Retifanlimab-Kombination erhält FDA-Zulassung zur Behandlung von Analkrebs

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Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat am 15. Mai 2025 Retifanlimab-dlwr (Zynyz, Incyte Corporation), einen immuntherapeutischen Wirkstoff, in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel sowie als Monotherapie für Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom des Analkanals zugelassen. Diese Entwicklung eröffnet neue Hoffnung für die Behandlung dieser seltenen, aber aggressiv verlaufenden Krebsart.
Inwiefern ist diese neue Retifanlimab-Zulassung eine Premiere?
- Erstmals erhielt eine Immuntherapie zusammen mit Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung des Plattenepithelkarzinoms des Analkanals eine FDA-Zulassung.
- Darüber hinaus ist Retifanlimab als Monotherapie der erste von der FDA nach fehlendem Ansprechen auf eine platinbasierte Therapie oder bei deren Unverträglichkeit für ein Plattenepithelkarzinom zugelassene PD-1-Inhibitor geworden.

Was ist Analkrebs und warum ist er wichtig?
Analkanalkarzinome entstehen im Anusbereich, den letzten 3 cm des Verdauungstrakts. Sie sind selten, werden jedoch zunehmend häufiger diagnostiziert. Studien aus den USA zeigen für 2001–2015 eine jährliche Zunahme der Analkrebsinzidenz (neue Krebsfälle pro Jahr) um 2,7% und der krankheitsbedingten Mortalität (Sterberate) um 3,1%. Damit gehört Analkrebs zu den „am schnellsten zunehmenden Krebsarten“.
Mehr als 90% der Analkrebserkrankungen stehen mit einer HPV-Infektion, insbesondere HPV-16, in Zusammenhang. Die Erkrankung tritt häufiger bei Frauen und im höheren Alter auf. Da sie bei der Diagnose oft bereits fortgeschritten ist und ohne Symptome voranschreiten kann, sind Früherkennung und wirksame systemische Behandlungsmöglichkeiten lebenswichtig.
Wissenschaftliche Grundlage der neuen Zulassung: POD1UM-303 / InterAACT 2 und POD1UM-202
1. Kombinationstherapie (Retifanlimab + Carboplatin + Paclitaxel)
Die FDA-Zulassung beruht auf der Phase-3-Studie POD1UM-303/InterAACT 2 mit 308 Patienten mit inoperablem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom des Analkanals ohne vorausgegangene systemische Chemotherapie. Sie wurden wie folgt behandelt:
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In beiden Gruppen gleich: Carboplatin (AUC=5, Tag 1) und Paclitaxel (80 mg/m², Tage 1, 8 und 15) über 6 Zyklen
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Randomisierung: Retifanlimab-dlwr 500 mg IV (1-mal alle 4 Wochen) versus Placebo

Wichtigste Ergebnisse:
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Medianes progressionsfreies Überleben (PFS):
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Im Arm mit Chemotherapie plus Retifanlimab 9,3 Monate
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Im Arm mit Chemotherapie plus Placebo 7,4 Monate
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HR: 0,63 (p=0,0006) → 37% Risikoreduktion
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Ansprechrate (ORR):
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Retifanlimab-Arm: 56%
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Placebo-Arm: 44%
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Medianes Gesamtüberleben (OS):
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Im Retifanlimab-Arm 29,2 Monate
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Im Placebo-Arm 23 Monate
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(HR: 0,70) → an der Grenze zur statistischen Signifikanz
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Hinweis: 45% der Patienten im Placebo-Arm erhielten nach Progression Retifanlimab.
2. Retifanlimab als Monotherapie (POD1UM-202)
Die FDA hat Retifanlimab zugleich als Einzelwirkstoff für Patienten mit Plattenepithelkarzinom des Analkanals nach fehlendem Ansprechen auf eine platinbasierte Therapie oder bei deren Unverträglichkeit zugelassen. Diese Zulassung beruht auf den Daten der Phase-2-Studie POD1UM-202.
Die Studie im Überblick:
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94 Patienten erhielten alle 4 Wochen 500 mg Retifanlimab IV.
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Objektive Ansprechrate: 14% (95% CI: 8–23)
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Mediane Ansprechdauer (DoR): 9,5 Monate
Über Retifanlimab (Zynyz): Frühere FDA-Zulassung und klinische Anwendung
Retifanlimab ist ein Immuntherapeutikum, das als PD-1-Inhibitor (Programmed Death Receptor-1) wirkt.
Seine erste FDA-Zulassung erhielt es am 22. März 2023 zur Behandlung des fortgeschrittenen Merkelzellkarzinoms (MCC) . Diese Zulassung beruht auf der Phase-2-Studie POD1UM-201, die mit einer Ansprechrate von 52% und einer medianen Ansprechdauer von 9,5 Monaten Aufmerksamkeit erregte.
Das MCC ist ein seltener, aber aggressiver Hautkrebs, der mit Sonnenexposition und Immunsuppression in Zusammenhang steht.
Anwendung und Sicherheit von Retifanlimab
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Dosis in Kombination: 500 mg IV alle 4 Wochen zusammen mit Carboplatin + Paclitaxel, höchstens 12 Monate
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Dosis als Monotherapie: 500 mg IV alle 4 Wochen, höchstens 24 Monate
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Warnhinweise:
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Schwere und potenziell tödliche immunvermittelte Nebenwirkungen
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Infusionsreaktionen
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Komplikationen nach allogener Stammzelltransplantation
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Embryofetale Toxizität
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Fazit und Bedeutung
Die Zulassung von Retifanlimab sowohl in Kombination als auch als Monotherapie ist eine wichtige Entwicklung, die die Rolle der Immuntherapie in der Erstlinie beim Analkanalkarzinom festigt. Insbesondere die signifikante PFS-Verbesserung könnte das Behandlungsparadigma bei dieser seltenen, aber schwerwiegenden Tumorart verändern. Zusammen mit der früheren MCC-Zulassung zeichnet sich Retifanlimab zudem als vielversprechender Wirkstoff bei seltenen Krebsarten aus.
Quellen
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