Kann Tätowierfarbe in Lymphknoten gelangen und in der Bildgebung wie Krebsmetastasen aussehen?

Kürzlich berichtete die Zeitschrift Obstetrics and Gynecology über einen Fall, bei dem unnötig Lymphknoten entfernt wurden, weil dorthin gelangte Tätowierfarbe in der PET/CT wie Krebsmetastasen aussah.
PET/CT, eine mit Computertomographie kombinierte Positronenemissionstomographie, wird häufig verwendet, um krebsverdächtige Läsionen zu bestimmen, nach einer Krebsdiagnose die Ausbreitung festzustellen und das Therapieansprechen zu beurteilen. Bei vielen Krebsarten lässt sich damit erfolgreich die anfängliche Krankheitsausdehnung bewerten. Dabei wird dem Patienten ein radioaktiv markiertes Molekül des Zuckerderivats Glukose (18F-FDG) intravenös verabreicht. Diese Moleküle werden von Zellen mit hoher Aktivität, besonders Krebszellen, aufgenommen und erzeugen ein Bild. In einem kürzlich vorgestellten Fall verursachte Tätowierfarbe jedoch ein ähnliches Bild und führte zu einem Irrtum.
Die Tumorausbreitung ist bei Gebärmutterhalskrebs der wichtigste Faktor für die Wahl der geeigneten Behandlung. Während im sehr frühen Stadium eine Operation bevorzugt wird, werden bei regionaler und/oder lymphatischer Ausbreitung Strahlentherapie und Chemotherapie statt einer Operation gemeinsam eingesetzt. Deshalb ist die korrekte Ausbreitungsbestimmung für diese Patienten lebenswichtig.
Vorgestellt wurde eine Patientin mit 14 verschiedenen, großflächig an den Beinen verteilten Tätowierungen, die mit 32 Jahren Gebärmutterhalskrebs hatte. Weil der Tumor auf den Gebärmutterhals begrenzt war, wurde eine Operation geplant. Die präoperative Ganzkörper-PET/CT zur Ausbreitungsbeurteilung zeigte jedoch eine Ausbreitung in rechte und linke Leistenlymphknoten, im Bauchraum um Gebärmutter und Eierstöcke liegende Lymphknoten. Daraufhin wurden bei der Operation neben Gebärmutter und Eileitern auch 40 Lymphknoten dieser Region entfernt. Ihre Laboruntersuchung fand aber statt Krebszeichen Tätowierfarbe. So wurde erkannt, dass das PET/CT-Bild durch Tätowierfarbe entstanden war.
Dies ist der erste Fallbericht über nachgewiesenen Übertritt von Tätowierfarbe in Lymphknoten bei Gebärmutterhalskrebs. Bei anderen Krebsarten wie Brust- und Hautkrebs gibt es jedoch bereits entsprechende Berichte. Fallberichte gehören unter den Studienarten nicht zu denjenigen mit dem höchsten Evidenzniveau und wissenschaftlichen Wert. Auffällige Fälle vorzustellen kann aber manchmal sehr hilfreich sein, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Diese Untersuchung betont, dass Tätowierfarbe zu der falschen Schlussfolgerung führen kann, der Krebs habe sich in Lymphknoten ausgebreitet. Sie zeigt, dass Ärzte diese Möglichkeit bei der Beurteilung tätowierter Krebspatienten berücksichtigen sollten.
Quellen
Extensive Tattoos Mimicking Lymphatic Metastasis on Positron Emission Tomography Scan in a Patient WithCervical Cancer.
Obstet Gynecol. 2015 Apr 28. Volume 126 - Issue 1 - p 182–185
https://journals.lww.com/greenjournal/Citation/2015/07000/Extensive_Tattoos_Mimicking_Lymphatic_Metastasis.28.aspx
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