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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Warum musste Trump von seinen impfkritischen Aussagen abrücken?

Warum musste Trump von seinen impfkritischen Aussagen abrücken?
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US-Präsident Trump rief angesichts der sich im Land ausbreitenden Masernfälle dazu auf: "Lassen Sie sich impfen" so sein Aufruf.

"Impfungen sind sehr wichtig!" sagte er vor dem Weißen Haus zu Journalisten.

Die US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) teilten mit, dass im Zusammenhang mit dem Wiederaufflammen der hoch ansteckenden Masern in 22 Bundesstaaten etwa mehr als 700 Fälle gemeldet worden seien.

Trump hatte zuvor während seines Wahlkampfs Impfungen und Autismus miteinander in Verbindung gebracht. Fachleute für öffentliche Gesundheit erklären jedoch, dass kein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus besteht.

In den USA und vielen anderen Ländern sinken die Impfquoten seit den 2000er-Jahren aufgrund philosophischer oder religiöser Einstellungen vieler Eltern kontinuierlich. Anti-Vaxxer (Impfgegner) genannte Personen haben die Vorstellung , dass Impfungen bei Kindern Autismus verursachen. Auch in unserem Land gibt es einen ähnlichen Trend: In der Türkeiverweigerten 2011 nur 183 Familien die Impfung ihrer Kinder, während diese Zahl 2017 auf 23 Tausend stieg.

Trumps Warnung erfolgte, nachdem Hunderte Studierende und Mitarbeiter von Universitäten in Los Angeles, Kalifornien, wegen Masernverdachts unter Quarantäne gestellt worden waren.

Menschen mit Infektionsrisiko wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben, sofern sie ihre Immunität gegen Masern nicht nachweisen konnten.

Die University of California (UCLA) erklärte am 25. April 2019, dass für 82 Personen kein Nachweis einer Masernimpfung vorliege. Die California State University erklärte dagegen, dass 156 Personen einschließlich Bibliotheksmitarbeitern und Studierenden keinen Impfnachweis vorlegen konnten und nicht in Quarantäne bleiben konnten.

Zahl der nicht gegen Masern geimpften Kinder in zehn entwickelten Ländern

Was hatte Trump zuvor über Impfungen gesagt?

Trumps jüngste Äußerungen widersprechen seinen früheren öffentlichen Aussagen über Impfungen deutlich.

Während einer Wahldebatte 2015 erklärte er, Impfungen seien für das verantwortlich, was er als Autismus-„Epidemie“ bezeichnete. Er sagte, er sei für Impfungen, wünsche sich aber „kleinere Dosen über einen längeren Zeitraum“".

Außerdem führte er vor den Wahlen 2016 Gespräche mit mehreren prominenten impfgegnerischen Kampagnen.

Auch in früheren Beiträgen in sozialen Medien brachte er Impfungen mit Autismus in Verbindung.


Übersetzung: "Massive kombinierte Impfungen bei kleinen Kindern sind die Ursache für den starken Anstieg von Autismus ...."

Wie ernst ist der Masernausbruch?

Masern sind eine hoch ansteckende Krankheit und können schwere gesundheitliche Komplikationen wie Schäden an Lunge und Gehirn verursachen.

Trotz dieser Gefahren sinken die Impfquoten jedoch in vielen Ländern.

Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation gab es in den ersten drei Monaten 2019 weltweit mehr als 110.000 Masernfälle - gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um % 300 wie die Zahlen zeigen.

Im Impfkalender des türkischen Gesundheitsministeriums werden folgende Impfungen empfohlen (sind jedoch gesetzlich nicht verpflichtend): Hepatitis B; Tuberkulose; Fünffachimpfung (Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, inaktivierte Polio, Haemophilus-Typ-b-Impfung); Masern, Röteln, Mumps; Vierfachimpfung (Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, inaktivierte Polio); Kinderlähmung; Diphtherie und Tetanus für Erwachsene; Hepatitis A und Windpocken.

In der folgenden Abbildung ist der Impfkalender für Kinder des Gesundheitsministeriums der Republik Türkei zu sehen:

Routineimpfprogramm Impfkalender für Kinder und Babys Gesundheitsministerium

Derzeit werden in vielen entwickelten Ländern, insbesondere in Europa, gesetzliche Regelungen diskutiert, um Impfungen im Kindesalter verpflichtend zu machen, weil Impfgegnerschaft die öffentliche Gesundheit gefährdet.

Wie steht es um Impfpflicht und Impfungen in Europa?

  • Frankreich: Seit Januar 2018 hat Frankreich insgesamt 11 Impfungen seines Impfkalenders verpflichtend gemacht. Dies sind Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus-influenza-Typ-B-Infektionen, Hepatitis B, Pneumokokkeninfektionen, invasive Meningokokkenerkrankung der Serogruppe C, Masern, Mumps und Röteln.
    In Frankreich drohen Familien, die Impfungen verweigern, Freiheitsstrafen ab 6 Monaten und eine Geldstrafe von 3 Tausend 700 Euro.
  • Italien: 2017 stieg die Zahl der verpflichtenden Impfungen von zuvor 4 auf 10. Dazu gehören Diphtherie, Kinderlähmung, Tetanus, Hepatitis B, Haemophilus influenza Typ b, Masern, Röteln, Mumps und Windpocken.
    In Italien werden Familien, die ihr Kind nicht impfen lassen, mit Geldstrafen zwischen 100 und 500 Euro belegt.
  • Tschechien: 9 Impfungen sind verpflichtend.
  • Slowakei: Die Zahl der Pflichtimpfungen beträgt 10.
  • Polen, Bulgarien, Ungarn: In allen drei Ländern gibt es wie in Frankreich 11 Pflichtimpfungen.
  • Lettland: Es gibt 13 Pflichtimpfungen.
  • Griechenland: Griechenland hat in Europa die meisten Pflichtimpfungen; Familien lassen ihre Kinder mit insgesamt 14 verpflichtenden Impfungen impfen. Anders als in anderen Ländern stehen auch Hepatitis A, Grippe und weitere Typen von Pneumokokkeninfektionen auf der Pflichtliste.
  • Belgien: In Belgien gibt es nur eine Pflichtimpfung: die Impfung gegen Kinderlähmung. Die anderen 11 Impfungen stehen auf der Empfehlungsliste.
  • England: Es gibt keine Impfpflicht, jedoch werden in den ersten 4 Monaten nach der Geburt 6 Impfungen empfohlen: Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenza Typ b und Hepatitis B.
  • Deutschland: Auch in Deutschland werden Impfungen lediglich empfohlen. In Brandenburg wurde die Masernimpfung ab April 2019 verpflichtend. Außerdem stieß der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn kürzlich eine Debatte über eine Impfpflicht an. Der weltweite Masernausbruch beunruhigt die Behörden. Daher begannen Gespräche über ein Gesetz, das Impfungen verpflichtend machen würde. Bereits seit 2015 kann Familien, die Impfungen ihrer Kinder verweigern, jedoch eine Geldstrafe von 2 Tausend 500 Euro auferlegt werden.
  • Estland, Litauen, Dänemark, Schweden, Finnland, Irland, Portugal, Luxemburg und die Türkei: Wie England empfehlen sie Impfungen lediglich, ohne dass derzeit eine Pflicht besteht. Werden die kostenlosen Kinderimpfungen verpflichtend, könnten Eltern, die sie nicht durchführen lassen, mit Haft- und gerichtlichen Geldstrafen belegt werden.

- Verwandtes Thema: Routineimpfprogramm und 4 wichtige Impfungen außerhalb des Programms, die Sie kennen sollten (ausführlich) 

Weiterführende Informationen: Wissenschaftliche Daten zu AUTISMUS und IMPFUNGEN

Die Vorstellung eines Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus entstand erstmals durch eine 1998 in der medizinischen Zeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie. Sie behandelte 8 Kinder mit autismusähnlichen Reaktionen nach der KKK-Impfung (Masern-Röteln-Mumps). Obwohl die Symptome nicht genau mit Autismus-Symptomen übereinstimmten, lenkte die Behauptung, es könnte sich um eine „regressive“ Form des Autismus handeln, die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf dieses spekulative Thema. Hunderte Studien wurden durchgeführt und Ergebnisse vorgelegt. Auch unter dem Einfluss dieser im weiteren Artikel erwähnten Untersuchungen und ihrer Ergebnisse erklärte Richard Horton, Chefredakteur von The Lancet, 2010, dass die 1998 veröffentlichte Studie völlig falsche Ergebnisse und Behauptungen enthalte und die Daten ihrer Wissenschaftler Abweichungen aufwiesen. Andrew Wakefield, der die Studie durchgeführt hatte, wurde im Mai 2010 vom General Medical Council (GMC) wegen beruflichen Fehlverhaltens und falscher medizinischer Aufzeichnungen aus dem Beruf ausgeschlossen.

Die nach dieser 1998 veröffentlichten Studie durchgeführten Untersuchungen konzentrierten sich allgemein auf 2 Hypothesen:

  1. Ob ein Zusammenhang zwischen der KKK-Impfung und Autismus besteht 
  2. Ob Thimerosal (ein quecksilberhaltiges antimikrobielles Konservierungsmittel in Totimpfstoffen) mit Autismus zusammenhängt

Zusammenhang der Masern-Röteln-Mumps-Impfung (KKK) mit Autismus

Andrew Wakefield führte die in seiner Studie behaupteten autismusähnlichen Symptome, die er „autistische Enterokolitis“ nannte, auf die kombinierte Verabreichung der KKK-Impfung zurück und behauptete, bei Einzelimpfungen würden diese Symptome nicht auftreten. Nach diesen weitreichenden Aussagen gingen Medienvertreter und Eltern dazu über, Impfungen aufzuschieben oder sogar vollständig abzulehnen. Die Wissenschaft reagierte auf diese gefährlichen Schritte rasch mit zahlreichen Studien und legte deren Ergebnisse vor. Die erste bedeutende Metaanalyse wurde 2003 anhand von 120 Studien durchgeführt. Sie zeigte schließlich, dass in der geimpften Gruppe gegenüber Placebo (Anwendung ohne Wirkstoffe) manche Nebenwirkungen wie Gelenkbeschwerden und thrombozytische Purpura auftraten, jedoch ein Zusammenhang mit Autismus, aseptischer Meningitis, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht bestand wie nachgewiesen wurde.

Auch eine 2012 veröffentlichte Metaanalyse mit 14.700.000 Kindern, darunter 27 Verlaufsstudien und 17 Fall-Kontroll-Studien bei insgesamt 58 Studien, fand keinen Zusammenhang zwischen KKK-Impfung und Autismus, Asthma, Leukämie, Typ1-Diabetes oder Morbus Crohn. Eine Metaanalyse von Taylor LE und Kollegen aus 2014 ergab zu den ersten 2 Studien parallele Ergebnisse und stellte fest, dass ein Zusammenhang zwischen Autismus und Impfungen nicht real ist.

Eine Studie von Greenberg und Kollegen zeigte, dass all diese wissenschaftlichen Tatsachen und belegten Daten nicht ausreichten, um die Zweifel von Familien zu beseitigen! Befragt wurden in Kanada Eltern mit Kindern unter 5 Jahren, insgesamt 150.000 Erziehungsberechtigte, zu ihrer Einstellung gegenüber Impfungen. Dabei hielten 92 Prozent die Impfungen für sicher, während 8 Prozent skeptisch waren. Bei der Untersuchung ihrer Gründe zeigte sich, dass 28 Prozent dieser Gruppe misstrauisch waren, weil sie glaubten, Impfungen verursachten Autismus.

Sowohl die Ergebnisse der Metaanalysen als auch neuere Studien zeigen, dass Zweifel, Impfungen könnten Autismus verursachen, unbegründet sind. Es zeigt sich sogar, dass aus diesen Ängsten unterlassene Impfungen die Häufigkeit impfpräventabler Erkrankungen und der dadurch verursachten Todesfälle erhöhen.

Thimerosal – Zusammenhang mit Impfungen

Nach der KKK-Impfung wird als weiterer beschuldigter Faktor Thimerosal genannt, ein quecksilberhaltiger Zusatzstoff, der eine Verunreinigung von Totimpfstoffen mit Mikroorganismen verhindert. Nach Veröffentlichungen gegen einen Zusammenhang zwischen KKK-Impfung und Autismus rückte es noch stärker in den Vordergrund. Als um 1998 Nebenwirkungen des in Impfstoffen enthaltenen Quecksilbers beobachtet wurden (autismusähnliche Wirkungen wie Reizbarkeit, Depression und Sehprobleme), reduzierten Impfstoffhersteller 1999 die Thimerosal-Dosis oder verwendeten ohne Thimerosal hergestellte Impfstoffe. Dies bot Vergleichsmöglichkeiten für Studien. Eine dieser Studien wurde 2007 in der angesehenen medizinischen Zeitschrift New English Journal of Medicine veröffentlicht. Ihr Ergebnis: Zwischen Kindern, die mit thimerosalhaltigen Impfstoffen geimpft wurden, und ungeimpften beziehungsweise mit thimerosalreduzierten Impfstoffen geimpften Kindern zeigte sich kein Unterschied bei der Autismusdiagnose!

Die Unsicherheit der Wissenschaftler entstand dadurch, dass Thimerosal Ethylquecksilber enthält und wegen seiner Ähnlichkeit mit Methylquecksilber unbekannt war, ob es dieselben Wirkungen wie eine Methylquecksilbervergiftung verursachen würde. Da Ethylquecksilber den Körper schneller verlässt, könnten seine Wirkungen jedoch anders sein. Aufgrund solcher und ähnlicher Zweifel wurde die Frage untersucht und die Forschungsergebnisse wurden sorgfältig ausgewertet. Nach den veröffentlichten Studien ließ sich kein Zusammenhang zwischen Thimerosal und Autismus feststellen.

Hunderte Studien und wissenschaftliche Veröffentlichungen zeigen, dass kein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus besteht.

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Quellen

1. Measles outbreak: Trump tells Americans to 'get their shots'
bbc.com, 26 April 2019

2. Gizem Sade
Türkiye'de zorunlu aşı gündemi: Avrupa'da aşı yaptırmayan ailelere para cezası var.
tr.euronews.com 28 Nisan 2019
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