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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Molekulare Therapien

Molekulare Therapien
In diesem Artikel

Fortschritte der Nuklearmedizin bieten besonders nicht operierbaren Patienten zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten. Diese lebensverlängernden und die Lebensqualität verbessernden Verfahren besitzen die Eigenschaft einer das Krebsgewebe auffindenden zielgerichteten intelligenten Therapie .

Behandlung nach den Eigenschaften der Krebszelle

Moderne Behandlungsansätze bei Krebs werden überwiegend als zielgerichtete Therapienbewertet. Ziel sind die Krebszellen. Die abnorm wachsenden Zellen unterscheiden sich von normalen Zellen durch verschiedene Oberflächenproteine oder bestimmte innere Moleküle. Moleküle, die Eigenschaften oder Schwächen der Krebszelle erkennen, ermöglichen in den letzten Jahren die Entwicklung intelligenter Therapien. Oral oder intravenös gegeben, richten sie sich auf das Krebsgebiet.

Krebsgewebe als Ziel molekularer Werkzeuge

Wenn ein spezielles Molekül Krebszellen ansteuert, lassen sich je nach Therapie Arzneimittel, Atome oder andere zerstörende Stoffe daran laden. Diese besonderen Träger bringen die Wirkstoffe selektiv zu Krebszellen im Körper und zerstören erkranktes Gewebe auf Zellebene. So werden gesunde Gewebe weniger beeinträchtigt und wirksamere Dosen können verwendet werden.

Neue Möglichkeiten für nicht operierbare Patienten

Molekulare Therapie bietet eine neue Waffe gegen Krebs. Sie eröffnet eine zusätzliche Chance, wenn Operationen nicht möglich oder alle Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind. Bei fortgeschrittener Krankheit können diese Methoden als letzter Schlag gegen bösartige Zellen angewendet werden. Mit zunehmender Erfahrung werden solche Therapien jedoch auch in früheren Stadien möglich sein.

Trägermoleküle auch in der Bildgebung

Die Darstellung im Körper verbreiteter Krebszellen beruht auf demselben Prinzip. Als molekulare Taxis dienen Stoffe, die entsprechend den Krebszelleigenschaften an die richtige Adresse gelangen und die Zellverteilung im Körper sichtbar machen. Im Vergleich zu bisherigen Bildgebungsverfahren liefert die molekulare Bildgebung deutlich erfolgreichere Ergebnisse. Nach demselben Prinzip können Stoffe sowohl für Therapie als auch Bildgebung genutzt werden. Theranostik (Verbindung der lateinischen Begriffe Therapie für Behandlung und Diagnostik für Erkennung) ermöglicht neben der Behandlung die wirksamere gleichzeitige Überwachung der Arzneimittelverteilung im Körper und des Krankheitsverlaufs.

Wirksamer Einsatz bei Prostatakrebs

Prostatakrebswird inzwischen mit neuen molekularen Diagnose- und Therapiemethoden untersucht und behandelt, die sich bald weiter verbreiten werden. In Bluttests gibt es den allgemein als PSA bekannten Tumormarker. Nach einer Prostatakrebsdiagnose kann das Stadium durch Bildgebung festgestellt werden. Das Prinzip entspricht dem molekular zielgerichteter Therapien. Mithilfe des prostatakrebsspezifischen Proteins PSMA wurde die PET/BT- Bildgebung entwickelt. PSMA PET/BT kann bei potenziell streuendem Prostatakrebs vorhandene Metastasen nachweisen und unnötige Eingriffe und Therapien vermeiden. Bei nachgewiesener Metastasierung und Resistenz gegen Standardbehandlungen ist mit dem energiereichen Atom Lutetium 177 eine zielgerichtete Lutetium-PSMA-Therapie möglich. Eine weitere neu eingesetzte molekulare Prostatakrebstherapie ist Radium 223. Radium 223 kann Knochenmetastasen hormonresistenter Prostatatumoren angreifen. Bei Prostatakrebs mit ausgedehnten Knochenmetastasen wurde unter Radium 223 längeres Überleben gezeigt.

Mit Atomen beladene Kügelchen gegen Krebs

Bei Leberkrebs können radioaktiv markierte Mikrosphären (Kügelchen), die über Gefäße ins erkrankte Gebiet gebracht werden, Krebsgewebe zerstören. Radioembolisationoder Radio-Mikrosphärentherapie heißt das gemeinsam von Nuklearmedizin, Radiologie und medizinischer Onkologie durchgeführte Verfahren. Es ist bei primärem Leberkrebs und aus anderen Organen in die Leber gestreuten (metastasierten) Erkrankungen anwendbar. Verwendet werden mikroskopisch kleine, energiereiche radioaktive Kügelchen mit Yttrium-90 als Inhalt. Über Angiografie in die tumorversorgenden Gefäße gebrachte radioaktive Kügelchen können Tumorzellen und mögliche kleine Herde in der Nähe auf Zellebene bestrahlen und zerstören. Die Behandlung kann das Fortschreiten verhindern, einen Rückgang bewirken und zur Überlebenszeit beitragen. Sie wird meist bei unzureichendem Nutzen von Krebsmedikamenten und fehlender Operationsmöglichkeit bevorzugt. Wichtige Kriterien sind Alter, Allgemeinzustand, Leberzustand und weitere Ausbreitung im Körper.

Therapie bei neuroendokrinen Krebsarten verlängert das Leben

Auch bei neuroendokrinen Krebsarten werden radioaktive Therapien genutzt. Diese Behandlung heißt Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT). Diese kurz NET (neuroendokriner Tumor) genannten Tumoren tragen die als Somatostatin bezeichneten peptidartigen Rezeptoren und können aus Magen, Bauchspeicheldrüse, Darm, Schilddrüse, Lunge und anderen Organen stammen. Vor Behandlung werden Verbreitung und Menge der Rezeptoren per PET/BT dargestellt, die Krankheitsausdehnung und Metastasen bestimmt und die Dosis geplant. Intravenöse radioaktive Peptide haften an Zielzellen, geben starke Strahlung ab und können Krebszellen zerstören. Danach kann ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt nötig sein. Meist sind 3-5 Zyklen erforderlich. Bei nicht operierbaren, ausgebreiteten und nicht auf Chemotherapie ansprechenden Tumoren kann einer von drei Patienten ansprechen; bei der Hälfte kann das Fortschreiten gestoppt werden.

Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs

Die bekannteste und häufigste Radionuklidtherapie ist die bei Schilddrüsenkrebs eingesetzte Radiojodtherapie, im Volksmund auch Atomtherapie. Sie ist seit vielen Jahren bewährt, wirksam und sicher. Die große Mehrheit der Schilddrüsenkrebspatienten benötigt sie nach der Operation. Nach vollständiger Schilddrüsenentfernung sammelt sich Radiojod in verbliebenen Zellen an und beseitigt durch Strahlung auch mikroskopische Reste. Bei Rückfällen kann sie nötigenfalls wiederholt hoch dosiert gegeben werden. Die Anwendung ist einfach: Radiojod wird als Kapsel oder Flüssigkeit geschluckt.

Radioaktive Therapien können bei manchen Kindertumoren wirken

Beim kindlichen Tumor Neuroblastomkönnen mit Radiojod verbundene Stoffe namens MIBG eingesetzt werden. MIBG ähnelt dem von Krebszellen genutzten Peptid Norepinephrin, wird mit Radiojod gekoppelt und intravenös gegeben. Bei fortgeschrittenen, nicht operierbaren Patienten zerstört die Therapie gezielt Krebszellen und hilft einem Drittel. Radioaktives MIBG kann auch bei ausgewählten Patienten mit neuroendokrinen Tumoren wirksam sein.

Anwendung beim Lymphom (Lymphknotenkrebs)

Bei Lymphknotenkrebs, dem Lymphom, ist Radionuklidtherapie eine Option, wenn andere Behandlungen nicht wirken. Sie kann bei ausgewählten Patienten mit niedriggradigem Lymphom eingesetzt werden. An radioaktive Stoffe wie Yttrium-90 oder Jod-131 gekoppelte, als CD20 bezeichnete Antikörper steuern Ziele auf Krebszellen an und zerstören sie durch starke Strahlung auf mikroskopischer Ebene. Bei dieser gegen andere Verfahren resistenten Erkrankung kann mehr als die Hälfte ansprechen.

Schonend für den Patienten

Zielgerichtete Atomtherapien belasten Patienten wenig und schädigen nichtkrebsartige Gewebe nicht stark. Bei Strahlentherapie wirken Strahlen auch auf gesunde Körperteile und können sie schädigen. Bei atomgeladenen Therapien wird nicht der ganze Körper bestrahlt. Nur Tumor und Umgebung werden der Strahlung ausgesetzt, sodass gesunde Gewebe weitgehend geschützt bleiben. Allerdings sind Vorkehrungen nötig, um die Ausscheidungsorte ungenutzter Atome vor Schäden zu bewahren.

Die Spitze des Eisbergs

Nuklearmedizin wird nicht bei jeder Krebsart eingesetzt. Dieses schnell wachsende Verfahren ist bei geeigneter Patientenauswahl für neuroendokrine Tumoren, manche Lymphkrebsarten, Leberkrebs, toxischen Kropf und Schilddrüsenkrebs, bestimmte Kindertumoren und Prostatakrebs einsetzbar. Der Patient muss jedoch ab der Diagnose von einem multidisziplinären Team verschiedener Fachrichtungen beurteilt werdenund einen Behandlungsplan erhalten. Angesichts der Fortschritte ist es richtig, den heutigen Stand als Spitze des Eisbergs zu bezeichnen.

Ausführlichere Informationen finden Sie auf der Website von Prof. Dr. Akın Yıldız. Besuchen Sie sie.

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Drozdogan-Assistent

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