Achtsamkeitsbasierte Kunsttherapie und ihre Anwendung in der Krebsbehandlung

In diesem Artikel
Achtsamkeitsbasierte Kunsttherapie unterstützt ein positives Ansprechen auf die Krebsbehandlung erheblich. Diagnose und Therapie sind mit körperlichen und emotionalen Stressstörungen verbunden. Solcher übermäßige Stress kann chronische Überaktivität verursachen und Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Verhalten, Gefühle und Gedanken beeinträchtigen. Untersuchungen zeigen, dass diese Therapie durch gezieltes Angehen des Stresses während der Krebsbehandlung die Genesung unterstützt.
Achtsamkeitsbasierte Kunsttherapie fördert Konzentration, psychisches Wohlbefinden und Immunsystem
Die Methode wurde zunächst von Jon Kabat-Zinn am Medizinischen Zentrum der University of Massachusetts entwickelt. Parallel wurden am Joan Karnell Cancer Center des Pennsylvania Hospital verschiedene Arbeiten mit Patienten durchgeführt, um durch Innen- und Außenaufnahmen, Materialien der bildenden Kunst und Collagetechniken die Alltagsachtsamkeit zu wecken und zu entwickeln. Dabei verbesserten sich psychische Selbststeuerung, Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, positive psychische Verfassung und Immunfunktionen.
Beispielsweise wurde in einer Untersuchung des US-amerikanischen National Institutes of Health eine Frauengruppe mit 7 verschiedenen Krebsdiagnosen über 8 Wochen begleitet und sämtliche Entwicklungen dokumentiert. Die Stressstörungen besserten sich deutlich; auch körperliche Gesundheit und Lebensqualität wurden positiv beeinflusst. Eine spätere Datenanalyse zeigte gegenüber der unbehandelten Kontrollgruppe einen deutlich zunehmenden Unterschied. Auch Studien an Männergruppen ergaben insbesondere bei Prostatakrebspatienten erhebliche positive Veränderungen.
Als Kunstmaterialien sollten Buntstifte, Pastellfarben, Filzstifte, Wasserfarben, Marker und Papier, verschiedene Papiersorten, Klebstoff, Schere, Watte, Ton, Naturmaterialien wie trockene Blätter, verschiedene Größen, Pinsel und ausgewählte Fotos vorbereitet werden. Eine Anwendungstechnik lässt sich so beschreiben: Der Patient wählt einige Materialien aus und gestaltet auf einem kleinen Blatt rasch expressive Formen. Diese können nach eigener Wahl abstrakt oder gegenständlich sein. Ein wichtiges Detail darf dabei nicht übersehen werden: Der Patient soll nicht unter dem Druck stehen, schön zeichnen oder ein bestimmtes Bild nachahmen zu müssen. Während der kurzen, schnellen Arbeit notiert er körperliche und emotionale Veränderungen und Empfindungen. Zur Förderung der Achtsamkeit soll er sich besonders auf seine Sinne konzentrieren.
Die Übungen sprechen verschiedene Sinne an: Farbgeruch, Papierstruktur, Zeichengeräusche sowie Unterschiede in Farbton und Glanz
Die gemeinsame Verwendung verschiedener Materialien bereichert die Sitzung. Der Patient soll seine Erfahrungen im gesamten Prozess mündlich, schriftlich oder bildlich ausdrücken. Die Arbeit ähnelt einer Meditationssitzung, enthält zusätzlich aber Ausdruck und Mitteilung. So lassen sich schneller gesunde Ergebnisse erzielen.
Achtsamkeits- (mindfulness) basierte Kunsttherapie sollte für positive Ergebnisse regelmäßig und mit einem Kunsttherapeuten durchgeführt werden. Patienten können jedoch einen kleinen Versuch zur Selbstmotivation allein unternehmen; Kinder unbedingt in Begleitung eines Erwachsenen. Schon eine kleine dreidimensionale Figur aus einfarbiger Knetmasse spricht viele Sinne an, aktiviert unterschiedliche Gehirnbereiche und verbessert das Befinden. Denken wir daran: Kunst selbst ist eine Form von Therapie.
Quellen
Mindfulness and the Arts Therapies. Theory and practice. 2014
2. Bultz, BD and Carlson L,E.
"Emotional distress: the sixth vital sign- future directions in cancer care"
Psycho-Oncology. 2006
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