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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Die Bedeutung genetischer und genomischer Tests für alle Krebspatienten

Die Bedeutung genetischer und genomischer Tests für alle Krebspatienten

Genetische und genomische Tests spielen bei Krebs eine wichtige Rolle, indem sie Ärzten mehr und wirksamere Behandlungsoptionen ermöglichen, die auf den Patienten und seinen Tumor zugeschnitten sind. Infrastruktur- und Finanzierungsprobleme erschweren jedoch den Zugang zu diesen Behandlungen und ihre Umsetzung, insbesondere in Regionen mit knappen Ressourcen. Auf dem ASCO-Kongress 2023 werden einige besonders beachtete Vorträge die Stärken und Schwächen genetischer und genomischer Krebstests behandeln.

Genetische und genomische Tests beruhen zwar beide auf einer Untersuchung der DNA, liefern jedoch unterschiedliche Informationen und werden für verschiedene Zwecke eingesetzt.

Genetische Tests konzentrieren sich meist auf die Untersuchung bestimmter Gene oder Genabschnitte. Sie werden gewöhnlich verwendet, um das Vorliegen einer bestimmten Krankheit, ein Erkrankungsrisiko oder den Trägerstatus einer genetischen Erkrankung festzustellen. Häufig dienen sie dem Nachweis von Mutationen oder Varianten in bestimmten Genen oder Genabschnitten bei genetischen Erkrankungen.

Genomische Tests untersuchen dagegen meist einen größeren Teil der Erbinformation, häufig das gesamte Genom, also das gesamte genetische Material eines Organismus, oder große genetische Regionen. Sie werden verwendet, um Beziehungen zwischen Genen, deren Funktionsweise sowie das Zusammenwirken von Genen und Umwelt zu untersuchen. In der Krebsbehandlung sind genomische Tests besonders wichtig geworden, da sich anhand der genetischen und genomischen Tumorprofile die am besten geeigneten Behandlungen für bestimmte Krebsarten ermitteln lassen.

Zusammenfassend konzentrieren sich genetische Tests gewöhnlich auf bestimmte Gene oder Genabschnitte. Genomische Tests betrachten dagegen einen größeren Teil der Erbinformation und dienen der Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Genen. Beide Testarten spielen bei der Diagnose und Behandlung genetischer Erkrankungen sowie bei der Frage, wie genetische und genomische Informationen genutzt werden können, eine wichtige Rolle.

Die Bedeutung genetischer und genomischer Tests in der Krebsbehandlung hat rasch zugenommen. Sie haben besonders bei fortgeschrittenen Erkrankungen und zunehmend auch bei Früherkennungsuntersuchungen, früher Diagnosestellung und Risikoverringerung zu wichtigen Fortschritten geführt. Deshalb ist beispielsweise ihre Rolle als Standardverfahren bei Prostatakrebs in den Vordergrund gerückt.

Bei Prostatakrebs spielen genetische und genomische Tests selbst in frühen Krankheitsstadien eine entscheidende Rolle dabei, individuelle Behandlungsoptionen zu bestimmen und die Versorgung zu personalisieren. Ungefähr 5-10% der Prostatakrebsfälle entstehen unter dem Einfluss erblicher Faktoren und hängen häufig mit bestimmten genetischen Veränderungen zusammen, etwa Mutationen in BRCA1 und BRCA2. Diese Veränderungen lassen sich mit genetischen und genomischen Tests nachweisen. Dies kann Behandlungsoptionen wie PARP-Inhibitoren beeinflussen und helfen, das Krebsrisiko weiterer Familienangehöriger zu bestimmen.

In dem Vortrag „Klinische und therapeutische Folgen genetischer/genomischer Tests bei Prostatakrebs“ wird Dr. Cheng die derzeit von der FDA zugelassenen genetischen und genomischen Prostatakrebstests erörtern. Der Vortrag wird Studien behandeln, die diese Tests für frühere Krankheitsstadien besser anwendbar machen, sowie offene Fragen dazu, wie und wann sie genutzt werden sollten.

Auch wenn Ärzte genetische und genomische Technologien nicht vollständig verstehen, sollten sie ihre Patienten über diese Tests informieren. Man muss kein Genetikspezialist sein, sollte aber mit den Patienten darüber sprechen können.

Dr. Chengs Sitzung wird verdeutlichen, welchen Prostatakrebspatienten derzeit Tests angeboten werden sollten und welche Mutationen die Therapiewahl beeinflussen können. Ein besserer Zugang zu diesen Tests wird ihr Potenzial deutlicher sichtbar machen.

Bei genetischen beziehungsweise erblichen Faktoren ist das Potenzial groß, den Krankheitsverlauf für die Patienten selbst oder ihre Kinder zu verändern. Indem wir bei gefährdeten Menschen eingreifen, können wir ihre Krebserkrankung verhindern. Voraussetzung dafür ist jedoch ein gleichberechtigter Zugang aller Menschen zu genetischen Tests. Andernfalls lässt sich dieses Potenzial niemals vollständig ausschöpfen.

Prostatakrebs ist nicht die einzige Krebsart, bei der genetische und genomische Tests zu Behandlungsfortschritten beigetragen haben. 2014 genehmigte die FDA bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs, nachdem Keimbahntests erbliche BRCA-Mutationen nachgewiesen hatten, die Anwendung von Olaparib. Dies unterstreicht, dass alle Onkologen unabhängig von ihrem Fachgebiet verstehen müssen, wie diese diagnostischen Verfahren angewendet werden.

Unten sind die Anteile erblicher Erkrankungen bei verschiedenen Krebsarten sowie die Zahl der mit erblichen Krebserkrankungen verbundenen Gene dargestellt.

Wie groß ist der erbliche Anteil bei Krebserkrankungen?

Alle Menschen sollten Zugang zu diesen Technologien haben und von ihnen profitieren können. Manche Menschen, besonders bei begrenzten Ressourcen, glauben jedoch möglicherweise nicht, Anspruch auf Präzisionsonkologie zu haben, da diese Tests aufwendig sind und Ressourcen erfordern. Auch wenn dies zutrifft, sollte es nicht im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Entscheidend ist, wie alle Menschen von diesen Technologien profitieren können und welche Strategien dafür notwendig sind.

Die Vortragenden werden auch die Vorteile eines multidisziplinären Ansatzes betonen, da die zahlreichen komplexen Aspekte erblicher Krebstests die Beteiligung verschiedener Fachleute erfordern. Dazu gehört es, den Testzugang zu verbessern und die Herausforderungen beim Einsatz von Paneltests zu bewältigen.

Beide Veranstaltungen finden am Montag, dem 5. Juni, statt. Ein solcher Ansatz ist wichtig, um die künftigen Herausforderungen erblicher Tests und ihre weitreichenden Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung besser zu verstehen und zu bewältigen. Allen Menschen Zugang zu diesen Tests zu ermöglichen, ist entscheidend, um die durch genetische und genomische Tests versprochenen Fortschritte in der Onkologie zu verwirklichen.

Quellen

1. Giri VN, Morgan TM, Morris DS, et al. Genetic testing in prostate cancer management: Considerations informing primary care. CA Cancer J Clin. 2022;72(4):360-371. Online vorab veröffentlicht am 24. Februar 2022.

2. Eastham JA, Auffenberg GB, Barocas DA, et al. Clinically localized prostate cancer: AUA/ASTRO guideline, part I: Introduction, risk assessment, staging, and risk-based management. J Urol. 2022;208(1):10-18. Online vorab veröffentlicht am 10. Mai 2022

3. Kim G, Ison G, McKee AE, et al. FDA Approval Summary: Olaparib Monotherapy in Patients with Deleterious Germline BRCA-Mutated Advanced Ovarian Cancer Treated with Three or More Lines of Chemotherapy Olaparib for Advanced Ovarian Cancer with BRCA Mutation. Clin Cancer Res. 2015;21(19):4257-4261. Online vorab veröffentlicht am 17. Juli 2015.

4. Rosen MN, Goodwin RA, Vickers MM. BRCA mutated pancreatic cancer: A change is coming. World J Gastroenterol. 2021;27(17):1943-1958.
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