Warum trifft Dickdarmkrebs (Kolon- und Rektumkrebs) junge Menschen?

Dickdarmkrebs gilt als häufige Erkrankung älterer Menschen. Heute trifft er jedoch zunehmend Menschen unter 50 Jahren, manchmal Jahrzehnte vor dem empfohlenen Alter für die erste Vorsorgekoloskopie.
Koloskopie bedeutet die Untersuchung des Dickdarms mit einem flexiblen Schlauch und kleiner Kamera. Durch häufigere Screenings einschließlich Koloskopie und Stuhltests sowie Überwachungsprogramme sinken Erkrankungs- und Sterberaten ab 50 Jahren. Unter 50 steigt die Darmkrebshäufigkeit in Industrieländern jedoch rasch; die Ursachen sind unbekannt.
Statistiken aus Amerika zeigen zwischen 1992-2005 jährlich eine Zunahme von kolorektalem Krebs je 100.000 junge Menschen um 1.5% bei Männern und 1.6% bei Frauen. Schon zwischen 1973-1999 nahmen bei jungen Menschen Kolonkrebs (17%) und Rektumkrebs (75%) zu.
Die hohe Sterblichkeit junger Darmkrebspatienten wird auf späte Diagnosen zurückgeführt. Eine Studie zeigte bei höchstens 50 Jahre alten Betroffenen, dass %86 bei Diagnose bereits symptomatisch waren, also Beschwerden und Zeichen hatten.
Die späte Diagnose bei jungen Erwachsenen ist besorgniserregend. Sie erkennen Symptome nicht immer, und Ärzte halten Darmkrebs bei ihnen für unwahrscheinlich, wodurch Behandlung verzögert werden kann. Bei etwa 15%-50% junger Fälle ist die erste Diagnose falsch. Forschung zu ihren besonderen Merkmalen und Aufklärung von Patienten und Ärzten sind deshalb wichtig.
Früher vermuteten Ärzte Darmkrebs bei jungen Erwachsenen besonders bei erblichen Zuständen wie Lynch-Syndrom . Heute weiß man, dass bei mehr als 75% junger Patienten keine familiär übertragene und keine erbliche Erkrankung vorliegt. Lynch-Syndrom betrifft eher Tumoren im rechten Kolon. Nicht erbliche Tumoren junger Erwachsener entstehen dagegen im linken Kolon und Rektum. Dies spricht für eine deutlich andere Biologie.
Fachleute zur besonderen Biologie jungen Darmkrebses betonen, dass nicht jeder Kolonkrebs gleich ist. Auch Tumoren desselben Organs haben eigene genetische Signaturen.
Zur Klärung dieser Vielfalt wurden genetische Profile von Tumoren bei etwa 5000 Patienten untersucht. Unterschiede bei jungen und alten Patienten wurden getrennt beschrieben. Die Ergebnisse stehen aus.
Neben bekannten Faktoren suchen Fachleute weitere Ursachen des frühen Anstiegs. Epidemiologische Daten Erwachsener unter 50 zeigen bestimmte Trends. In den letzten 30 Jahren nahmen bei jungen Menschen Adipositas und Diabetes parallel zur Darmkrebsrate derselben Altersgruppe zu. Ob beide tatsächlich ursächlich sind, muss untersucht werden; der parallele Anstieg ist aber nicht zu ignorieren.
Auch mehr süße Getränke und gleichzeitig weniger Milchprodukte mit schützendem Kalzium könnten beitragen. Achtsame gesunde Ernährung junger Erwachsener wird deshalb nicht nur Diabetes-, sondern auch Darmkrebsrisiken senken.
Quellen
Cynthia J. Gordon, PhD. January 20, 2016
https://www.medscape.com/
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