Ein Kind starb infolge von Homöopathie

Der folgende Text wurde aus dem Artikel „Another child has died because of homeopathy“ übersetzt, den Professor Dr. Edzard Ernst, eine weltweit führende Persönlichkeit auf dem Gebiet der „traditionellen, komplementären und alternativen Behandlungen“, am 8. Juni 2019 online veröffentlichte.
"Homöopathie ist harmlos; schließlich enthält ein gewöhnliches homöopathisches Mittel keinen Wirkstoff!“ Solche Behauptungen können Ihnen häufig begegnen. Leider sind sie nicht richtig. Homöopathische Mittel mögen überwiegend risikofrei sein (abhängig von Potenz und angemessener Qualitätskontrolle jedoch nicht vollständig), aber Homöopathie kann Patienten töten. Eine bedrückende Liste von Todesfällen belegt dieses Risiko. Hier ist ein weiteres Beispiel:
- Die Eltern eines siebenjährigen Jungen, der starb, nachdem sie entschieden hatten, seine Otitis (Ohrenentzündung) ausschließlich homöopathisch zu behandeln, wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt (Quelle 1).
- Der Junge namens Francesco starb am 27. Mai 2017 in Cagli di Pesaro (Italien) an einer beidseitigen bakteriellen Ohrenentzündung.
- Seine Eltern wurden für den Tod verantwortlich gemacht und zu drei Monaten Haft verurteilt.
- Die Eltern hatten die Versorgung ihres Sohnes Massimiliano Mecozzi anvertraut, einem in Pesaro tätigen Homöopathen, der am 24. September vor Gericht stehen sollte.
- Das Gericht erklärte, der Homöopath habe statt der Antibiotika, die den Patienten gerettet hätten, eine Behandlung mit homöopathischen Produkten empfohlen.
- Francesco starb, nachdem sich die Otitis zu einer Enzephalitis entwickelt hatte (Ausbreitung der Ohrenentzündung ins Gehirn).
Ein weiterer Artikel liefert zusätzliche Einzelheiten zu dem Fall:
Francesco litt an Otitis media (Mittelohrentzündung). Der 55-jährige Arzt Massimiliano Mecozzi behandelte ihn mit homöopathischen Mitteln. Als die Eltern Francesco einige Tage später ins Krankenhaus brachten, war es zu spät: Der Junge starb kurz darauf. Nach Angaben der Zeitung „Corriere della Sera“ hatten die Eltern entschieden, ihrem Kind seit dem Alter von drei Jahren keine Antibiotika mehr zu geben. Francescos Krankheit hatte mit einer schweren Erkältung und Fieber begonnen, und er wurde häufig vom homöopathischen Arzt Mecozzi besucht, der die Eltern ermunterte, das Kind in seine Praxis zu bringen. Nach Aussage seines Großvaters Maurizio: „Er machte ihnen Angst, indem er behauptete, die Ärzte würden Medikamente geben, die das Kind taub machten oder seine Leber schädigten. Er versprach ihnen, dass Francesco bald gesund würde.“
Francescos Zustand verschlechterte sich jedoch in den folgenden Tagen, und die Infektion breitete sich auf sein Gehirn aus. Als die Eltern ihren Sohn in die Notaufnahme brachten, hatte sich ein entzündlicher Abszess gebildet. Francesco wurde für eine Notoperation in ein Krankenhaus in Ancona gebracht. Zu diesem Zeitpunkt half auch eine intensive Antibiotikabehandlung nicht mehr, und das Kind starb.
Dem „Corriere“ zufolge hatte der Arzt einen fragwürdigen Werdegang: Nach seinem vorübergehenden Ausschluss aus dem Ärzteverband arbeitete er sogar in einem Supermarkt und als freiwilliger Umweltschützer. Danach kam er mit einer religiösen Gemeinschaft in Varese in Kontakt, deren Gründer des Betrugs beschuldigt wurden. Auf die Frage nach seiner homöopathischen Tätigkeit in Pesaro sagte Mecozzi: „Ich habe kein Interesse daran, Ihnen das zu erzählen.“ Dies waren seine Worte.
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Solche Fälle sind tragisch und hoffentlich(?) selten!
Ursache des Vorfalls ist die Vernachlässigung durch einen Homöopathen, also das Versäumnis angemessener medizinischer Versorgung. Offensichtlich muss eine solche Vernachlässigung nicht immer tödlich sein. Ich vermute, dass mildere Formen medizinischer Vernachlässigung durch Homöopathie recht häufig sind (die genaue Zahl kennt niemand). Man könnte sogar sagen, dass homöopathische Behandlung eine medizinische Vernachlässigung in drei überlappenden Kategorien beinhaltet:
- In den meisten Fällen hat die homöopathische Anwendung keine oder nur geringe sichtbare Nebenwirkungen. Verschreibt ein Homöopath beispielsweise bei einem selbstbegrenzenden Zustand wie einer Erkältung ein homöopathisches Mittel, erholt sich der Patient bald aufgrund des gutartigen und ohnehin vorübergehenden Verlaufs (und hält meist die Homöopathie für wirksam). Es gibt jedoch unsichtbaren Schaden, etwa die Kosten der Mittel und das durch diese Erfahrung erzeugte falsche Vertrauen in eine Scheinbehandlung, das später sehr schädlich werden kann.
- In vielen Fällen führt die Vernachlässigung zu unnötigem Leiden, weil es um eine optimal wirksame Behandlung der Krankheit oder deren Verzögerung geht. Viele homöopathische Ärzte behaupten, dies treffe gewöhnlich nicht zu, weil sie parallel auch konventionelle Behandlungen verschreiben. Selbst wenn das stimmt, verursachen diese Homöopathen jedoch weiterhin Schaden durch Ressourcenverschwendung.
- In manchen Fällen verursacht Homöopathie sehr schwere Schäden und führt, wie der oben geschilderte Fall zeigt, sogar zu Todesfällen.
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Quellen
Parents of boy who died after they treated earache with homoeopathy found guilty of manslaughter.
independent.co.uk - 09 June 2019
2. Edzard Ernst.
Another child has died because of homeopathy.
edzardernst.com/2019/06/another-child-has-died-because-of-homeopathy/ - 08 June 2019
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