Organisieren Sie sich, um Burnout zu bewältigen!

Burnout-Syndrom Den Begriff verwendete zuerst weder ein in Papierarbeit versinkender Hausarzt noch ein von unbrauchbaren elektronischen Patientenakten genervter Notarzt. Es war ein 1974 in einer Privatklinik arbeitender Psychologe namens Herbert Freudenberger , der in einer Privatklinik arbeitete. Bei der Untersuchung von Burnout-Risikofaktoren berücksichtigte er persönliche Eigenschaften wie übermäßige Hilfsbereitschaft und die Monotonie routinemäßiger Arbeit. Er beobachtete außerdem Beschäftigte in bestimmten Umgebungen und stellte einen Zusammenhang zwischen der Betreuung ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen und Burnout her, besonders bei Beschäftigten in Privatkliniken, therapeutischen Gemeinschaften, Hilfetelefonen, Kriseninterventionsstellen, Frauenkliniken, Zentren für Homosexuelle und sozialen Betreuungseinrichtungen.
In den letzten Jahren wurde Burnout zu einer großen Sorge für Ärzte und andere Gesundheitsberufe. Mit der Zeit geriet jedoch in Vergessenheit, dass der Begriff ursprünglich aus klinischen Umgebungen stammte, in denen Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf behandelt wurden.
Als Medizinstudent im vierten Jahr hörte ich viel über Burnout-Ursachen: zeitraubende elektronische Gesundheitsdokumentation während Untersuchungen, überlange Arbeitszeiten, das Gefühl, nur ein unbedeutendes Rädchen im großen Krankenhaussystem zu sein, und übermäßige Bürokratie. Als Berufseinsteiger machen mir diese Belastungen Angst. Doch meine Erfahrungen im Medizinstudium und im früheren staatlichen Krankenhaus zeigen mir, dass Freudenbergers klinisches Umfeld auf eine weitere, zu wenig beachtete Ursache hinweist: bei der Patientenversorgung zu wissen, dass kein Medikament gegen die Schäden ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände helfen wird!
Wir Medizinstudenten lernen sowohl über soziale Gesundheitsfaktoren als auch über Burnout. Der Beitrag der ersten zum zweiten wird jedoch kaum besprochen. Ärzte erschöpfen sich, wenn sie Armut und Leid ihrer Patienten miterleben. Sie fühlen sich machtlos und unzulänglich, wenn sie bei unbezahlbarer Miete nicht helfen können. Es entmutigt sie, wenn Patienten ohne ausreichendes Essen Medikamente mit der Anweisung „nicht auf nüchternen Magen einnehmen“ nicht regelmäßig nehmen können. Dies sind nur einige Situationen, die Burnout auslösen können.
Ein weiterer Burnout-Faktor ist nicht auf Ärzte beschränkt. Im Medizinstudium beobachtete ich jedoch etwas, das ihn verschärft: Wir halten uns als Einzelne für mächtiger, als wir tatsächlich sind. Diese falsche Überzeugung entsteht sowohl in uns selbst als auch durch unser Umfeld. Obwohl wir zunehmend im Team arbeiten, gelten Ärzte in der medizinischen Kultur weiterhin als individuelle Helden und Retter. Für viele verkörpern der weiße Arztkittel und medizinische Lehrbücher größtmögliche persönliche Stärke und gesellschaftliche Macht. Doch jeder Arzt wird Patienten begegnen, deren Gesundheitsprobleme aus Armut und Ausgrenzung entstehen. Dabei kann sich selbst der klügste und hervorragendste Arzt unzulänglich fühlen.
Als einzelner Arzt mit den schwierigen sozialen und schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen von Patienten konfrontiert zu sein, führt zu einer Ernüchterung: Ärzte, die ihre eigene Macht besonders betonen, erleben sich plötzlich als völlig machtlos. Statt als starke Einzelperson fühlen sie sich einsam und unzulänglich.
Im Zusammenhang zwischen sozialen Gesundheitsfaktoren und Burnout sehe ich eindeutig ein Problem, aber zugleich eine Lösung. Ist individuelle Machtlosigkeit der Kern des Syndroms, muss ein gemeinschaftlicher Ansatz Teil der Lösung sein. Als einzelne Ärzte können wir versuchen, eigene obdachlose Patienten in staatlichen Wohnungen unterzubringen. Was aber wäre möglich, wenn alle Ärzte mit obdachlosen Patienten gemeinsam für bezahlbareren Wohnraum eintreten würden?
Gemeinsames Handeln ist strategisch und therapeutisch zugleich. Zusammen gewinnen unsere Arbeit und unsere Stimmen an Kraft; so handeln wir strategischer. Wenn wir uns als Teil einer Gemeinschaft mit gemeinsamem Ziel statt als alleinstehende Einzelperson im Untersuchungszimmer verstehen, nimmt unser Gefühl der Einsamkeit ab.
Manche Forscher untersuchten, ob der Einsatz von Ärzten für Patienten eine Pflicht oder ein gemeinsames hoffnungsvolles Ziel ist. Meiner Ansicht nach macht der Zusammenhang zwischen Burnout und schwierigen Lebensbedingungen der Patienten diese Debatte bedeutungslos. Entscheidend ist weniger, ob wir uns für Patienten einsetzen müssen: Gemeinsamer Widerstand gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit hebt auch unsere eigene Moral und nützt uns. So sorgen wir für Patienten und für uns selbst.
Ich möchte eine kurze Geschichte erzählen, die Sie vielleicht schon kennen: Freunde kommen an einen Fluss mit starker Strömung und sehen mehrere Menschen, die zu ertrinken drohen. Alle springen sofort ins Wasser, um sie zu retten. Doch nach jeder Rettung ist bereits ein weiterer Mensch in den Fluss gefallen. Nach einiger Zeit schwimmt einer der Freunde flussaufwärts. Ein anderer, inzwischen völlig erschöpft, ruft ihm nach: „Wohin gehst du?“ Er antwortet: „Ich suche das, was diese Menschen in den Fluss wirft.“
Die grundlegende Lehre dieser Geschichte lautet, dass Vorbeugung wirksamer ist als Behandlung. Zugleich zeigt sie, dass manche Burnout-Faktoren aus allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnissen entstehen. Meiner Meinung nach traf der flussaufwärts schwimmende Freund die wirksamste Entscheidung. Er sah den unablässigen Strom Ertrinkender und erkannte eine unsichtbare Kraft dahinter. Er sah die endlosen Anstrengungen und die Erschöpfung seiner Freunde und sich selbst und spürte, wie nahe sie dem Burnout waren. Um dies zu verhindern, richtete er sich und seine Freunde gegen die Kraft, die Menschen ins Wasser warf. Das war für sie wie für die Ertrinkenden die vernünftigste Entscheidung.
Soziale Gesundheitsfaktoren und das Gefühl ärztlicher Unzulänglichkeit angesichts dieser Umstände sind nur ein Teil des Burnout-Problems. Es fühlt sich an, als gerieten beim Versuch, Ertrinkende zu retten, weitere Menschen in Gefahr. Man steht zwischen zwei Notfällen: den unmittelbar Gefährdeten zu helfen und die unsichtbare Kraft zu finden und zu bekämpfen, die sie gefährdet. Medizinstudenten werden zu sehr zu individuellem Denken erzogen und bleiben in dieser Denkweise gefangen. „Was kann ich tun?“ Diese Frage entspringt guten Absichten und Ehrgeiz, endet aber leider häufig in Überdruss und Resignation. Wollen medizinische Fakultäten und Ausbildungsprogramme im Krankenhaus Burnout wirklich verhindern, müssen sie uns gemeinschaftliches Denken lehren. Sie müssen uns also beibringen, zu fragen: „Was können wir tun?“ Um Burnout zu verhindern, dürfen wir diese sozialen Gesundheitsfaktoren nicht als Einzelne bekämpfen. Um Burnout zu verhindern, müssen wir eine Gemeinschaft bilden.
Der obige Text ist die Übersetzung eines Artikels von Leo Eisenstein , Medizinstudent im 4. Jahr an der Harvard Medical School, der in der medizinischen Fachzeitschrift NEJM erschien.
Quellen
To Fight Burnout, Organize.
NEJM - 20 June 2018
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