Was ist Homöopathie? Hat sie einen Platz in der Krebsbehandlung?

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Homöopathie gehört zu den beliebtesten Methoden der komplementären und alternativen Medizin. Sie wurde vor etwa 200 Jahren vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann entdeckt und zählt inzwischen in Europa und Amerika zu den bei Krebspatienten am häufigsten verwendeten komplementären und alternativen Methoden. Grundlage ist das Prinzip «Ähnliches heilt Ähnliches»: Wiederholt verdünnte homöopathische Arzneimittel werden bei Kranken eingesetzt, deren Beschwerden den Symptomen entsprechen, die diese Mittel bei gesunden Menschen hervorrufen.
Es wird angenommen, dass dabei die Selbstheilungsfähigkeit des Körpers aktiviert wird. Bisherige klinische Studien lieferten keine überzeugenden Belege für den Einsatz der Homöopathie bei irgendeinem Gesundheitszustand. Auch die meisten Studien mit positiven Ergebnissen haben methodische Mängel. Zudem wird die Methode als harmlos bezeichnet, weil die Wirkstoffe homöopathischer Produkte stark verdünnt sind. Ausreichend verdünnte Produkte sind abgesehen von seltenen, nicht schwerwiegenden Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen tatsächlich wie behauptet harmlos. Untersuchungen zeigen jedoch, dass auch unzureichend verdünnte Produkte mit hohen Wirkstoffkonzentrationen auf dem Markt sind. Angesichts dieser Gefahr lässt sich die Methode schwerlich als völlig harmlos bezeichnen.
Was ist Homöopathie?
Homöopathie ist eine komplementäre und alternative Methode, bei der Produkte aus stark verdünnten pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Bestandteilen zur Behebung bestimmter körperlicher Störungen eingesetzt werden. Die vor etwa 200 Jahren vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755–1843) entwickelte Methode verbreitete sich rasch in Europa und Amerika. Gegenwärtig gehört sie zu den 10 von Krebspatienten am häufigsten verwendeten alternativen Methoden. Laut der amerikanischen nationalen Gesundheitsbefragung 2012 nutzen jährlich etwa 5 Millionen Erwachsene und 1 Million Kinder homöopathische Produkte. Der Vergleich mit den Befragungen von 2002 und 2007 zeigt eine jährliche Zunahme. Eine weitere, 2016 veröffentlichte nationale Befragung berichtete, dass %2,1 der amerikanischen Erwachsenen im vergangenen Jahr solche Produkte verwendet hatten.
Der Begriff Homöopathie stammt von den griechischen Wörtern homoios (ähnlich) und pathos (Leiden). Diese Bezeichnung spiegelt das Grundprinzip «Ähnliches heilt Ähnliches» wider. Danach werden homöopathische Arzneimittel, deren Wirkungen zuvor an gesunden Freiwilligen geprüft wurden, bei Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen eingesetzt, wie sie das Mittel hervorruft. Auf diese Weise soll die Selbstheilungsfähigkeit des Organismus aktiviert werden.
Wie entstand sie und wie wird sie angewendet?
Einigen Quellen zufolge wurde Homöopathie bereits um 400 v. Chr. von Hippokrates angewendet. Angeblich setzte er Alraunenwurzel, deren hohe Dosen Manie (manisch-depressive Störung = psychiatrische Erkrankung) auslösen sollen, in niedrigen Dosen zur Behandlung von Manie ein. In ihrer heutigen Form wurde die Methode jedoch vor etwa 200 Jahren vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755–1843) entwickelt. Als Dr. Hahnemann 1789 das Malariamittel Chinin an sich selbst erprobte, beobachtete er Malariasymptome. Er setzte ähnliche Versuche an Menschen seines Umfelds fort und formulierte die grundlegende These «Ähnliches heilt Ähnliches». Als Beispiel führte er die Pockenimpfung zur Vorbeugung gegen Pocken an. Spätere Untersuchungen zeigten allerdings, dass Chinins Wirkmechanismus bei Malaria nichts mit seiner Behauptung zu tun hat: Es behandelt Malaria durch Abtötung des Parasiten Plasmodium falciparum. Aus seinen Versuchen und Beobachtungen leitete Hahnemann 4 Grundsätze ab, die bis heute die Homöopathie prägen:
- Ein Arzneimittel bewirkt Heilung, wenn es einem Kranken verdünnt verabreicht wird, der die Symptome aufweist, die das Mittel bei einem gesunden Menschen hervorruft. (Ähnliches heilt Ähnliches.)
- Homöopathische Arzneimittel werden vor ihrer Einführung an gesunden Menschen erprobt.
- Bei homöopathischen Produkten ist der Einsatz eines einzelnen Mittels am geeignetsten.
- Das Mittel wird potenziert, damit der Wirkstoffanteil minimal ist. (Es wird wiederholt verdünnt und geschüttelt.) Durch Potenzierung soll seine Wirkung zunehmen. Hahnemann glaubte, dass dieser Vorgang die geistartige Kraft der Substanz freisetzt, ihre Wirkung steigert und zugleich schädliche Wirkungen beseitigt. Er beschrieb die Grundsätze der Technik in seinem 1810 veröffentlichten Buch «The Organon of the Healing Art».
Homöopathie gewann besonders im 19. Jahrhundert an Popularität, weil bei Epidemien in homöopathischen Krankenhäusern geringere Sterberaten auftraten. Obwohl sie durch die Fortschritte der modernen Medizin im 20. Jahrhundert in den Hintergrund trat, gewann sie Ende des 20. und im 21. Jahrhundert erneut an Beliebtheit.
Die homöopathische Patientenbeurteilung besteht aus 4 Komponenten: Anamnese, Patientenanalyse zur Bestimmung des Themas, Zuordnung der Beschwerden zu Themen und Auswahl des passenden Mittels. Dabei wird der Patient ganzheitlich unter Berücksichtigung körperlicher, emotionaler, umweltbezogener und gesundheitlicher Umstände beurteilt.
Welche Ergebnisse liefern Studien über die Wirkungen der Homöopathie?
Die Literatur enthält zahlreiche Studien zur Homöopathie bei Krebs und anderen Erkrankungen. Viele ergaben negative, manche aber auch positive Ergebnisse. Allerdings weisen auch diese meist methodische Mängel auf. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat homöopathische Arzneimittel reguliert, ihre Wirksamkeit und Sicherheit jedoch nicht bewertet. Im Februar 2010 veröffentlichte der britische Wissenschafts- und Technologieausschuss (UK Science and Technology Committee) nach Analyse klinischer Unterlagen und Expertenmeinungen einen Bericht: Es gebe keine ausreichenden Belege für eine bedeutende Wirkung über Placebo hinaus. Wegen der zunehmenden Anwendung in Entwicklungsländern, besonders bei Malaria, AIDS, Tuberkulose, Durchfall und Grippe, warnte auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass Homöopathie bei der Behandlung dieser fünf Gesundheitsprobleme keinen Platz habe.
2012 bewertete der australische Nationale Rat für Gesundheit und medizinische Forschung umfassend die Wirksamkeitsnachweise der Homöopathie und veröffentlichte einen Bericht. Die Auswertung ergab keine zuverlässigen Belege für ihre Anwendung bei irgendeinem Gesundheitsproblem. Sie solle bei keinen chronischen, schweren oder potenziell schweren Gesundheitsproblemen eingesetzt werden. Wer sie dennoch anwende, solle bestehende Behandlungen mit nachgewiesener Sicherheit und Wirksamkeit weder aufgeben noch unterbrechen.
Eine 1997 im Lancet veröffentlichte Metaanalyse von 89 Studien kam zu dem Schluss, dass ausreichende Daten zur Wirksamkeit bei irgendeinem Gesundheitszustand fehlen. Eine weitere Lancet-Metaanalyse von 2005 bewertete 105 klinische Studien und stützte die Auffassung, dass die Wirkungen auf Placebo beruhen (Placebo = heilende Wirkung einer eigentlich unwirksamen Substanz durch den Glauben, dass sie hilft). Auch eine 2000 veröffentlichte Metaanalyse fand keine ausreichenden Belege für eine Überlegenheit gegenüber Placebo. Eine Metaanalyse zur Gestaltung von 89 klinischen Homöopathiestudien stellte fest, dass Studien mit positiven Ergebnissen methodisch mangelhafter waren. Ihre positiven Ergebnisse könnten somit überwiegend durch unzureichende Studiengestaltung entstanden sein.
Auch Übersichtsarbeiten empfehlen Homöopathie im Allgemeinen bei keinem Gesundheitszustand. In vielen Übersichten war ihre Wirksamkeit wiederum nicht besser als Placebo. Eine 2006 veröffentlichte systematische Übersicht bewertete 6 klinische Studien bei Krebspatienten und fand keine ausreichenden Daten für ihre alleinige oder unterstützende Anwendung. Eine Übersicht zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen kam zu ähnlichen Ergebnissen. Eine weitere Übersicht über physikalische Experimente mit homöopathischen Mitteln fand bei den meisten Versuchen unzureichende Kontrollen oder andere schwerwiegende Fehler.
Eine 2003 veröffentlichte klinische Studie prüfte, ob das homöopathische Mittel Belladonna bei Gesunden tatsächlich die behaupteten spezifischen Symptome hervorruft. Dafür wurden 253 Gesunde in 2 Gruppen aufgeteilt: Eine erhielt Belladonna in ultramolekularer Dosierung, die andere Placebo. Zwischen den Gruppen zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Eine 2012 veröffentlichte klinische Studie mit 431 Patientinnen mit frühem Brustkrebs zeigte ebenfalls, dass das homöopathische Mittel Cocculine zusätzlich zu üblichen Antiemetika nicht half, chemotherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen zu verringern.
Es gibt auch Studien, die positive Wirkungen zeigen, doch die meisten weisen methodische Mängel auf. Eine 2010 veröffentlichte Beobachtungsstudie fand weniger Erschöpfungsbeschwerden bei zusätzlicher Homöopathie neben konventioneller Krebsbehandlung. In einer Untersuchung mit 25 nach Operation bestrahlten Brustkrebspatientinnen mit Juckreiz im Bestrahlungsgebiet besserten sich die Beschwerden bei 21. Eine weitere klinische Studie mit 66 nach Operation bestrahlten Brustkrebspatientinnen ergab einen Nutzen bei Strahlendermatitis. In einer anderen Studie wurde bei 83 nach abgeschlossener Behandlung geheilten Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte eine Mischung aus 3 homöopathischen Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden geprüft. Hitzewallungen wurden nicht signifikant verändert, der allgemeine Gesundheitszustand aber etwas positiv beeinflusst. Eine ähnliche Studie mit 53 vergleichbaren Patientinnen zeigte dagegen keinen signifikanten Unterschied.
Eine 2004 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte klinische Studie teilte 254 nach Operation bestrahlte Brustkrebspatientinnen in 2 Gruppen: Eine erhielt Trolamin, die andere das homöopathische Mittel Calendula. Calendula verhinderte akute Dermatitis wirksamer. Eine weitere klinische Studie von 2015 mit 373 Krebspatienten beobachtete eine verbesserte Lebensqualität durch zusätzliche Homöopathie neben konventioneller Behandlung.
Ist Homöopathie sicher?
Homöopathische Arzneimittel entstehen meist durch wiederholtes Verdünnen pflanzlicher, tierischer oder mineralischer Bestandteile mit alkoholhaltigem Wasser. Obwohl die Bestandteile gewöhnlich bis zu vermeintlich ungefährlichen Konzentrationen verdünnt werden, wurden in manchen Produkten giftige Stoffe festgestellt. Bei 2 Anwendern eines arsenhaltigen Mittels entwickelte sich Melanose (dunkle Hautverfärbung durch übermäßige Pigmentansammlung im Gewebe), bei 1 Fall eine Quadriparese (Muskelschwäche beider Arme und Beine). Eine Studie maß giftige Metalle und Halbmetalle in kroatischen Produkten. Meist lagen sie unter den Grenzwerten, manche Produkte enthielten jedoch gefährliche Mengen. In einem weiteren veröffentlichten Fall führte übermäßige Anwendung des Mittels «Lycopodium similiaplex» zu akuter Hepatitis.
Ein WHO-Bericht, an dem Fachleute aus 105 Ländern, insgesamt 400 Personen, mitwirkten, bezeichnet korrekt hergestellte homöopathische Produkte als allgemein sicher. Hohe Wirkstoffkonzentrationen unzureichend verdünnter Produkte könnten jedoch Nebenwirkungen verursachen. Eine 2012 veröffentlichte systematische Übersicht berichtete über allergische Reaktionen und Vergiftungen durch homöopathische Arzneimittel. Neben direkten Wirkungen können sie auch indirekt schaden, indem bestehende Hauptbehandlungen unzureichend durchgeführt werden.
Was sollte man also tun?
Bisherige klinische Studien haben keine überzeugenden Belege für den Einsatz der Homöopathie bei irgendeinem Gesundheitszustand geliefert. Manche Studien zeigten positive Wirkungen, die bei vielen jedoch nicht über Placebo hinausgingen. Die meisten Studien mit einer Überlegenheit gegenüber Placebo weisen methodische Fehler auf. Richtig hergestellte homöopathische Arzneimittel verursachen wegen ihrer starken Verdünnung keine wesentlichen Nebenwirkungen. Einige als homöopathisch angebotene Produkte können jedoch unzureichend verdünnt sein, erhebliche Wirkstoffmengen enthalten und Nebenwirkungen hervorrufen. Eine weitere wichtige Gefahr ist, dass Betroffene ihre bestehende Hauptbehandlung aufgeben oder unterbrechen. Angesichts der derzeitigen Belege ist es daher sinnvoll, vorerst von dieser Behandlung Abstand zu nehmen.
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