MRT-geführte Strahlentherapie verringert Nebenwirkungen bei Prostatakrebs

In diesem Artikel
Warum ein neuer Ansatz bei Prostatakrebs wichtig und notwendig ist
Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten bei Männern, und seine Behandlungsverfahren müssen ständig weiterentwickelt werden. Die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) wird dabei zunehmend eingesetzt. Die Verringerung ihrer Nebenwirkungen hat jedoch hohe Priorität. In diesem Zusammenhang bietet eine durch Magnetresonanztomografie (MRT) geführte Strahlentherapie mehrere Vorteile, die die Nebenwirkungen einer Prostata-SBRT verringern könnten. Dieser Artikel stellt eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse vor, die die Häufigkeit akuter Harnwegs- und Darmnebenwirkungen unter MRT-geführter adaptiver SBRT (MRg-A-SBRT) und CT-geführter SBRT (CT-SBRT) vergleicht.
Die von Dr. Jonathan Leeman vom Dana-Farber Cancer Institute geleitete und am 24. Juli in Cancer veröffentlichte Studie zeigt, dass die täglich adaptierte MRT-geführte SBRT bei Prostatakrebs gegenüber der Standard-CT-SBRT das Risiko akuter Harnwegsnebenwirkungen ab Grad 2 um 44% und akuter Darmnebenwirkungen ab Grad 2 um 60% verringert.
Was ist eine MRT-geführte Strahlentherapie?
Bei der MRT-geführten Strahlentherapie wird die Magnetresonanztomografie mit der Bestrahlung verbunden. Dadurch lässt sich die Strahlung genauer auf die Krebszellen ausrichten. MRT-Bilder erlauben es, Veränderungen im Körper während der Behandlung in Echtzeit zu verfolgen und Strahlendosis sowie Ausrichtung bei jeder Sitzung anzupassen. So können Krebszellen gezielter erfasst und gesunde Gewebe möglichst wenig bestrahlt werden.
Was ist SBRT?
Die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) richtet hohe Strahlendosen präzise direkt auf einen Tumor. Dabei erhält der Tumor eine maximale Dosis, während das Risiko einer Schädigung des umgebenden gesunden Gewebes möglichst gering bleibt. Die Behandlung erfolgt meist in wenigen, in der Regel vier bis fünf, Sitzungen und ist besonders bei kleinen, klar abgegrenzten Tumoren wirksam. SBRT wird bei Prostatakrebs, Lungenkrebs, Hirntumoren und einigen weiteren Krebsarten eingesetzt.
Vorteile und Grenzen der MRT-geführten SBRT
Die MRT-geführte Strahlentherapie nutzt MRT-Bilder, um Prostata und gefährdete Organe genauer zu konturieren, anatomische Veränderungen zwischen den Fraktionen, etwa eine Tumorverkleinerung, zu berücksichtigen und das Ziel während der Bestrahlung in Echtzeit zu überwachen. Es ist jedoch dringend erforderlich, ihren klinischen Nutzen mit verbreiteteren und leichter zugänglichen Verfahren wie der CT-SBRT zu vergleichen.
Die MIRAGE-Studie und ihre Ergebnisse
In der monozentrischen MIRAGE-Studie wurden 156 Patienten zufällig einer MRT-geführten oder CT-geführten SBRT zugeteilt. Unter der Behandlung mit einem MRI-Linac nahmen akute urogenitale (GU) und gastrointestinale (GI) Toxizitäten deutlich ab, und kurzfristige patientenberichtete Ergebnisse verbesserten sich. Die Durchführung an nur einem Zentrum und die Stichprobengröße können jedoch die Übertragbarkeit einschränken. Wichtig ist außerdem, dass keine tägliche adaptive Online-Strahlentherapie eingesetzt wurde.
Methodik: Vergleich von MR-SBRT und CT-SBRT
Um zu prüfen, ob dieser Ansatz Nebenwirkungen verringert, führten die Forscher eine Metaanalyse von 29 Studien mit 2547 Patienten durch. Sie verglichen die Häufigkeit kurzfristiger, ärztlich beurteilter Darm- und urogenitaler Nebenwirkungen unter MRT-geführter Bestrahlung und Standard-CT-SBRT. Das mittlere Erfassungsfenster für akute Nebenwirkungen betrug bei den MRT-geführten Studien 70 Tage und bei den CT-SBRT-Studien 94 Tage.
Ergebnisse: akute Toxizitätsraten
- Unter MRT-geführter Strahlentherapie (MR-SBRT) beträgt das Risiko schwerer Harnwegsnebenwirkungen ab Grad 2 16%. Bei der Standard-CT-geführten SBRT steigt es auf 28%.
- Ebenso beträgt das Risiko schwerer Darmnebenwirkungen ab Grad 2 unter MRT-geführter Strahlentherapie 4%. Unter Standard-CT-geführter SBRT steigt es dagegen auf 9%.
- Bei sehr seltenen schweren Nebenwirkungen ab Grad 3 besteht kein Unterschied zwischen den beiden Verfahren.
- Bei der CT-geführten SBRT macht es hinsichtlich der Nebenwirkungen keinen Unterschied, ob Fiduzialmarker verwendet werden. Das sind kleine Metallteile, die helfen, den Tumor während der Bestrahlung zu lokalisieren.
In der Praxis: der klinische Nutzen der MR-SBRT
Die Forscher erklären, dass die MRT-geführte Strahlentherapie eine genauere und wirksamere Bestrahlung ermöglicht. Dies bietet einen messbaren klinischen Nutzen, der die Behandlungsergebnisse verbessern könnte. Die MRT-geführte Behandlung spielt eine wichtige Rolle bei der Verringerung von Nebenwirkungen. Dazu tragen die tägliche adaptive Online-Planung, die genauere Tumorbestimmung mittels MRT und die MRT-Überwachung des Tumors während der Behandlung bei. Diese Merkmale ermöglichen eine präzisere Durchführung.
Grenzen der Studie
Die Analyse berücksichtigte keine Unterschiede zwischen den Studien bei Dosimetrie, Bestrahlungsplanung sowie Behandlung und Beurteilung der Toxizität. Spättoxizitäten und Tumorkontrollraten wurden nicht erfasst und könnten sich zwischen den beiden Ansätzen unterscheiden.
Quellen
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