Eine neue Aktivität kann das Metastasierungsrisiko um 72 Prozent senken

Forscher zeigten, dass hochintensive aerobe Bewegung eine metabolische Umprogrammierung innerer Organe auslöst und deren Nährstoffbedarf erhöht. Dadurch stehen dem Tumor weniger Nährstoffe zur Verfügung, was die Organe vor einer metastatischen Ausbreitung schützt. Bewegung steigert demnach den Glukoseverbrauch und vermindert die Energiemenge, die der Tumor nutzen kann.
Bewegung erhöht den Glukoseverbrauch und senkt das Risiko einer Krebsausbreitung.
Nach einer aktuellen Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Tel Aviv (TAU) kann aerobe Bewegung das Risiko, metastasierten Krebs zu entwickeln, erheblich, nämlich um 72%, senken. Die Forscher fanden, dass hochintensive aerobe Bewegung den Glukoseverbrauch der inneren Organe erhöht und dem Tumor damit weniger Energie zur Verfügung steht.
Aerobe Bewegung bezeichnet Sport, der über eine bestimmte Zeit ohne Unterbrechung in einem bestimmten Tempo ausgeübt wird und viel Sauerstoff verbraucht. Darunter kann man länger durchführbare Aktivitäten niedriger Intensität verstehen, die den Körper kräftigen.
Metastasierung bedeutet, dass sich Krebs über sein Ursprungsorgan hinaus auf andere Organe ausbreitet. Ein Krebs, der bereits gestreut hat, wird als metastasierter Krebs bezeichnet. Metastasen verursachen 90% der krebsbedingten Todesfälle.
Die Studie wurde von Prof. Carmit Levy und Dr. Yftach Gepner aus den Bereichen öffentliche Gesundheit und Humangenetik/Biochemie der Sackler-Fakultät für Medizin sowie dem Sylvan Adams Sports Institute der TAU geleitet. Prof. Levy erklärt, die im November 2022 auf dem Titelblatt von Cancer Research vorgestellte Untersuchung bei der Vorbeugung von metastasiertem Krebs, der wichtigsten Todesursache in Israel, helfen könne. Sie vereine wissenschaftliche Kenntnisse verschiedener TAU-Fachbereiche und habe dadurch zu einer entscheidenden Entdeckung geführt.
Prof. Carmit Levy und Dr. Yftach Gepner:
„Frühere Studien haben gezeigt, dass körperliche Bewegung das Risiko einiger Krebsarten um bis zu 35% senkt. Dieser positive Effekt ähnelt ihrem Nutzen bei anderen Erkrankungen wie Herzkrankheiten und Diabetes. Unsere Studie ergänzt die Erkenntnis, dass hochintensive aerobe Bewegung, die ihre Energie aus Zucker gewinnt, das Risiko metastasierten Krebses um bis zu 72% senken kann. Bisher lautete die allgemeine Botschaft: ‚Seien Sie aktiv, bleiben Sie gesund.‘ Nun können wir erklären, wie aerobe Aktivität die Vorbeugung besonders aggressiver und metastasierender Krebsarten maximieren kann.“
Die Untersuchung verband Daten gesunder Freiwilliger vor und nach dem Laufen mit Daten aus einem Tiermodell, in dem Mäuse ein intensives Trainingsprogramm absolvierten. Die epidemiologischen Daten aus einer bevölkerungsbezogenen Beobachtungsstudie mit 3.000 Menschen über etwa 20 Jahre zeigten bei Teilnehmenden, die regelmäßige hochintensive aerobe Aktivität angaben, ein um 72% geringeres Risiko für metastasierten Krebs als bei körperlich Inaktiven.
Das Tiermodell zeigte ein ähnliches Ergebnis und erlaubte es, den zugrunde liegenden Mechanismus zu untersuchen. Vor und nach körperlicher Bewegung sowie nach der Injektion von Krebszellen bei körperlich trainierten Tieren verringerte aerobe Aktivität die Entstehung metastatischer Tumoren in Lymphknoten, Lunge und Leber deutlich. Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass dieses positive Ergebnis bei Menschen wie bei Versuchstieren mit dem durch Bewegung erhöhten Glukoseverbrauch zusammenhängt.
Prof. Levy: „Unsere Untersuchung ist die erste, die den Einfluss von Bewegung auf innere Organe wie Lunge, Leber und Lymphknoten untersucht, in denen häufig Metastasen entstehen. In deren Zellen fanden wir bei hochintensiver aerober Aktivität mehr Glukoserezeptoren, also Bindungsstellen an der Zelloberfläche. Dies steigert die Glukoseaufnahme und macht die Organe ähnlich den Muskeln zu effizienten Energieverbrauchern. Wir vermuten, dass sie mit den Muskeln um Zucker konkurrieren müssen, die während körperlicher Aktivität bekanntlich große Mengen Glukose verbrennen. Entsteht Krebs, verringert diese starke Konkurrenz die Verfügbarkeit der für Metastasen entscheidenden Energie. Bei regelmäßigem Training wird dieser Zustand sogar dauerhaft: Das Gewebe der inneren Organe verändert sich und wird Muskelgewebe ähnlicher. Wir wissen alle, dass Sport und Bewegung gesund sind. Bei der Untersuchung innerer Organe entdeckten wir, dass Bewegung den gesamten Körper so verändert, dass sich Krebs nicht ausbreitet und auch der Primärtumor kleiner wird.“
Dr. Gepner: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass hochintensive aerobe Aktivität zur Krebsvorbeugung beiträgt, anders als das vergleichsweise moderate Training zur Fettverbrennung. Wenn der optimale Intensitätsbereich zur Fettverbrennung 65-70% über der maximalen Herzfrequenz liegt, sind zur Zuckerverbrennung, wenn auch nur kurzzeitig, 80-85% erforderlich. Ein Beispiel ist ein einminütiger Sprint, gefolgt von Gehen und einem weiteren Sprint. Früher waren solche Intervalle vor allem im Training von Sportlern üblich. Heute finden sie sich auch in anderen Bewegungsprogrammen wie der Herz- und Lungenrehabilitation. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass gesunde Menschen auch hochintensive Bestandteile in ihr Fitnesstraining aufnehmen sollten.“
Fazit Wie Bewegung Krebs vorbeugt, ist noch nicht vollständig verstanden. In der hier besprochenen Untersuchung zeigten Daten aus Melanommodellen, dass Bewegung die inneren Organe metabolisch umprogrammiert und ihren Nährstoffbedarf erhöht. So wird die Nährstoffverfügbarkeit für den Tumor begrenzt, was die Organe gegen eine metastatische Ausbreitung schützt.

Bildbeschreibung: Die immunhistochemische Färbung von Lungenschnitten von Mäusen nach aerobem Training zeigt eine Melanommetastase (rot) in einem metabolisch feindlichen Mikromilieu. Sichtbar wird dies durch die erhöhte Expression von AldoA (grün), einem wichtigen Akteur beim Abbau von Zuckermolekülen.
Die Forscher hoffen, dass künftige Untersuchungen eine personalisierte Vorbeugung bestimmter Krebsarten ermöglichen, bei der Ärzte anhand der Familiengeschichte die passende körperliche Aktivität empfehlen können. Hervorzuheben ist, dass Bewegung mit ihren besonderen metabolischen und physiologischen Effekten eine stärkere Krebsvorbeugung zeigt als bisher irgendein Medikament oder medizinischer Eingriff.
Quellen
2. New Research: This Activity Can Reduce the Risk of Metastatic Cancer by 72%. SciTechDaily 19. Dezember 2022
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