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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Was sind biliäre Stents und PTK-Drainagen bei einem Gallengangsverschluss?

Was sind biliäre Stents und PTK-Drainagen bei einem Gallengangsverschluss?
In diesem Artikel

Ein Gallengangsverschluss ist bei Patienten mit Pankreaskopf-, Gallengangs- und Leberkrebs ein häufiges und ernstes Problem. Er kann jedoch nicht nur durch Krebs, sondern auch durch Gallensteine entstehen. Biliäre Stents können die Lebensqualität erheblich verbessern. Was diese Stents sind und wie sie funktionieren, ist jedoch oft unklar. Dieser Artikel erklärt schrittweise, was ein biliärer Stent und ein Gallengangsverschluss sind, wie der Stent eingesetzt wird und was danach geschieht. Ziel ist es, den Ablauf verständlicher zu machen.

Die folgende vereinfachte anatomische Darstellung der Gallenwege erleichtert das Verständnis:

Anatomie des extrahepatischen Gallengangs 2

Was ist ein biliärer Stent?

Ein biliärer Stent ist ein kleines Röhrchen, das in die Gallenwege innerhalb der Leber eingesetzt wird. Es öffnet den verschlossenen Gallengang, ermöglicht den Galleabfluss und lindert verschlussbedingte Beschwerden wie erhöhte Bilirubinwerte und Gelbsucht.

Bei Leberkrebs, Gallengangskrebs oder Pankreaskopfkrebs kann sich der Gallengang verschließen. Dadurch kann sich der von der Leber gebildete gelbliche Farbstoff Bilirubin ansammeln, der als Verdauungssaft dient und auch als Galle bezeichnet wird, und Gelbsucht verursachen. Ein biliärer Stent kann den Verschluss öffnen und die Gelbsucht lindern.

Was ist PTK? Ist es dasselbe wie ein biliärer Stent?

Ein perkutaner transhepatischer Katheter (PTK) wird von außen durch die Leber direkt in den Gallengang eingeführt, um verschlossene Gallenwege zu öffnen und angestaute Galle nach außen abzuleiten. Dies erfolgt meist unter Ultraschallkontrolle durch einen interventionellen Radiologen. Eine PTK-Drainage wird häufig eingesetzt, wenn endoskopische Eingriffe nicht möglich sind, um verschlussbedingte Beschwerden zu lindern.

Ein biliärer Stent und eine perkutane transhepatische Drainage beziehungsweise ein Katheter (PTD oder PTK) sind nicht dasselbe. Es sind zwei unterschiedliche interventionelle Verfahren mit ähnlichem Ziel: verschlossene oder verengte Gallenwege zu behandeln. Vorgehen und Einzelheiten unterscheiden sich jedoch.

  1. Biliärer Stent: Er wird meist durch endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP) eingesetzt. Mit einem durch den Mund eingeführten Endoskop gelangt der flexible Stent in den Gallengang, überbrückt die Engstelle und ermöglicht den Galleabfluss.
  2. Perkutane transhepatische Drainage (PTD oder PTK): Dabei wird ein dünner Katheter durch die Haut von oben in die Leber eingeführt. Er öffnet verschlossene Gallenwege und leitet angestaute Galle aus dem Körper. Das Verfahren wird gewöhnlich bevorzugt, wenn ein biliärer Stent nicht eingesetzt werden kann.

Beide Verfahren haben bestimmte Vorteile, Risiken und Komplikationen. Die Wahl hängt vom Zustand des Patienten, seiner allgemeinen Gesundheit und weiteren Faktoren ab. Wird ein solcher Eingriff empfohlen, sollten alle Möglichkeiten und Risiken mit einer medizinischen Fachkraft besprochen werden.

Beide Methoden sind nachfolgend vereinfacht dargestellt:

Biliärer Stent und perkutaner biliärer Katheter PTK: Unterschiede beim Gallengangsverschluss

Verschluss des Gallengangs

Der Gallengang transportiert das in der Leber gebildete Bilirubin, auch als Galle bezeichnet. Bilirubin ist eine wichtige Körperflüssigkeit, die bei der Verdauung Fette aufspalten und ihre Aufnahme im Darm erleichtern hilft.

Ein Gallengangsverschluss entsteht meist durch kleine feste Ablagerungen, sogenannte Gallensteine, im Gang. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Leberfunktionsstörung,
  • Druck eines Tumors auf Bauchspeicheldrüse oder Gallengang
  • Leberkrebs

Der Verschluss zeigt sich gewöhnlich durch folgende Beschwerden:

  • Starke Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gelbsucht, also Gelbfärbung von Haut und Augenweiß
  • Gewichtsverlust

Bilirubin kann sich im Blut ansammeln und Gelbsucht verursachen, also eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute.

Verursacht ein verschlossener Gallengang Gelbsucht, kann ein biliärer Stent Linderung bringen. Er öffnet den Verschluss und kann die Gelbsucht innerhalb von 1-2 Wochen nach Einsetzen bessern.

Eine möglichst rasche Stenteinlage kann die Stärke der Gelbsucht verringern. In manchen Fällen, etwa bei fortgeschrittenem Leberkrebs, ist das Verfahren jedoch möglicherweise ungeeignet.

Für Krebsbehandlungen sollte das Gesamtbilirubin nicht erhöht sein

Der Gesamtbilirubinwert misst die Bilirubinmenge im Blut. Bilirubin ist ein Abfallprodukt, das die Leber beim Abbau roter Blutkörperchen bildet und gewöhnlich über die Galle ausscheidet. Bei einem Gallengangsverschluss oder unzureichender Verarbeitung durch die Leber steigen die Werte in Blut und Gewebe. Dies kann Gelbsucht mit gelber Haut und gelben Augen verursachen.

Das Gesamtbilirubin im Blut sollte gewöhnlich zwischen 0,1 und 1,2 Milligramm pro Deziliter (mg/dL) liegen. Einige Krebsarten oder Behandlungen, insbesondere mit Bezug zu Gallenwegen oder Leber, können die Werte jedoch erhöhen.

Bei Krebspatienten wird gewöhnlich ein Gesamtbilirubin unter 5 mg/dL angestrebt. Dieser Wert gilt allgemein als Hinweis auf Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung sowie den allgemeinen Gesundheitszustand. Oberhalb dieses Zielwerts können Risiken zunehmen, besonders bei Therapien, die die Leberfunktion beeinflussen. Ein Gesamtbilirubin unter 5 mg/dL ist deshalb für die Therapieentscheidung wichtig.

Hier zeigt sich die Bedeutung des biliären Stents. Er öffnet den verschlossenen Gallengang, ermöglicht den Galleabfluss und hilft, Bilirubin zu senken. Die rasche und wirksame Senkung kann den Beginn einer Krebsbehandlung und einen möglichst wirksamen Verlauf ermöglichen. Bei erhöhtem Bilirubin kann die Stenteinlage daher entscheidend sein.

Einsetzen eines biliären Stents

Der Ablauf hängt unter anderem von Material, etwa Kunststoff oder Metall, Einlageort und geplanter Liegedauer ab.

Was erwartet Sie beim Eingriff?

Vor dem Einsetzen eines biliären Stents

Die folgenden Hinweise sollen vor allem Narkose- und Komplikationsrisiken minimieren:

  1. Allergien: Manche Menschen reagieren allergisch auf verwendete Materialien oder Medikamente. Dies kann während oder nach der Narkose eine unerwartete Reaktion auslösen.
  2. Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel: Manche können das Blutungsrisiko während oder nach dem Eingriff erhöhen oder andere Komplikationen verursachen.
  3. Rauchen, Essen und Trinken: Essen, Trinken und Rauchen in den 8 Stunden vor dem Eingriff erhöhen unter Vollnarkose das Risiko, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt, also aspiriert wird. Das kann eine schwere Komplikation sein.
  4. Kaugummikauen: Es regt die Magensäureproduktion an. Daher gilt das Verbot von Essen und Trinken aus denselben Gründen auch für Kaugummi.
Während des Eingriffs

Das Einsetzen eines biliären Stents durch interventionelle Radiologen oder Gastroenterologen erfolgt mittels endoskopischer retrograder Cholangiopankreatikografie (ERCP).

  1. Der Facharzt führt ein flexibles beleuchtetes Endoskop mit kleiner Kamera durch den Mund, die Speiseröhre und den Magen bis in den Zwölffingerdarm, den obersten Dünndarmabschnitt. So lässt sich die Öffnung in dessen Wand darstellen, durch die Galle gewöhnlich in den Verdauungstrakt gelangt.
  2. Ein Draht und ein Katheter werden vorsichtig durch diese Öffnung in den Hauptgallengang vorgeschoben.
  3. Entlang des Drahts gleitet der Stent in den Gallengang. Er wird so positioniert, dass er den Verschluss überbrückt und einen offenen Weg für den Galleabfluss aus der Leber schafft.
  4. Zur Kontrolle der richtigen Lage können Röntgenaufnahmen oder eine Durchleuchtung eingesetzt werden.

Manchmal erfolgt zusätzlich eine biliäre Dilatation: Ein Abschnitt des Gallengangs wird mit einem Ballon erweitert, um die Engstelle zu öffnen.

Nach der Stenteinlage

Nach dem Eingriff kann ein Krankenhausaufenthalt zur Überwachung nötig sein. Bis zur Erholung benötigt der Patient einige Tage Bettruhe.

Bis zur vollständigen Erholung überwacht das Behandlungsteam Vitalfunktionen wie Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls und Temperatur.

Nach einer ERCP können auftreten:

  • Halsschmerzen für 1-2 Tage
  • Schluckbeschwerden
  • Blähungen
  • Übelkeit

Sobald keine Schluckbeschwerden mehr bestehen, können Patienten zu ihrer gewohnten Ernährung zurückkehren. Nach der Entlassung sollten sie sich weiter ausruhen.

Müssen biliäre Stents oder PTK-Drainagen regelmäßig gewechselt werden?

Zur Behandlung eines Gallengangsverschlusses eingesetzte Stents müssen unter Umständen in bestimmten Abständen gewechselt werden. Die Häufigkeit hängt vom allgemeinen Zustand, der Schwere der Erkrankung und der Stentart ab.

Biliäre Stents bestehen gewöhnlich aus Kunststoff oder Metall. Bei bösartigen Erkrankungen wird für Kunststoffstents meist ein Wechsel alle 3-6 Monate empfohlen, weil sich der Verschluss erneut entwickeln kann. Das Intervall kann jedoch kürzer sein. Für gutartige Erkrankungen ist der Wechselzeitpunkt nicht eindeutig geklärt. Eine Studie berichtete, dass ein Wechsel nach 6 Monaten möglich sein und der Stent länger liegen bleiben könnte.

Bei krebsbedingten Gallengangsverengungen werden biliäre Stents oder perkutane transhepatische Katheter (PTK) häufig eingesetzt, wenn keine Operation möglich ist. Der Wechselzeitpunkt richtet sich dabei unter anderem nach Allgemeinzustand und Krebsstadium.

Zusammenfassung der biliären Stenteinlage

Ein biliärer Stent ist ein Röhrchen zur Öffnung eines verschlossenen Gallengangs bei Leberkrebs. Durch den wiederhergestellten Galleabfluss lindert er Gelbsucht. Häufig entstehen solche Verschlüsse durch Gallensteine oder Tumoren.

Der Einsatz eines biliären Stents bei Gallengangsverschluss erfordert umfassendes Wissen und Erfahrung. Der Erfolg hängt eng mit Teamarbeit, Zugang zu korrekten Informationen und ihrer sachgerechten Anwendung zusammen. Diese Erläuterungen können als Informationsquelle für Menschen dienen, die mehr darüber wissen möchten.

Die biliäre Stenteinlage kann bei der Behandlung eines Gallengangsverschlusses eine entscheidende Rolle spielen. Bei Krebspatienten lindert sie Beschwerden und erleichtert die Behandlung. Die Senkung des Gesamtbilirubins kann zudem die Lebensqualität erheblich verbessern. Wie jeder Eingriff birgt sie jedoch Risiken und Komplikationen und erfordert deshalb davor und danach eine engmaschige medizinische Überwachung.

Quellen

1. Moy BT, Birk JW. An Update to Hepatobiliary Stents. J Clin Transl Hepatol. 2015 Mar;3(1):67-77. doi: 10.14218/JCTH.2015.00040. Online veröffentlicht am 15. März 2015. PMID: 26357636; PMCID: PMC4542081.

2. O'Brien S, Bhutiani N, Egger ME, Brown AN, Weaver KH, Kline D, Kelly LR, Scoggins CR, Martin RCG 2nd, Vitale GC. Comparing the efficacy of initial percutaneous transhepatic biliary drainage and endoscopic retrograde cholangiopancreatography with stenting for relief of biliary obstruction in unresectable cholangiocarcinoma. Surg Endosc. 2020 Mar;34(3):1186-1190. doi: 10.1007/s00464-019-06871-2. Online veröffentlicht am 28. Mai 2019. PMID: 31139984.

3. Rees J, Mytton J, Evison F, Mangat KS, Patel P, Trudgill N. The outcomes of biliary drainage by percutaneous transhepatic cholangiography for the palliation of malignant biliary obstruction in England between 2001 and 2014: a retrospective cohort study. BMJ Open. 2020 Jan 23;10(1):e033576. doi: 10.1136/bmjopen-2019-033576. PMID: 31980509; PMCID: PMC7045186.
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