Auch HIV-positive Krebspatienten profitieren von Immuntherapie

Ein wichtiger Bereich medizinischer Fortschritte in den letzten Jahren ist die Immuntherapie. Sie soll Krebs mithilfe des körpereigenen Immunsystems behandeln. Aus klinischen Studien zur Immuntherapie wurden HIV-positive Patienten jedoch meist ausgeschlossen, weil man befürchtete, sie könnten anfälliger für immunbedingte Nebenwirkungen sein. Neue Untersuchungen zeigen nun, dass auch HIV-positive Patienten von einer Immuntherapie profitieren können.
HIV (Humanes Immundefizienzvirus) schwächt das menschliche Immunsystem und kann im Laufe der Zeit zu AIDS, dem erworbenen Immundefektsyndrom, führen. Zwar gibt es keine endgültige Heilung von HIV, doch eine als antiretrovirale Therapie (ART) bezeichnete Medikamentenkombination kann die Vermehrung des Virus im Körper stoppen und HIV-positiven Menschen ein langes und gesundes Leben ermöglichen. Mit Stand 2023 können diese Behandlungen das Virus nicht vollständig beseitigen, bieten aber wirksame Strategien zur Verhinderung einer Übertragung und zur Verbesserung der Lebensqualität (siehe Was sind HIV und AIDS? Verursacht AIDS Krebs?).
Von den in den Jahren 2019 und 2020 durchgeführten klinischen Krebsstudien mit Immuntherapie schlossen 74% HIV-positive Menschen nicht ein. Eine neue Studie zeigte jedoch, dass Immuntherapie bei HIV-positiven Patienten sicher und wirksam sein kann. Sie umfasste eine retrospektive, also rückblickende Analyse von 390 HIV-positiven Patienten mit 10 verschiedenen Krebsarten sowie unterschiedlichen Zahlen CD4-positiver T-Zellen und unterschiedlichen HIV-Viruslasten.
Der primäre Endpunkt der Studie war die Gesamtüberlebensrate. Zu den sekundären Endpunkten gehörten immunbedingte Nebenwirkungen und das krankheitsfreie Überleben. Die Forscher stellten fest, dass bei HIV-positiven Patienten immunbedingte Nebenwirkungen in gleicher Häufigkeit und ähnlicher Form wie bei anderen Patienten auftraten. Zudem stützten diese Ergebnisse die Auffassung, dass es bei der Anwendung von Immuntherapie für HIV-positive Patienten keine willkürliche Grenze für die CD4-Zellzahl geben sollte.
Die neuen Erkenntnisse sprechen dafür, HIV-positive Patienten in klinische Studien mit Immuntherapie einzuschließen. Die Forscher räumen jedoch auch Einschränkungen ein, darunter eine begrenzte Möglichkeit zur Verfolgung von Veränderungen der HIV-Viruslast und fehlende Daten zu bestimmten tumorspezifischen Biomarkern.
Die HIV-Viruslast bezeichnet die Zahl der HIV-Kopien im Blut eines Menschen und wird gewöhnlich in Kopien pro Milliliter gemessen. Ihre Überwachung ist wichtig, um die Wirksamkeit der antiretroviralen Therapie (ART) zu beurteilen und den Verlauf der HIV-Infektion zu verfolgen. Eine niedrige Viruslast kann darauf hinweisen, dass die Behandlung wirkt und HIV das Immunsystem weniger schädigt.
Diese Erkenntnisse könnten HIV-positiven Patienten mit unterschiedlichen Krebsarten bessere Behandlungsmöglichkeiten und mehr Lebensqualität eröffnen. Für einen formalen Vergleich mit allgemeinen Patientengruppen sind jedoch weitere Untersuchungen mit großen, entsprechend abgeglichenen Gruppen HIV-positiver Patienten und Patienten mit anderen Krebsarten erforderlich.
Zusammenfassend unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung multidisziplinärer Versorgung und weiterer Forschung, um die Rolle des Immunsystems für die Behandlungsergebnisse von Menschen mit HIV und Krebs besser zu verstehen. Neue, vielversprechende Erkenntnisse könnten eine wirksamere Anwendung der Immuntherapie bei HIV-positiven Krebspatienten ermöglichen. Die wichtigen Arbeiten zur Verbesserung ihres Lebens dauern an, und wir hoffen auf weitere Fortschritte.
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