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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Flüssigbiopsien auf dem Weg zu einer guten Alternative zu Standard-Gewebebiopsien für die Therapieplanung bei Krebs im 4. Stadium

Flüssigbiopsien auf dem Weg zu einer guten Alternative zu Standard-Gewebebiopsien für die Therapieplanung bei Krebs im 4. Stadium

Eine der größten Herausforderungen der Krebsbehandlung sind Mutationen der genetischen Struktur, die sich von Patient zu Patient und sogar bei demselben Patienten im Laufe der Zeit unterscheiden können. Viele Krebsmedikamente der neuen Generation, sogenannte zielgerichtete intelligente Medikamente, richten sich gegen diese Mutationen. Ihr Nachweis ist für die Therapieentscheidung wichtig. Während solche entscheidenden Informationen bisher durch klassische, invasiv aus Tumorgewebe entnommene Biopsien gewonnen wurden, lassen sich diese Mutationen nun auch mit nichtinvasiven Verfahren, sogenannten Flüssigbiopsien, nachweisen.

In den letzten Jahren rückte die Idee in den Vordergrund, Krebs nichtinvasiv zu diagnostizieren und den Behandlungsverlauf zu verfolgen. Daraus entstand das Konzept der Flüssigbiopsie. Diese kann zirkulierende Tumorzellen (CTCs), zirkulierende Tumor-DNA (ctDNAs) sowie aus Tumorzellen stammende Moleküle wie Fette, Proteine und RNA umfassen.

Einer auf der Jahrestagung der ASCO (American Society of Clinical Oncology) im Jahr 2016 vorgestellten Studie zufolge könnten Flüssigbiopsien eine wichtige Möglichkeit zur Auswahl der geeignetsten Behandlung sein. Blutproben von mehr als 15.000 Patienten mit 50 verschiedenen Tumorarten wurden genetisch analysiert [(Next-generation sequencing (NGS)]. Gesucht wurde nach im Blut zirkulierenden Tumor-DNA-Fragmenten. Zur Prüfung der Zuverlässigkeit der Flüssigbiopsien wurden auch Tumorgewebebiopsien derselben Patienten genetisch untersucht.

Ergebnisse der Analysen:

Die das Tumorwachstum fördernden genetischen Mutationen (EGFR, BRAF, KRAS, ALK, RET) in zirkulierenden Tumor-DNA-Fragmenten fanden sich in gleichem Anteil auch in den Gewebebiopsien. So wurde anstelle von Tumorbiopsien, die den Patienten körperlich belasten können, mit einem Bluttest die genetische Struktur des Tumors analysiert. Mit anderen Worten:

Flüssigbiopsien zeichnen ein Porträt der gesamten genetischen Struktur des Tumors.

Welche Erleichterungen können Flüssigbiopsien in der Krebsbehandlung bieten?

  • Durch Flüssigbiopsien lassen sich genetische Veränderungen des Tumors verfolgen und die geeignetsten Behandlungen für den Patienten auswählen.
  • Die Wirksamkeit der Behandlung lässt sich mittels Flüssigbiopsien feststellen. Wenn beispielsweise genetische Analysen zeigen, dass Tumorzellen gegen das verabreichte Medikament resistent geworden sind, kann die Behandlung mit einem anderen Medikament beginnen.
  • Sie können eine frühe Krebsdiagnose ermöglichen. Veränderungen zirkulierender Tumorzellen treten auf, bevor der Tumor klinisch nachweisbar ist. Ein einfacher Bluttest kann Krebs somit frühzeitig erkennen.
  • Flüssigbiopsien liefern Informationen über sämtliche genetischen Veränderungen in einem Tumor. Bei Gewebebiopsien wird dagegen nur ein bestimmter Tumorabschnitt entnommen, weshalb die Informationen begrenzt sind.

Zirkulierende Tumor-DNA-Fragmente lassen sich in Blutproben in sehr hohem Maß nachweisen. Bei Hirntumoren ist die nachweisbare Menge jedoch sehr gering. Ursache ist die Blut-Hirn-Schranke, die den Übertritt der DNA-Fragmente ins Blut verhindert.

Zusammenfassend spielen Flüssigbiopsien eine wichtige Rolle beim Verständnis der genetischen Tumorstruktur. Sie sollen eine frühe Krebsdiagnose, die Auswahl einer geeigneten Behandlung und die Überwachung des Therapieverlaufs ermöglichen.

Quellen

Oliver A. Zill, Stefanie Mortimer, Kimberly C.
Somatic genomic landscape of over 15,000 patients with advanced-stage cancer from clinical next-generation sequencing analysis of circulating tumor DNA.
2016 ASCO Annual Meeting. Abstract Number: LBA11501
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