Dritter Patient nach Stammzelltherapie von HIV geheilt

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Es wurde bekannt gegeben, dass ein weiterer Mensch nach einer Stammzelltherapie von HIV geheilt wurde. „Düsseldorfer Patient“ wird ein Mann genannt, der als dritter Mensch nach einer Stammzelltherapie von HIV geheilt wurde.
Zuvor war die Heilung zweier Patienten in Berlin und London nach einer trotz erheblicher Risiken durchgeführten Stammzelltherapie berichtet worden. Nun wurde beim Düsseldorfer Patienten dasselbe Ergebnis erreicht. Die Einzelheiten wurden am 20. Februar 2023 in der angesehenen Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.
Die Stammzelltherapie war wegen Blutkrebs durchgeführt worden
Bei dem anonym gebliebenen 53-jährigen Patienten wurde 2008 HIV diagnostiziert. Drei Jahre später folgte die Diagnose einer akuten myeloischen Leukämie, einer besonders ernsten Form von Blutkrebs. 2013 erhielt er eine Knochenmarktransplantation mit Stammzellen einer Spenderin. Diese hatte eine Mutation im CCR5-Gen, die das Eindringen von HIV in die Zellen auf gewisse Weise verhinderte.
Übereinstimmende Untersuchungen nach 4 Jahren zeigten im Körper des Düsseldorfer Patienten keinerlei Spuren von HIV.
Die Forschenden betonten die Bedeutung ihrer Arbeit mit den Worten: „Dieser dritte Fall einer HIV-1-Heilung liefert wertvolle Erkenntnisse, die hoffentlich künftige Behandlungsstrategien leiten werden.“ So beschrieben sie ihre Ergebnisse.
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Die Freude des HIV-Patienten
Der Patient, um den es geht, erklärte: „Ich bin stolz auf mein Team aus Ärzten aus der ganzen Welt, das mich von HIV und selbstverständlich auch von der gleichzeitig bestehenden Leukämie befreien konnte.“ Das sagte er in seiner Stellungnahme.
Am vergangenen Valentinstag jährte sich die Transplantation außerdem zum 10. Mal. Dafür wurde ein großes Fest veranstaltet, dessen „Ehrengast“ die Spenderin des Patienten war.
Für wen kommt eine HIV-Behandlung durch Stammzelltransplantation infrage?
Seit vielen Jahren wird nach einer Behandlung von AIDS gesucht, der durch eine HIV-Infektion verursachten Erkrankung. Eine Knochenmarktransplantation wie in diesen Fällen ist ein schwerwiegender und gefährlicher medizinischer Eingriff. Leider eignet sich diese Form der Stammzelltransplantation nur für wenige Patienten, die sowohl HIV als auch Krebs haben. Zudem ist es schwierig, einen Spender mit der seltenen CCR5-Mutation zu finden.
Was ist die CCR5-Genmutation und wie schützt sie vor HIV?
Das CCR5-Gen enthält die genetische Information für den CCR5-Rezeptor. Der CCR5-Rezeptor kommt auf Zellen des Immunsystems vor. Er steuert die Funktionen von Immunzellen wie T-Zellen und ermöglicht die Aktivierung der Abwehr gegen schädliche Mikroorganismen und Zellen. Zugleich dient dieser Rezeptor HIV als Eintrittspforte in die Zelle. Bestimmte Mutationen im CCR5-Gen können verhindern, dass HIV an den CCR5-Rezeptor bindet. Bei Menschen mit einer CCR5-Mutation kann die HIV-Infektion langsamer verlaufen oder vollständig verhindert werden. Deshalb ist die CCR5-Genmutation für die HIV-Behandlung von großer Bedeutung.
Assier Saez-Cirion vom Institut Pasteur in Frankreich, einer der beteiligten Forschenden, erläuterte: „Bei der Transplantation wurden die Immunzellen des Patienten vollständig durch die der Spenderin ersetzt. Dadurch konnte der überwiegende Teil der infizierten Zellen beseitigt werden.“ So erklärte er den Vorgang.
„Diese Transplantation ist ein außergewöhnlicher Fall, bei dem alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung sowohl der Leukämie als auch der HIV-Infektion zusammenkamen.“
Auf mehreren wissenschaftlichen Konferenzen wurde zudem über die Heilung zweier weiterer HIV- und Krebspatienten durch diese Methode berichtet, bekannt als New-York- und City-of-Hope-Fall. Die wissenschaftlichen Studien zu diesen Fällen waren jedoch noch nicht veröffentlicht.
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Neue Entwicklungen bei der CCR5-Gentherapie gegen AIDS
In den vergangenen Jahren wurde die Übertragung von Spenderzellen mit einer CCR5-Genmutation, etwa durch Stammzelltransplantation, zu einer Behandlungsoption für HIV-Patienten. Da dieses Verfahren jedoch sehr teuer und riskant ist, kommt es möglicherweise nur für bestimmte Patienten infrage.
Auch Medikamente für eine CCR5-Gentherapie werden untersucht. Sie versuchen, Mutationen im CCR5-Gen nachzuahmen und dadurch HIV am Eindringen in die Zelle zu hindern. Dazu gehören Behandlungen bei resistentem HIV wie Maraviroc. Maraviroc erhielt seine erste FDA-Zulassung 2007 und ist ein CCR5-Korezeptorantagonist, der bei Patienten ab 2 Jahren in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen gegen HIV-1 eingesetzt wird.
Einige wissenschaftliche Studien untersuchten ein biotechnologisches Werkzeug zur Bearbeitung des Erbguts, die Methode CRISPR-Cas9. Ihre Anwendung auf das CCR5-Gen im Labor konnte die HIV-Infektion verhindern oder verlangsamen. Die Technik wurde jedoch noch nicht in der klinischen Praxis erprobt und muss weiter erforscht werden.
Außerdem bestehen ethische und sicherheitsbezogene Bedenken beim Einsatz von CRISPR-Cas9. Die Methode kann unerwünschte oder unerwartete Veränderungen des Erbguts und möglicherweise schwere Gesundheitsprobleme verursachen. Deshalb sind ein vorsichtiger Umgang mit CRISPR-Cas9 und weitere Forschung erforderlich.
Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui versuchte 2018 in China, zwei Babys durch die Bearbeitung ihres CCR5-Gens widerstandsfähiger gegen HIV zu machen. Er verwendete dafür die Geneditierungstechnik CRISPR/Cas9. So wurden erstmals weltweit Babys mit verändertem Genom geboren; über das weitere Schicksal der Kinder ist nichts bekannt. Die chinesische Regierung warf He Jiankui anschließend Verstöße gegen Ethik und Gesetz vor und ließ ihn inhaftieren. Nach 3 Jahren kam er im April 2022 frei.
Seine Arbeit stieß in der wissenschaftlichen Gemeinschaft und bei Menschenrechtsaktivisten weltweit auf Kritik. Viele forderten, solche Eingriffe in das Genom ethisch zu hinterfragen.
Der Fall rückte die möglichen Folgen der CRISPR/Cas9-Geneditierung und die notwendige ethische Prüfung in den Mittelpunkt. Er führte zu Forderungen nach strengeren rechtlichen und ethischen Regeln für die Bearbeitung des menschlichen Genoms.
Die Forschung zur CCR5-Gentherapie läuft weiter; größere klinische Studien sind erforderlich. Obwohl die CCR5-Gentherapie potenziell wirksam sein könnte, bietet sie bislang keine vollständige Lösung für die HIV-Behandlung.
Quellen
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