Radiofrequenzablation und Strahlentherapie bei wiederkehrendem Leberkrebs im Vergleich

In diesem Artikel
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist die häufigste Form von Leberkrebs. Bei der Diagnose befinden sich etwa 40% der Erkrankten in einem frühen Stadium und profitieren von lokalen oder regionalen Behandlungen.
Auch nach einer Behandlung im Frühstadium ist das Rückfallrisiko beim hepatozellulären Karzinom hoch. Innerhalb von 5 Jahren beträgt die Rückfallrate nach einer Operation 50-70%. Nach einer Lebertransplantation bei geeigneten Patienten liegt die Rückfallrate über 5 Jahre bei 10-20%; nach ablativen Behandlungen, etwa Radiofrequenzablation (RFA), liegt sie bei 60-80% innerhalb von 5 Jahren.
Die Wahl der lokalen Behandlung bei frühem Leberkrebs richtet sich nach Größe und Lage des Tumors sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand. Zu den Standardverfahren gehören:
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Chirurgische Resektion: Bei geeigneten Patienten mit frühem HCC ist sie die bevorzugte Erstlinienbehandlung. Der Tumor wird vollständig entfernt. Voraussetzung sind jedoch eine gute Leberfunktion und ausreichende funktionelle Reserven.
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Lebertransplantation: Sie bietet HCC-Patienten insbesondere bei mehreren kleinen Tumoren oder fehlender Möglichkeit einer Resektion eine potenziell heilende Behandlung. Die Suche nach einem geeigneten Spender kann jedoch schwierig sein.
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Lokale ablative Verfahren: Sie zerstören Tumoren örtlich, wenn eine Operation bei frühem Leberkrebs nicht möglich oder zu riskant ist. Zu dieser Gruppe gehören RFA (Radiofrequenzablation) und SBRT (stereotaktische Körperbestrahlung), die im Folgenden näher erläutert werden.
Was sind SBRT und RFA?
- Radiofrequenzablation (RFA): Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird über eine dünne Nadelelektrode hochfrequenter elektrischer Strom in den Tumor geleitet und dieser durch Wärme zerstört. Meist erfolgt es unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle; häufig können die Patienten noch am selben Tag nach Hause.

- Stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT): Hoch dosierte Strahlung wird mit millimetergenauer Präzision auf den Tumor gerichtet. Die Behandlung erfolgt mit einem speziellen Bestrahlungsgerät in mehreren Sitzungen. Moderne Bildgebung soll Schäden am umgebenden gesunden Gewebe verhindern.

Welches Verfahren ist bei kleinen HCC-Rezidiven überlegen?
Am 18. Dezember 2024 veröffentlichte das Journal of Clinical Oncology eine Studie, die Wirksamkeit und Sicherheit der beiden Verfahren bei wiederkehrendem kleinem hepatozellulärem Karzinom (HCC) vergleicht.
SBRT oder RFA?
Ziel war der Vergleich von Wirksamkeit und Sicherheit der RFA und SBRT bei kleinen HCC-Rezidiven (<5 cm).
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Patientenkriterien: Patienten mit einem einzelnen HCC-Rezidiv unter 5 cm Durchmesser.
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Gruppen:
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SBRT-Gruppe: 83 Patienten.
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RFA-Gruppe: 83 Patienten.
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Primärer Endpunkt: Lokales progressionsfreies Überleben (LPFS).
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Sekundäre Endpunkte: Progressionsfreies Überleben (PFS), Gesamtüberleben (OS), lokale Kontrollrate und Nebenwirkungen.
Wichtigste Ergebnisse
1. Lokales progressionsfreies Überleben (LPFS)
Die SBRT war der RFA beim lokalen progressionsfreien Überleben (LPFS) deutlich überlegen.
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LPFS-Raten nach 2 Jahren:
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SBRT: 92,7% (95% KI: 87,3 - 98,5).
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RFA: 75,8% (95% KI: 67,2 - 85,7).
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Risikoverhältnis: Signifikanter Unterschied zugunsten der SBRT (HR: 0,45; P = 0,014).

2. Progressionsfreies Überleben (PFS)
Die medianen Zeiten des progressionsfreien Überlebens (PFS) wurden bewertet:
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SBRT: 37,6 Monate (95% KI: 26,0 - 49,2).
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RFA: 27,6 Monate (95% KI: 20,3 - 34,8).
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P-Wert: Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant (HR: 0,76; P = 0,190).
3. Gesamtüberleben
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Gesamtüberlebensraten nach 2 Jahren:
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SBRT: 97,6% (95% KI: 94,3 - 100,0).
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RFA: 93,9% (95% KI: 88,9 - 99,2).
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Der Unterschied im Risikoverhältnis war statistisch nicht signifikant (HR: 0,91; P = 0,830).
4. Nebenwirkungen
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Akute und späte Nebenwirkungen:
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Die Raten schwerer Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen ähnlich.
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Akute Nebenwirkungen: P = 0,436.
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Späte Nebenwirkungen: P = 0,715.
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Vorteile und Nachteile der Verfahren
Stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT)
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Vorteile:
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Bessere Raten des lokalen progressionsfreien Überlebens.
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Nichtinvasive Behandlungsoption.
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Während der Durchführung ist keine Anästhesie erforderlich.
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Nachteile:
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Gerätekosten und Bedarf an erfahrenen Fachkräften.
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Radiofrequenzablation (RFA)
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Vorteile:
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Minimalinvasives Verfahren, das meist ambulant durchgeführt werden kann.
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Nachteile:
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Bei HCC-Rezidiven kann die Wirksamkeit abnehmen.
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Niedrigere lokale Kontrollraten als bei SBRT.
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Einordnung
Die Ergebnisse zeigen eine bessere lokale Kontrolle durch SBRT, insbesondere bei HCC unter 2 cm Durchmesser. Hinsichtlich progressionsfreiem Überleben, Gesamtüberleben und Sicherheit lieferten beide Verfahren jedoch ähnliche Ergebnisse. Deshalb sollte die Wahl individuell erfolgen und Zustand des Patienten, Tumorgröße und -lage sowie die Möglichkeiten des Zentrums berücksichtigen.
Die Studie zeigt eine bessere lokale Kontrolle durch SBRT gegenüber RFA, aber ähnliche Ergebnisse beim Gesamtüberleben und bei der Sicherheit. Bei der Wahl der Behandlungsstrategie sind Patientenmerkmale und Möglichkeiten des Zentrums sorgfältig abzuwägen.
Quellen
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