Was ist Divertikulitis? Besteht ein Zusammenhang mit Dickdarmkrebs?

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Divertikel sind Ausstülpungen der Wand des Verdauungssystems. Sie können überall auftreten, entstehen jedoch am häufigsten im Dickdarm und verursachen meist keine Beschwerden. Problematisch wird eine Entzündung dieser Taschen, die Divertikulitis. Bei ungefähr %4 der Patienten können dadurch Perforationen, Abszesse und Fisteln als unerwünschte Verbindungen entstehen. Neben möglichen Gefahren verursachen Diagnose und Behandlung auch wirtschaftliche Belastungen.
Die genaue Ursache ist unbekannt; vermutet werden zahlreiche Faktoren: NSAI (nichtsteroidale Entzündungshemmer) als Medikamente, Bewegungsmangel, Adipositas, Rauchen und möglicherweise besonders die Ernährung. In einer Studie kamen Veganer und Vegetarier im Vergleich zu Fleischessern %31 seltener wegen Divertikulitis ins Krankenhaus. Ist Ernährung, insbesondere Fleischkonsum, ein Risikofaktor? Die Ergebnisse sind schlechte Nachrichten für Menschen mit viel rotem Fleisch: Laut einer in Gut veröffentlichten Studie erhöht hoher Verzehr das Entzündungsrisiko um %58.
Die Studie bewertete die Ernährung von 40-75 Jahre alten Männern, insgesamt 46.500, über 26 Jahre. Wöchentlich wurden verarbeitetes und unverarbeitetes rotes Fleisch, Geflügel und Fisch erfasst. Bei 764 Männern trat Divertikulitis auf. Am häufigsten wurde sie bei 6 Portionen rotem Fleisch pro Woche beobachtet; pro Portion stieg das Risiko um %18. Besonders unverarbeitetes Fleisch, also nicht geräuchertes oder gesalzenes, wurde verantwortlich gemacht. Hoher Geflügel- oder Fischverzehr zeigte dagegen keinen Zusammenhang. Eine tägliche Portion rotes Fleisch durch Huhn, Pute oder Fisch zu ersetzen, senkte das Risiko um %20.
Wie könnte rotes Fleisch Divertikulitis verursachen?
Es gibt mehrere Theorien. Erstens erhöht rotes Fleisch entzündliche Blutstoffe wie C-reaktives Protein und Ferritin. Entstehung und Chronifizierung von Entzündung spielen sowohl bei Divertikulitis als auch bei Krebs eine Rolle. Dabei können freie Radikale entstehen, die DNA schädigen. Der Zusammenhang zwischen verarbeitetem rotem Fleisch wie Sucuk, Salami und Würstchen und kolorektalem Krebs ist bereits bekannt.
Auch Divertikulitis muss hinsichtlich möglicher Krebsentstehung untersucht werden. Bei anderen Krankheiten mit zentraler Entzündungsrolle wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes sollte ebenfalls auf den Verzehr roten Fleisches geachtet werden.
Zweitens wird die Darmflora, die Mikrobiota, beeinflusst. Eine Veränderung der Mikrobiotabeeinträchtigt die Darmwandintegrität und verändert die Immunantwort. Die Mikrobiota erfüllt wichtige Aufgaben und gilt sogar als Organ. Ihre Veränderung wird mit Divertikulitis und sogar Darmkrebs verbunden.
Wie erwähnt ist unverarbeitetes Fleisch stärker mit Divertikulitis verbunden. Zudem wird Fleisch oft bei großer Hitze gebraten oder gegrillt, wobei schädliche Stoffe entstehen. Dies kann Mikrobiota beeinflussen und Entzündung steigern. Um Fleisch möglichst günstig zu nutzen, sollten gesunde Garmethoden gewählt werden.
Bei den Faktoren der Divertikelentstehung finden wir Ähnlichkeiten zur Entstehung von kolorektalem Krebs : Fleischkonsum, ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen. Änderungen dieser Lebensgewohnheiten können sowohl Divertikulitis als auch Darmkrebs vorbeugen. Selbst wenn Divertikel harmlos erscheinen, können ohne Vorsichtsmaßnahmen unerwünschte Folgen entstehen.
Quellen
Meat intake and risk of diverticulitis among men.
Gut. 2017 Jan 9. pii: gutjnl-2016-313082.
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