Rasche Gewichtszunahme nach einer Brustkrebsdiagnose! Darauf sollten Patientinnen und Ärzte achten

In diesem Artikel
Die nach einer Brustkrebsdiagnose auftretende rasche Gewichtszunahme könnte ein größeres Problem sein als bisher angenommen. Ärzte müssen ihre Patientinnen dabei stärker unterstützen.
Da eine Gewichtszunahme nach Brustkrebs zu schlechteren Ergebnissen führen kann, sollten Maßnahmen zu ihrer Vermeidung und Behandlung insbesondere im ersten Jahr nach der Diagnose priorisiert und beschleunigt werden.
Bei zwei Dritteln der befragten Brustkrebspatientinnen wurden Übergewicht oder Adipositas festgestellt.
Diese australische Untersuchung wurde am 20. Februar in BMC Cancer online veröffentlicht. Der Onlinefragebogen mit 60 Fragen wurde an 1835 Patientinnen versandt.
Obwohl die Rücklaufquote der Onlinebefragung nur 15% betrug, berichteten die meisten Frauen über ein „hohes“ Maß an Angst (Besorgnis) wegen der Gewichtszunahme – und dafür gibt es einen guten Grund. Die Ergebnisse zeigten, dass 64% der Frauen durchschnittlich 9 kg und 17% mehr als 20 kg zugenommen hatten.
In den 2 Jahren nach der Brustkrebsdiagnose stieg der Anteil von Übergewicht und Adipositas von 48% auf 67%. Die Adipositasrate allein verdoppelte sich beinahe von 17% auf 32%!
- Verwandtes Thema: Zusammenhang zwischen Adipositas und Krebs – Wie verursacht Adipositas Krebs?
Die Forscher betonen, dass Übergewicht und Adipositas bei der Entstehung von Brustkrebs eine wichtige Rolle spielen. Eine Gewichtszunahme nach der Diagnose ist mit Morbidität (Krankheit) und Gesamtmortalität (Tod) verbunden und kann das Risiko eines Brustkrebsrezidivs um 30% bis 40% erhöhen.
Das 1. Jahr nach der Diagnose ist entscheidend
Bei 77% der Frauen trat die Gewichtszunahme innerhalb von 12-18 Monaten nach der Diagnose auf. Dieser Zeitraum könnte ein „Gelegenheitsfenster“ für eine Intervention bieten.
Der Zeitpunkt ist entscheidend, um eine Gewichtszunahme nach der Brustkrebsdiagnose zu verhindern. Onkologen sollten deshalb früh mit den Frauen darüber sprechen und sie an Ernährungsfachkräfte mit Erfahrung in der Onkologie überweisen. Außerdem sollten alle Frauen nach einer Brustkrebsdiagnose regelmäßig Sport treiben. Einen gesunden Lebensstil zu verordnen ist genauso wichtig wie Medikamente zu verordnen.
Insbesondere Frauen mit Brustkrebs, die eine neoadjuvante (vor der Operation verkleinernde) und eine adjuvante (nach der Operation schützende) Therapie erhalten, haben ein höheres Risiko für eine Gewichtszunahme.
Als Ärzte müssen wir uns aktiv mit Gewicht, Ernährung und Bewegung befassen und zu möglichen Maßnahmen beraten. Bei Brustkrebspatientinnen trägt eine Gewichtszunahme zu Problemen mit dem Selbstwertgefühl bei und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zweitkrebserkrankungen. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass sie die Prognose (den Krankheitsverlauf) verschlechtern und zugleich das Risiko für ein Lymphödem erhöhen kann.
Als Ärzte müssen wir uns aktiv mit Gewicht, Ernährung und Bewegung befassen
Da wir wissen, dass Adipositas bei Brustkrebs ein Risikofaktor für schlechtere Ergebnisse ist, dürfen wir uns nicht ausschließlich auf die Behandlung der Brust konzentrieren und dabei die ganzheitliche Beurteilung des Menschen vernachlässigen.
Einzelheiten der Befragung
Von 277 Teilnehmerinnen, die 15% der zur Befragung eingeladenen Frauen ausmachten, wurden Daten zum Körpermassenindex (BMI) vor und nach der Diagnose erhoben.
Bei 254 dieser Frauen wurde Brustkrebs im Stadium I – III diagnostiziert; bei 33 wurde ein duktales Carcinoma in situ (DCIS) festgestellt. Das mediane Alter der Patientinnen betrug 59.
Die Ergebnisse bei den Frauen zeigten;
- 20% waren zum Zeitpunkt der Diagnose normalgewichtig (BMI <25) und später übergewichtig (BMI> 25),
- bei 4,8% lag der BMI zunächst zwischen 25-30, also im übergewichtigen Bereich, und stieg später über 30, womit sie adipös waren, und
- bei 60,7% stieg der BMI um >1 kg/m2.
- Nur ein kleiner Teil der Frauen nahm dagegen ab; etwa 6% verzeichneten eine Abnahme um mehr als eine BMI-Kategorie.
Eine Gewichtszunahme trat bei 87% der Frauen in den ersten 2 Jahren nach der Diagnose und bei 58% in den ersten 12 Monaten auf. Von den Frauen, die mehr als 10 Kilo zunahmen, äußerten 78% große Besorgnis darüber; bei einer Zunahme von mehr als 5 Kilo waren es 59%.
Über alle Altersgruppen hinweg (35-74 Jahre) nahmen 69% der Patientinnen jedes Jahr 0,48 kg mehr zu als gleichaltrige Kontrollpersonen ohne Brustkrebsdiagnose. Über 5 Jahre führte dies bei den Frauen mit Brustkrebs zu einer zusätzlichen Gewichtszunahme von 2 kg.
Fazit
Frauen, die wegen Brustkrebs eine Chemotherapie erhalten, fühlen sich möglicherweise nicht energiegeladen genug für Sport und empfinden Essen als tröstlich. Außerdem steigern die zur Verringerung von Chemotherapienebenwirkungen gegebenen Kortisonpräparate den Appetit, insbesondere auf Kohlenhydrate. Deshalb sollte berücksichtigt werden, dass Frauen während der Behandlung von Brustkrebs im Frühstadium zu einer Gewichtszunahme neigen. Dies sollte in der Patientenschulung betont werden, und die Patientinnen sollten früh mit einer Ernährungsfachkraft in Kontakt gebracht werden.
Quellen
Weight before and after a diagnosis of breast cancer or ductal carcinoma in situ: a national Australian survey.
BMC Cancer, 20 Feb 2020
2. Sharp Climb in Weight Gain After Breast Cancer Diagnosis - Medscape - Mar 02, 2020.
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