Ist eine Krebsimmuntherapie in der Schwangerschaft sicher?

In diesem Artikel
Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) sind eine Form der Immuntherapie und gehören zu den Behandlungen, die die Krebstherapie in den vergangenen Jahren revolutioniert haben. Sie machen das körpereigene Immunsystem gegen Krebszellen wirksamer und haben bei vielen Krebsarten wichtige Erfolge erzielt. Im weiteren Text wird anstelle von „Immuncheckpoint-Inhibitor“ verkürzt von „Immuntherapie“ gesprochen.
Wie jede neue Behandlung bergen auch diese Immuntherapien mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Besonders in empfindlichen Phasen wie einer Schwangerschaft bestehen erhebliche Sicherheitsbedenken. Die Auswirkungen auf Feten und Neugeborene bei Anwendung während der Schwangerschaft sind noch nicht vollständig geklärt und werden fortlaufend untersucht. Eine neue, bemerkenswerte französische Studie sollte mögliche Risiken und die Sicherheit einer Immuntherapie in der Schwangerschaft bewerten und lieferte wichtige zusätzliche Erkenntnisse.
Frühere Bedenken, neue Erkenntnisse
Bisher wurde eine Immuntherapie während der Schwangerschaft wegen unzureichender Sicherheitsdaten nicht empfohlen. Diese wegweisende französische Auswertung der Pharmakovigilanzdatenbank der Weltgesundheitsorganisation zeigte jedoch, dass eine alleinige Immuntherapie im Vergleich zu anderen Krebsmedikamenten keine ungünstigen Auswirkungen auf Schwangerschaft, Fetus oder Neugeborenes hatte. Bei der Kombination zweier unterschiedlicher Immuntherapien wurde dagegen ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko beobachtet.
Einzelheiten der Studie
Diese Kohortenstudie sollte das Risiko ungünstiger Schwangerschafts-, fetaler und/oder neonataler Ergebnisse unter Immuntherapien mit dem unter anderen Krebsmedikamenten vergleichen.
Immuntherapien aus der Klasse der Checkpoint-Inhibitoren blockieren drei Proteinziele auf Immunzellen: Programmed Cell Death 1 (PD1) oder dessen Liganden oder das zytotoxische T-Lymphozyten-assoziierte Protein 4 (CTLA4).
Bis zum 26. Juni 2022 hatte die WHO-Pharmakovigilanzdatenbank VigiBase, die mehr als 130 Länder abdeckt, 45 Arten ungünstiger mütterlich-fetaler und neonataler Ergebnisse erfasst. Fallberichte zu unerwünschten Ereignissen unter Immuntherapie wurden mit Nichtfallberichten von Frauen verglichen, die während der Schwangerschaft anderen Krebsbehandlungen ausgesetzt waren. Dazu wurde eine Fall-Nichtfall-Disproportionalitätsanalyse verwendet. Dieses Verfahren hilft, mögliche Risiken einer Immuntherapie besser zu verstehen.
Ergebnisse
- Die Analyse verglich 91 Fallberichte im Zusammenhang mit Immuntherapien mit 3467 Berichten zu anderen Krebsmedikamenten.
- Ein großer Teil dieser 91 Immuntherapiefälle stand insbesondere mit Brustkrebs (30,1%) und chronischer myeloischer Leukämie (26,9%) in Zusammenhang.
- Bei alleiniger Immuntherapie wurde gegenüber anderen Krebsmedikamenten keine Zunahme mütterlich-fetaler unerwünschter Ereignisse beobachtet.
- Bei einer Kombination der beiden Immuntherapien Anti-PD1 und Anti-CTLA4 war die Frühgeburtsrate fast 14-mal höher als unter anderen Krebsmedikamenten.
- Zudem wurden drei Fallberichte mit immunbedingten mütterlich-fetalen Ereignissen in Verbindung gebracht:
- Eine spontane Fehlgeburt bei einer Mutter mit Antiphospholipid-Syndrom,
- Atemnotsyndrom und Tod eines Neugeborenen infolge einer Pneumonie sowie
- Fälle einer vorübergehenden angeborenen Schilddrüsenunterfunktion.
Insgesamt legt die Studie nahe, dass eine Immuntherapie während der Schwangerschaft besser verträglich sein könnte als bislang angenommen. Wegen möglicher seltener immunbedingter unerwünschter Ereignisse bei Neugeborenen sollten Schwangere bestimmte Verfahren, insbesondere Kombinationen aus Anti-PD1 und Anti-CTLA4, jedoch möglichst vermeiden. Die potenziellen Risiken solcher Therapien können gerade in besonders empfindlichen Gruppen schwerwiegende Folgen haben.
Quellen
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