Die Wahrheit über 3 natürliche Krebskuren – Vitamin B17, basische Ernährung und Cannabisöl

In diesem Artikel
Therapien wie Akupunktur und Massage können moderne Krebsbehandlungen unterstützen beziehungsweise ergänzen. Doch als natürliche Heilung angepriesene Naturkuren können nicht nur nutzlos, sondern für Krebspatienten tatsächlich gefährlich sein.
Wichtige Punkte
- Komplementäre Verfahren unterstützen Standardkrebstherapien und sind besonders bei der Kontrolle von Nebenwirkungen und Verbesserung der Lebensqualität sehr wirksam.
- Unbewiesene Verfahren oder solche ohne Wirksamkeitsnachweis können Krebspatienten jedoch schaden.
- Manche können die Wirksamkeit der Hauptbehandlung beeinträchtigen.
Im Internet, Fernsehen und neuerdings in Büchern begegnen uns häufig Rezepte für Wunderheilungen, vollständige Heilung und natürliche Kuren gegen Krebs. Diese Bild- und Textangebote behaupten, sichere Wege zur Vorbeugung oder Behandlung zu verwenden. Gutmeinende Menschen können Patienten dazu ermutigen, sie in der Hoffnung auf Beseitigung der Krankheit auszuprobieren. Dort gibt es etwas, haben Sie das schon versucht ist eine Frage, die wohl jeder Krebspatient oder Angehörige kennt. Manche befürchten die Wirkungslosigkeit oder schwere Nebenwirkungen moderner Behandlungen und wenden sich trotz fehlender Wirksamkeitsbelege und sogar vermuteter Risiken vermeintlich natürlichen Verfahren zu. Insbesondere bei Unsicherheiten über den Krebs oder sehr großer Angst werden diese unbelegten Kuren als Hoffnung ausprobiert. Noch erschreckender ist, dass auch Menschen mit durch moderne Medizin vollständig heilbarem Krebs, etwa im sehr frühen Stadium, solche Verfahren wählen und ihre Heilungschance verlieren.
Immer mehr unserer Patienten oder Angehörigen versuchen, Krebs auf natürliche Weise zu behandeln oder nach einer Behandlung Rückfällen vorzubeugen. Befürworter haben häufig keine medizinische oder onkologische Ausbildung. Auch wenige Onkologen oder Ärzte wenden sich heute von evidenzbasierten Behandlungen ab oder integrieren solche Kuren mit „wohlklingenden Aussagen“ in moderne Therapien. Noch schwerwiegender ist, wenn Behandlungserfolge dann den ergänzten Naturkuren zugeschrieben werden… Kehren Patienten zur Suche nach einer tatsächlich wirksamen Therapie zurück, kann es zu spät und ihr Krebs weit ausgebreitet sein.
Betrachten wir 3 besonders beliebte natürliche Krebskuren:
Vitamin B17 (Amygdalin) – Aprikosenkerne
Behauptung: Die unter dem Handelsnamen Laetrile bekannte „Naturkur“ wurde vor einem Jahrhundert erstmals in Russland und Amerika als Krebsbehandlung populär. Sie ist eine gereinigte Form von Amygdalin aus Aprikosenkernen und bestimmten Nüssen und Pflanzen. Darmenzyme spalten Laetrile zur Bildung von Cyanid . Angeblich tötet dieses Krebszellen, ohne normales Gewebe zu schädigen. Manche behaupten, Laetrile sei ein Vitamin namens B17 und sein Mangel verursache bestimmte Krebsarten. Eine in den USA verbotene orale Tablettenform ist in anderen Ländern erhältlich.
Verzerrte Belege: Laetrile wird nach der Verdauung tatsächlich zu Cyanid. Dieses Gift schädigt aber nicht nur selektiv Krebszellen, sondern auch normales Gewebe schwer und kann Patienten töten. Klinische Studien der 1970er- und 1980er-Jahre zeigten weder eine Verringerung der Tumorgröße noch des Wachstums bösartiger Tumoren, wohl aber Cyanidvergiftungen und Todesfälle bei vielen Patienten und Gesunden.
Urteil: Für das oft Vitamin B17 genannte Laetrile ist keine Wirksamkeit gegen Krebs bewiesen; für manche Patienten kann es sogar gefährlich sein.
Veränderung des pH-Werts durch Ernährung – basische Kost
Behauptung: Aufgrund der wissenschaftlichen Beobachtung, dass Krebszellen in saurem Milieu (niedrigem pH) wachsen, behaupten manche, dass saure Lebensmittel wie Fleisch, Käse und Getreide den pH senken und dadurch das Krebsrisiko erhöhen. Weniger saure Nahrung soll Krebs behandeln. Ein saures Milieu ist jedoch Folge statt Ursache von Krebs, und unabhängig von saurer oder basischer Ernährung lässt sich der Blut-pH nicht verändern.
Verzerrte Belege: Krebszellen erzeugen wegen ihres hohen Stoffwechsels eine saure Mikroumgebung. In stark basischem Milieu können sie nicht leben, gesunde Zellen aber ebenso wenig! Nieren und Lunge arbeiten ständig für einen stabilen pH. Andere Lebensmittel machen das Blut nicht saurer oder basischer.
Der Säure- oder Basengrad einer Lösung wird als pH angegeben. Lebensmittel unter pH 7 sind sauer, über 7 basisch. Der Körper-pH liegt im sehr engen, empfindlichen, leicht basischen Bereich 7,35-7,45. Ändert er sich, entstehen zahlreiche Störungen (Blut-pH unter 7 ist mit dem Leben unvereinbar).
Der pH von Körperflüssigkeiten wie Speichel und Urin verändert sich vorübergehend mit den Lebensmitteln, nicht jedoch der Blut-pH und damit auch nicht die Umgebung der Krebszellen.
Urteil: Es gibt keinerlei Beleg, dass eine Ernährungsänderung zur Verringerung der Blutsäure das Krebswachstum beeinflusst. Ein veränderter Speichel- oder Urin-pH bedeutet keinen veränderten Blut-pH. Manche versuchen ihn mit Chemikalien wie Natron zu ändern; das kann äußerst gefährlich sein.
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Cannabisöl
Behauptung: Häufig wird berichtet, Cannabis-/Hanföl beseitige oder verkleinere Krebs. Außerdem soll es Diabetes, Geschwüre, Arthritis (Gelenkentzündung), Migräne, Schlaflosigkeit und viele andere Erkrankungen behandeln. Das auch Hanföl genannte Produkt wird aus der Hanfpflanze gewonnen. Das überwiegend Cannabidiol enthaltende Öl ist der Teil mit deutlich geringeren psychischen Wirkungen. Die Tetrahidrocannabidiol genannte Verbindung ist für die von Konsumenten gewünschte berauschende und abhängig machende Wirkung verantwortlich.
Cannabisöl kann in mehreren Formen mit unterschiedlichem Wirkungspotenzial verwendet werden: als Speiseöl, als Spray unter die Zunge oder verdampft und eingeatmet.
Verzerrte Belege: Obwohl die FDA bestimmte Medikamente aus Cannabisbestandteilen zur Linderung von Krebstherapienebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen sowie zur Appetitanregung zugelassen hat, gibt es keinerlei Beleg oder klinisches Studienergebnis für eine Krebsbehandlung durch Cannabisprodukte.
Die Behauptung einer Krebsheilung durch Cannabisöl beruht auf begrenzten Laboruntersuchungen, deren Ergebnisse sogar im Labor widersprüchlich sind. Nebenwirkungen umfassen Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsverlust. Vielleicht am wichtigsten ist der Einfluss auf die Verstoffwechselung anderer Krebsmedikamente, wodurch deren Nebenwirkungen zunehmen oder ihre Wirksamkeit sinken kann.
Urteil: Bisher zeigt keine Humanstudie, dass Cannabisöl als Krebsbehandlung verwendet werden kann. Patienten, die es oder andere Cannabisformen verwenden, müssen ihren Arzt wegen möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten unbedingt informieren.
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Zusammenfassung
„Natürliche“ Krebstherapien müssen sehr sorgfältig erwogen werden, da die meisten nicht durch belastbare Belege gestützt sind. Die gute Nachricht: Die heute als Standard geltenden modernen Krebsbehandlungen sind sicherer und wirksamer denn je. Neue Chemotherapien erzielen bessere Ergebnisse mit weniger Nebenwirkungen; neue Medikamente greifen besondere Veränderungen (Mutationen) von Krebszellen an und schädigen gesunde Zellen wenig oder gar nicht. Moderne Bestrahlung zerstört Tumoren äußerst präzise und schont normales Gewebe. Immuntherapien nutzen körpereigene Abwehrkräfte gegen Krebszellen. Neue Operationstechniken ermöglichen eine sicherere Tumorentfernung bei möglichst geringem Rückfallrisiko und kürzerer Genesung.
Abschließend:
Moderne Verfahren wie Chemotherapie, Strahlentherapie, Krebsoperationen und Immuntherapie bringen immer mehr Patienten auf recht bescheidene Weise zurück zur Gesundheit. Eine bessere Versorgung versprechen ergänzend keine Naturkuren, sondern komplementäre Verfahren wie Akupunktur, Musiktherapie, Yoga und Massage .
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Quellen
The Truth behind Three Natural Cancer “Cures”.
Memorial Sloan Kettering Cancer Center website 2015
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