Wichtige Entdeckung einer türkischen Wissenschaftlerin zur Tumormikroumgebung: Krebszellen wachsen in steifem Gewebe schneller

Die Tumormikroumgebung gehört zu den wichtigsten Faktoren, die Krebsentwicklung fördern. In letzter Zeit wurde ihre Rolle bei der Arzneimittelresistenz bei Krebs, bei der Metastasierungund bei der Bildung neuer Blutgefäßeuntersucht. Im Mai 2018 wurde in Biomaterialseine Studie veröffentlicht, die anhand eines 3D-Gewebemodells zeigte, dass steifes Brustgewebe ein günstiges Umfeld für die Krebsentwicklung schafft.
Die Untersuchung wurde von einem Team unter Leitung der türkischen Wissenschaftlerin an der University of Notre Dame, Pınar Zorlutuna,durchgeführt. Krebszellen schaffen bekanntlich ein geeignetes Umfeld, um sich zu vermehren und zu metastasieren. Dieses Umfeld heißt Tumormikroumgebung und gehört zu den intensiv untersuchten Krebsthemen. Hier wurde die Beziehung zwischen Brustkrebszellen und Bindegewebe untersucht. Dafür entstand ein möglichst realitätsnahes menschliches 3D-Gewebemodell (3-dimensional). Sein Vorteil ist, sowohl gesunde als auch krebsartige Gewebestrukturen nachzuahmen und im Labor untersuchbar zu machen.
Den Ergebnissen zufolge:
- Fettzellen im Brustgewebe und die Gewebesteifigkeit fördern die Krebsentstehung. Fettzellen, Kollagen und Epithelzellen bilden die Mikroumgebung der Brust. Krebs beginnt meist in der Umgebung von Epithelzellen. Frühere Untersuchungen zeigten Unterschiede der Steifigkeit zwischen Krebs- und gesundem Gewebe. Diese Studie entdeckte, dass steifes Gewebe eine tumorwachstumsfördernde Mikroumgebung schafft und Krebszellen ermöglicht, gesunde Zellen zu verändern.
Was bedeutet diese Studie für uns?
- Mit gewebetechnisch entwickelten 3-dimensionalen Krebsmodellen wurde eine möglichst realitätsnahe Tumormikroumgebung erzeugt.
- Ähnliche Studien zur Tumormikroumgebung nutzten bisher meist Tiermodelle. Diese geben die Realität jedoch nicht wieder: Gewebemikroumgebung und Immunsystem von Mäusen unterscheiden sich stark von denen des Menschen. Dies verursacht auch große Probleme bei der Arzneimittelentwicklung. Die meisten in Mausmodellen erfolgreichen Medikamente wirken in klinischen Studien am Menschen nicht.
- Gewebetechnisch entwickelte Krebsmodelle könnten die Arzneimittelentdeckung stark voranbringen. Werden tatsächliche menschliche Gewebe darin nachgebildet, lässt sich die Wirksamkeit klarer bestimmen.
- Die Tumormikroumgebung ist ein wichtiger Faktor der Krebsentwicklung. Immuntherapie -Medikamente erreichen bei vielen soliden (Organ-)Tumoren nicht die gewünschte Wirksamkeit, weil tumorassoziierte Zellen in der Mikroumgebung das Immunsystem unterdrücken. Diese Modelle könnten die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen solche Zellen ermöglichen.
Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen tragen weiterhin mit neuen Entdeckungen zur Krebsbekämpfung bei. Wir gratulieren unserer geschätzten Wissenschaftlerin Pınar Zorlutuna zu ihrer erfolgreichen Arbeit und wünschen weiterhin viel Erfolg.
Quellen
Stromal cell-laden 3D hydrogel microwell arrays as tumor microenvironment model for studying stiffness dependent stromal cell-cancer interactions.
Biomaterials, 2018.
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