Die Rolle des Placeboeffekts bei achtsamkeitsbasierter Schmerzlinderung

Auf der 2. OFFIZIELLEN SIPS-KONFERENZ ÜBER PLACEBOSTUDIENfiel mir eine australische Studie auf, die online nicht verfügbar ist: „Die Rolle von Placeboeffekten bei achtsamkeitsbasierter Analgesie“ mit folgenden Einzelheiten:
Studienziel: Mindfulness (Achtsamkeitsmeditation) kann Schmerzen im Experiment und klinisch verringern. Unklar ist, wie stark achtsamkeitsspezifische Mechanismen und placeboähnliche Erwartungseffekte dazu beitragen. Ziele waren: 1. Placeboeffekte als möglichen Beitrag achtsamkeitsvermittelter Analgesie zu bestimmen und 2. die kognitiven Mechanismen der Placebowirkung dabei zu identifizieren.
Methoden: In einer doppelblinden randomisierten kontrollierten Studie verglichen wir fokussiertes Aufmerksamkeitstraining (6 x 20 Minuten), Scheinachtsamkeit und keine Behandlung bei experimentellem Hitzeschmerz. Die Scheinanweisungen enthielten die „aktiven Bestandteile“ des echten Trainings nicht, entsprachen ihm aber in allen anderen Kontextfaktoren.
Ergebnisse: Sowohl echtes als auch Achtsamkeitstraining erhöhte gegenüber keiner Behandlung die Schmerztoleranz. Zwischen echtem und Scheintraining bestand jedoch kein Unterschied. Beide Achtsamkeitsgruppen zeigten stärkere Erwartungen, Überzeugungen und schmerzbezogene kognitive Prozesse, ebenfalls ohne Unterschied zwischen echtem und Scheintraining. Schmerzintensität, Empfindung und Schwelle wurden nicht beeinflusst.
Schlussfolgerung: Achtsamkeitstraining, zumindest mit fokussierter Aufmerksamkeit, könnte die Schmerztoleranz über Placeboeffekte statt über besondere aufmerksamkeitsspezifische Mechanismen erhöhen. Mögliche Vermittler dieser Effekte sollten diskutiert werden.
Ich finde die Studie aus zwei Gründen bemerkenswert:
- Mit etwas Fantasie, Geschick und Willen können selbst bei Körper-Geist-Therapien in klinischen Studien Scheinverfahren entwickelt und verwendet werden.
- Die Ergebnisse belegen, dass diese Behandlungen bei Kontrolle der Placeboeffekte nicht mehr als Placebotherapien sein könnten.
Welche Folgen könnte dies für die klinische Praxis haben?
Achtsamkeitstherapien sind derzeit sehr beliebt. Die Nachricht, ihre Wirkung könne vollständig auf Placebo beruhen, könnte die Begeisterung dämpfen. Viele könnten fragen: Spielt der Mechanismus eine Rolle, solange Patienten profitieren?
Wichtig zu wissen...
Der obige Text wurde aus einem Blogbeitrag zur traditionellen, komplementären und alternativen Medizinvon deren weltweit führender Persönlichkeit Prof. Dr. Edzard Enrstübersetzt.
Mindfulness bedeutet, von Augenblick zu Augenblick das Geschehen in sich und um sich möglichst so wahrzunehmen, wie es ist. Gedanken zu beobachten, Gefühle und Körperempfindungen unverändert wahrzunehmen und ohne die üblichen Benennungen und Bewertungen bei ihnen zu bleiben, ohne zu reagieren.
Quellen
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