimmt, die die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung beeinflussen. Berücksichtigt werden genetische und umweltbedingte Faktoren, der Lebensstil und die medizinische Vorgeschichte.

Niedriges Risikoprofil
  • Familienanamnese: Keine familiäre Vorgeschichte von Darmkrebs oder adenomatösen Polypen.
  • Alter: In der Regel Menschen unter 50 Jahren, wobei diese Altersgrenze je nach klinischer Leitlinie variieren kann.
  • Lebensstil:
    • Gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Ballaststoffen und wenig rotem sowie verarbeitetem Fleisch.
    • Ein körperlich aktiver Lebensstil.
    • Kein übermäßiger Alkoholkonsum und kein Rauchen.
  • Medizinische Vorgeschichte:
    • Keine früheren Darmerkrankungen, zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
    • Ein negativer Koloskopiebefund oder bisher unauffällige Früherkennungsuntersuchungen.
    • Keine adenomatösen oder hyperplastischen Polypen.
  • Weitere Faktoren: Ein Body-Mass-Index (BMI) im Normalbereich und kein Diabetes in der Vorgeschichte.
Hohes Risikoprofil
  • Genetische Faktoren:
    • Erbliche Krebssyndrome wie das Lynch-Syndrom (hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinom – HNPCC) oder die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP).
    • Darmkrebs oder adenomatöse Polypen bei Verwandten ersten Grades, etwa Eltern oder Geschwistern.
  • Alter: Menschen ab 50 Jahren; einige Leitlinien sehen bereits 45 Jahre als Schwelle für einen Risikoanstieg an.
  • Medizinische Vorgeschichte:
    • Eine frühere Darmkrebserkrankung.
    • Die Diagnose einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, zum Beispiel Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
    • Bei einer früheren Koloskopie nachgewiesene adenomatöse Polypen.
  • Lebensstil:
    • Hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch.
    • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.
    • Ein bewegungsarmer Lebensstil.
  • Weitere Faktoren: Übergewicht oder Adipositas, Diabetes und niedrige Vitamin-D-Spiegel.
Umgang mit Risikofaktoren
  • Menschen mit niedrigem Risiko: Die Vorsorgeintervalle können länger sein, zum Beispiel 10 Jahre.
  • Menschen mit hohem Risiko: Häufigere Vorsorgeuntersuchungen, die Prüfung genetischer Tests und Änderungen des Lebensstils werden empfohlen. Bei diesen Menschen kann die Vorsorge im Alter von 40 Jahren oder früher beginnen.

Diese Definitionen dienen als allgemeine Orientierung. Die Risikobewertung muss jedoch bei jedem Menschen an die persönliche und familiäre Vorgeschichte angepasst werden.


Unauffälliger Koloskopiebefund: Wie lang sollte das Vorsorgeintervall sein – mehr als 10 Jahre?


Einordnung der Ergebnisse

Diese Studie unterstreicht die Bedeutung negativer Vorsorgekoloskopiebefunde und ihren Einfluss auf gemeinsame Entscheidungen von Patienten und Ärzten. Die Ergebnisse legen nahe, bei Menschen mit niedrigem Risikoprofil eine Verlängerung der Untersuchungsintervalle über die bisher empfohlenen 10 Jahre hinaus in Betracht zu ziehen. Dies bildet eine Grundlage für individuell angepasste Früherkennungsstrategien.

Zugleich zeigt sich erneut, wie wichtig es ist, Darmkrebsrisikofaktoren bei der Entscheidung über eine erneute Untersuchung zu berücksichtigen. An Risikoprofilen ausgerichtete Intervalle können unnötig häufige Untersuchungen vermeiden und eine wirksamere Nutzung der Früherkennungsressourcen ermöglichen. Diese Ergebnisse liefern einen wichtigen konzeptionellen Beleg dafür, dass individuelle Risikobewertungen ein fester Bestandteil von Früherkennungsprogrammen sein sollten.

Quellen

Knudsen MD, Wang K, Wang L, et al. Colorectal Cancer Incidence and Mortality After Negative Colonoscopy Screening Results. JAMA Oncol. Online veröffentlicht am 27. November 2024. doi:10.1001/jamaoncol.2024.5227
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