Stillen nach Brustkrebs ist sicher und möglich – Ergebnisse der ESMO 2024

In diesem Artikel
Ein wichtiger Anlass zur Sorge
Für junge Frauen, die wegen Brustkrebs behandelt werden, sind Schwangerschaft und Stillzeit mit großen Sorgen verbunden. Auf dem ESMO-Kongress 2024 vorgestellte neue Daten zeigen, dass Stillen für Frauen mit einer Brustkrebsbehandlung sowohl sicher als auch möglich ist. Die Daten zeigen, dass Stillen das Risiko eines Brustkrebsrückfalls nicht erhöht und auch für das Kind keine gesundheitlichen Risiken birgt. Das kann für Frauen nach Brustkrebs eine große Erleichterung sein.
Sicherheit des Stillens nach Brustkrebs
Insbesondere für junge Frauen mit frühem Brustkrebs und entsprechender Behandlung haben der Erhalt der Fruchtbarkeit und die Schwangerschaftsplanung hohe Priorität. Über das Stillen kursieren jedoch viele Fehlinformationen, und die Betroffenen erhalten möglicherweise nicht genügend Unterstützung durch Gesundheitsfachkräfte. Nach einer beidseitigen Mastektomie, also der Entfernung beider Brüste, ist Stillen nicht möglich. Nach einer brusterhaltenden Operation können Frauen hingegen mit einer Brust stillen.
Untersuchungen zufolge reicht das Stillen mit einer Brust sowohl für Neugeborene als auch für Zwillinge aus.

Auf der ESMO 2024 vorgestellte Ergebnisse der POSITIVE-Studie
Die Studie POSITIVE (Pregnancy Outcome and Safety of Interrupting Therapy for Women with Endocrine Responsive Breast Cancer) bewertete in ihrer zweiten Analyse die Auswirkungen des Stillens auf die Brustkrebsergebnisse.
POSITIVE soll beurteilen, ob Frauen mit hormonrezeptorpositivem frühem Brustkrebs nach mindestens 18 Monaten Hormontherapie ihre Behandlung vorübergehend unterbrechen können, um sicher schwanger zu werden.
Das wichtigste Gestaltungsmerkmal der Studie ist, dass die Teilnehmerinnen ihre Hormontherapie für bis zu 2 Jahre unterbrechen dürfen. Dabei werden die Auswirkungen während und nach der Schwangerschaft auf das Rückfallrisiko beobachtet. Die Zwischenanalyse zeigte keinen Anstieg kurzfristiger Krebsereignisse.
Ergebnisse der auf der ESMO 2024 vorgestellten zweiten Analyse:
- 63% der Frauen, die ein Kind geboren und keine beidseitige Mastektomie erhalten hatten, stillten.
- 37% der Frauen stillten mindestens 6 Monate lang.
- Das Durchschnittsalter dieser Frauen lag über 35 Jahren, und die meisten hatten zuvor keine Kinder.
- Bei einer Nachbeobachtung über zwei Jahre zeigte Stillen keinen negativen Einfluss auf Brustkrebsrückfälle.
Diese Daten zeigen, dass Frauen mit einer Brustkrebsbehandlung zum Stillen ermutigt werden sollten.
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Stillen bei Frauen mit BRCA-Mutation
Eine weitere auf der ESMO 2024 vorgestellte Studie untersuchte Frauen mit einer BRCA-Mutation, bei denen vor dem Alter von 40 Jahren Brustkrebs im Stadium I-III diagnostiziert worden war.
- Von 4.904 Patientinnen wurden 659 nach der Brustkrebsdiagnose schwanger, und 474 brachten ein Kind zur Welt.
- 23% dieser Frauen stillten im Durchschnitt 5 Monate lang.
- Die Studie zeigte keinen negativen Einfluss des Stillens auf lokoregionale Rückfälle oder die Entstehung einer zweiten Brustkrebserkrankung.
Für Frauen mit BRCA-Mutation ist dies wichtig, da Stillen und Schwangerschaft auch in dieser Gruppe als sicher angesehen werden.
Langfristige Auswirkungen und gesundheitlicher Nutzen
Stillen bietet nach einer Brustkrebsbehandlung bekanntermaßen gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität von Frauen nach Brustkrebs sind jedoch noch nicht vollständig untersucht. Künftige Studien könnten deutlicher zeigen, welche Rolle Stillen für die biologische und psychische Erholung dieser Frauen spielt.
Diese Studien zeigen insgesamt, dass Frauen nach Brustkrebs besser über das Stillen informiert und dabei stärker unterstützt werden sollten.
Quellen
2. Blondeaux E, et al. Breastfeeding after breast cancer in young BRCA carriers: Results from an international cohort study. ESMO Congress 2024, Abstract 1815O
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