Frauen mit Brustkrebs können die Hormontherapie für eine Schwangerschaft sicher unterbrechen

In diesem Artikel
Eine wichtige Frage für Frauen, die im gebärfähigen Alter an Brustkrebs erkranken, ist, ob sie noch schwanger werden können. Bei der Diagnose und während der Behandlung steht dieses Thema vielleicht nicht im Vordergrund. Ein bis zwei Jahre nach Abschluss der Therapie kann es jedoch zur wichtigsten Frage werden.
Eine sichere Schwangerschaft ist möglich
Eine neue Untersuchung zeigt, dass Frauen nach hormonrezeptorpositivem (HR +) Brustkrebs ihre hormonunterdrückende Therapie für 2 Jahre unterbrechen können, ohne dass dies den Krankheitsverlauf beeinträchtigt. Die Studie umfasste mehr als 500 prämenopausale Frauen, also Frauen vor den Wechseljahren, aus 20 Ländern. Die Therapiepause beeinflusste die Rückfallraten nicht.
Die Untersuchung namens POSITIVE wurde auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2022 vorgestellt.
An der Studie nahmen mehr als 500 prämenopausale Frauen aus 20 Ländern teil, die wegen HR + Brustkrebs mindestens 18 Monate eine Hormontherapie erhalten hatten. Anschließend bekamen sie vor der Wiederaufnahme der Behandlung 2 Jahre Zeit, ein Kind zur Welt zu bringen und zu stillen. Wichtig ist, dass die Pause die Krebsrückfallraten nicht beeinflusste. Außerdem wurde mehr als ein Drittel der Frauen mindestens einmal schwanger, die meisten innerhalb von 2 Jahren. Die große Mehrheit hatte am Ende des Untersuchungszeitraums die Hormontherapie wieder aufgenommen.
Einzelheiten der POSITIVE-Studie
POSITIVE war eine einarmige Studie mit prämenopausalen Frauen bis zu einem Alter von 42 Jahren.
Aufgenommen wurden Patientinnen mit hormonpositivem (HR +) Brustkrebs im Stadium 1-3, die mindestens 18 und höchstens 30 Monate eine adjuvante Hormontherapie nach der Operation zur Rückfallvorbeugung erhalten hatten und bis dahin keinen Krebsrückfall aufwiesen.
Die Frauen durften zuvor auch eine neoadjuvante Chemotherapie zur Tumorverkleinerung vor der Operation erhalten haben, unabhängig davon, ob zur Erhaltung der Fruchtbarkeit Eizellen konserviert worden waren.
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Die Frauen setzten ihre Hormontherapie innerhalb von 1 Monat nach Studieneinschluss ab. Nach einer 3-monatigen behandlungsfreien Auswaschphase hatten sie bis zu 2 Jahre Zeit, eine Schwangerschaft anzustreben, schwanger zu werden, zu entbinden und ihr Kind zu stillen.
Anschließend wurde ihnen „nachdrücklich empfohlen“, die Hormontherapie fortzusetzen, um die geplanten 5-10 Behandlungsjahre abzuschließen. Eine Nachbeobachtung bis zu 10 Jahren war vorgesehen.
In 116 Zentren in 20 Ländern auf vier Kontinenten wurden insgesamt 518 Frauen aufgenommen; 516 waren für die primäre Wirksamkeitsanalyse auswertbar. Zwischen Brustkrebsdiagnose und Studieneinschluss lagen im Median 29 Monate.
Bei Einschluss betrug das mediane Alter 37 Jahre, und 75% hatten zuvor kein Kind geboren. 93% hatten Brustkrebs im Stadium 1 oder 2.
Vor Studieneinschluss hatte die Hormontherapie im Median 23,4 Monate gedauert.
Tamoxifen und andere selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM) wurden bei 42% der Patientinnen allein eingesetzt; 36% erhielten einen SERM zusammen mit einer Unterdrückung der Eierstockfunktion. 16% bekamen einen Aromatasehemmer wie Arimidex zusätzlich zur Unterdrückung der Eierstockfunktion.
Die meisten Frauen (62%) hatten zuvor eine neoadjuvante Chemotherapie erhalten.
Als primärer Endpunkt wurde das „krebsfreie 3-Jahres-Intervall“ festgelegt. Es wurde nach einer medianen Nachbeobachtung von 41 Monaten bewertet. Die Versagensrate des krebsfreien 3-Jahres-Intervalls betrug 8,9%, entsprechend 44 Ereignissen. Die Versagensrate des „3-jährigen fernrezidivfreien Intervalls“ wurde mit 4,5% bei 22 Ereignissen berechnet. Beide Raten ähnelten denjenigen historischer Kontrollpatientinnen, die keine solche Behandlungspause eingelegt hatten.
Für die Analyse sekundärer Endpunkte untersuchte das Team 497 Frauen der POSITIVE-Gruppe. Davon wurden 368 (74%) mindestens einmal schwanger; insgesamt kam es zu 507 Schwangerschaften. Bei 64% aller Frauen beziehungsweise 86% der schwanger gewordenen Frauen wurde mindestens eine Lebendgeburt dokumentiert.
Etwa 43% der Frauen nutzten während der Studie irgendwann eine Form assistierter Reproduktion.
Bei 11% der Schwangerschaften traten Komplikationen auf, am häufigsten Bluthochdruck/Präeklampsie bei 3% und Diabetes bei 2%.
Bei insgesamt 317 Frauen kam es zu 350 Lebendgeburten, darunter 335 Einlings- und 15 Zwillingsgeburten. Nur 8% der Kinder hatten ein niedriges Geburtsgewicht; bei 2% lagen angeborene Fehlbildungen vor. 62% der Frauen berichteten, gestillt zu haben.
Nach 48 Monaten hatten 76% die Hormontherapie wieder aufgenommen. 8% erlitten vor der Wiederaufnahme einen Krebsrückfall oder starben; 15% hatten die Therapie aus anderen Gründen noch nicht fortgesetzt.
Von den krankheitsfreien Frauen, die ihre Hormontherapie noch nicht fortgesetzt hatten, nannten 79% bei der letzten Nachbeobachtung als Grund, weiterhin eine Schwangerschaft zu verfolgen, aktuell oder kürzlich schwanger zu sein oder noch zu stillen.
Dies war eine schwer zu planende und durchzuführende Studie. Sie untersucht erstmals gezielt die Sicherheit einer Unterbrechung einer laufenden Hormontherapie, um schwanger zu werden. Eine solche Unterbrechung ist „eine ausgesprochen individuelle Entscheidung“.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse nur für die Hormontherapie gelten und nicht für Frauen, die neue Therapien wie Abemaciclib erhalten.
Fazit
Besonders mit Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr an frühem Brustkrebs mit geringem Risiko erkrankt sind und noch kein Kind haben, sollten Sorgen um ihre künftige Fruchtbarkeit besprochen werden. Dabei sollte hervorgehoben werden, dass eine Schwangerschaft möglich sein kann. Die Untersuchung zeigt, dass in dieser Situation bei hormonpositivem Brustkrebs eine Unterbrechung der Hormontherapie für Schwangerschaft und Stillzeit möglich ist.
Quellen
2. Women Can Safely Interrupt Endocrine Tx to Pursue Pregnancy - Medscape - 12. Dezember 2022.
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