Was ist Panitumumab (Vectibix)? FDA-Zulassung, Zulassung in der Türkei und Erstattungsstatus

In diesem Artikel
- FDA-zugelassen: Ja (Erstzulassung: 27. September 2006)
- Handelsname: Vectibix
- Wirkstoffname: Panitumumab
- Art der Anwendung: Intravenös
- Wirkstoffklasse: Monoklonaler Antikörper, Anti-EGFR-Antikörper
- Kategorie: Zielgerichteter Wirkstoff
- Hersteller: Amgen
- Vertrieb in der Türkei: Amgen
- Zugelassene Krebserkrankungen: FDA-zugelassen bei metastasiertem kolorektalem Karzinom (mKRK)
Was ist Vectibix?
Vectibix mit dem Wirkstoff Panitumumab ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG2-Antikörper. Er richtet sich gegen den epidermalen Wachstumsfaktor- Rezeptor (EGFR), bindet an ihn und soll dadurch die Zellvermehrung und das Überleben von Krebszellen hemmen.
Was bedeutet RAS-Wildtyp?
RAS-Wildtyp bezeichnet die natürliche, normale Form des RAS-Gens ohne Mutation. RAS-Gene steuern wichtige Signalwege für Zellwachstum und Zellteilung. Mutierte RAS-Gene spielen dagegen häufig eine Rolle bei der Krebsentstehung; die veränderte Form findet sich oft in Krebszellen. Da RAS-Wildtyp keine Mutation trägt, kann er auf bestimmte Krebsbehandlungen wie Anti-EGFR-Therapien empfindlicher reagieren. Ob RAS als Wildtyp oder mutiert vorliegt, ist daher ein wichtiges Kriterium bei der Therapiewahl.

Wie wirkt Panitumumab?
- Panitumumab bindet etwa 40-mal stärker an EGFR, den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor, als dessen normale Liganden. Dadurch unterdrückt es EGFR-Signale und hemmt das Wachstum der Krebszellen.
- Die Hemmung des EGFR-Signalwegs stoppt wichtige Signale, die Zellvermehrung, Wachstum, Invasion beziehungsweise Metastasierung sowie die Bildung von Blutgefäßen (Angiogenese) fördern und damit zur Ausbreitung von Krebs beitragen.
- Panitumumab kann das Ansprechen auf Chemotherapie und/oder Strahlentherapie verstärken und so die Behandlung unterstützen.
- Im Unterschied zu Cetuximab und manchen anderen EGFR-Hemmern sind an der Antitumoraktivität von Panitumumab keine immunologischen, also durch das Immunsystem vermittelten Mechanismen beteiligt.
- Durch die Hemmung der EGFR-Signale kann es den programmierten Zelltod (Apoptose) fördern und die Vermehrung von Krebszellen wirksamer kontrollieren.
Zulassungsgeschichte bei der FDA (US-amerikanische Arzneimittelbehörde)
- 27. September 2006 – Die FDA ließ Vectibix (Panitumumab) zur Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms zu.
- 23. Mai 2014 – Die FDA ließ Vectibix zusammen mit FOLFOX als Erstlinientherapie bei metastasiertem kolorektalem Karzinom mit KRAS-Wildtyp zu.
- 29. Juni 2017 – Die FDA ließ Vectibix (Panitumumab) beim metastasierten kolorektalen Karzinom mit RAS-Wildtyp zu.
- 16. Januar 2025 – Die FDA ließ Sotorasib und Panitumumab beim metastasierten kolorektalen Karzinom mit KRAS-G12C-Mutation zu.
Zulassung in der Türkei
Panitumumab ist bei Patienten ohne vorherige Behandlung mit Panitumumab oder anderen Anti-EGFR-Therapien und einem ECOG-Performance-Status von 0-1 für metastasiertes kolorektales Karzinom mit RAS-Wildtyp in der Erst- oder Zweitlinie indiziert. Es wird zusammen mit nur einem der Kombinationsschemata FOLFOX oder FOLFIRI bis zur Progression angewendet. Bei Progression oder Wechsel des begleitenden Chemotherapieschemas dürfen weder Panitumumab noch eine andere Anti-EGFR-Therapie eingesetzt werden.
EGFR = epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor
RAS (KRAS und NRAS) = KRAS (Kirsten-Rattensarkom-2-Virus-Onkogen-Homolog) und NRAS (Neuroblastom-RAS-Virus-Onkogen-Homolog)
ECOG = Eastern Cooperative Oncology Group, eine kooperative onkologische Studiengruppe
Wird Vectibix erstattet?
Die türkische SGK erstattet Panitumumab beim metastasierten kolorektalen Karzinom mit RAS-Wildtyp in der Erst- oder Zweitlinie bei Patienten ohne vorherige Panitumumab- oder andere Anti-EGFR-Therapie und mit ECOG-Performance-Status 0-1. Es wird dabei bis zur Progression mit nur einem der Kombinationsschemata FOLFOX oder FOLFIRI eingesetzt.
Preis: Im Dezember 2025 gelten folgende Apothekenverkaufspreise:
- VECTIBIX 20 MG/ML, 5 ML DURCHSTECHFLASCHE MIT INFUSIONSLÖSUNG (1 DURCHSTECHFLASCHE) 20.014,43 TL.
- VECTIBIX 20 MG/ML, 20 ML DURCHSTECHFLASCHE MIT INFUSIONSLÖSUNG (1 DURCHSTECHFLASCHE) 79.473,93 TL.
Resistenzmechanismen
- EGFR-Mutationen können die Bindungsaffinität für Panitumumab verringern und eine Arzneimittelresistenz verursachen.
- Eine geringere EGFR-Expression auf der Zelloberfläche kann die Wirksamkeit von Panitumumab abschwächen und die Resistenz verstärken.
- Mutationen im KRAS-Gen, insbesondere in den Codons 12 und 13, sind ein wichtiger Faktor für die Entstehung einer Panitumumab-Resistenz.
- Auch BRAF-Mutationen können zur Resistenz beitragen, indem sie den EGFR-Signalweg beeinflussen.
- NRAS-Mutationen können durch Veränderungen zellulärer Signalwege zur Entwicklung einer Panitumumab-Resistenz beitragen.
- Eine Zunahme des HER2-Gens durch Amplifikation kann alternative Signalwege aktivieren und eine Panitumumab-Resistenz hervorrufen.
- Eine höhere HER3-Expression kann Wachstumssignale über alternative Wege weiterleiten und dadurch die Arzneimittelresistenz verstärken.
- Die Aktivierung alternativer Signalwege wie PI3K/Akt und IGF-1R kann die Wirksamkeit von Panitumumab verringern und zur Resistenz führen.
- Eine erhöhte Expression der lncRNA MIR100HG und der darin eingebetteten miRNAs miR-100 und miR-125 kann den Wnt-Signalweg aktivieren und dadurch eine Panitumumab-Resistenz hervorrufen.
Resorption
Panitumumab wird als intravenöse (IV) Infusion verabreicht und hat daher keine orale Bioverfügbarkeit. Da es direkt in den Blutkreislauf gelangt, erfolgt die Aufnahme nicht wie bei oralen Arzneimitteln.
Verteilung
Die Verteilung von Panitumumab im Körper ist nicht vollständig charakterisiert. Pharmakokinetische Studien nennen jedoch eine mittlere Halbwertszeit von etwa 6-7 Tagen und eine mit steigender Dosis eintretende Sättigung.
Metabolismus
Der Metabolismus von Panitumumab ist nicht umfassend beschrieben. Pharmakokinetische Studien zeigten eine Sättigung bei wöchentlich 2 mg/kg. Die Halbwertszeit beträgt etwa 6-7 Tage.
Dosierungsbereich
- Die empfohlene Dosis beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) beträgt 6 mg/kg intravenös alle zwei Wochen.
- Als alternatives Schema können wöchentlich 2,5 mg/kg intravenös verabreicht werden.
Arzneimittelwechselwirkungen
Für Panitumumab wurde keine formale Arzneimittelwechselwirkung beschrieben.
Besonders zu beachtende Situationen
- Infusionsreaktionen treten seltener auf als unter Cetuximab, da Panitumumab ein vollständig humaner Antikörper ist.
- Die Höhe der EGFR-Expression sagt die klinische Wirksamkeit nicht voraus; ein EGFR-Test ist deshalb für die klinische Anwendung nicht zwingend erforderlich.
- KRAS- und NRAS-Tests sollen durchgeführt werden. Nur Patienten mit Tumoren, deren KRAS- und NRAS-Gene als Wildtyp, also ohne Mutation, vorliegen, sollen Panitumumab erhalten.
- Hautnebenwirkungen gelten als Hinweis auf die Wirkung von Panitumumab. Hautreaktionen müssen daher überwacht werden.
- Bei vorbestehender Lungenerkrankung (ILD) ist Vorsicht geboten, da sich die ILD verschlechtern kann.
- Bei Hautausschlag wird Sonnenschutz empfohlen. Hierzu besteht eine Black-Box-Warnung für ein hohes Risiko.
- Elektrolyte, insbesondere Magnesium und Kalzium, sollen während der Behandlung und für mindestens 8 Wochen danach überwacht werden.
- Panitumumab kann den Fötus schädigen. Frauen im gebärfähigen Alter wird daher während und nach der Behandlung eine wirksame Verhütung empfohlen.
Nebenwirkungen
- Juckreiz, trockene Haut und pustulöser, akneähnlicher Hautausschlag im Gesicht und am oberen Rumpf. Hauttoxizität kann bei bis zu 90% auftreten.
- Infusionsbedingte Beschwerden wie Fieber, Frösteln und Urtikaria.
- Verstärkter Husten, Atemnot und Auftreten einer Lungenerkrankung.
- Hypomagnesiämie.
- Durchfall.
- Asthenie und allgemeine Schwäche bei 10-15%.
- Entzündungen und Schwellungen des Nagelbetts bei längerer Anwendung.
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