Ein weiterer Fortschritt mit Capecitabin bei der Behandlung von Brustkrebs mit hohem Risiko!

Bei Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem, her2-rezeptornegativem Brustkrebs mit hohem Risiko, bei denen nach tumorverkleinernder Chemotherapie und anschließender Operation ein Resttumor bestand, verringerte vorbeugendes Capecitabin (capecitabine) das Rückfallrisiko.
Bekanntlich wird Brustkrebs anhand des Her2-Rezeptorstatus, einer Art Test auf die Eignung zielgerichteter Medikamente, in zwei Gruppen eingeteilt. Bei Her 2- Rezeptor positiven Patientinnen setzen wir zusammen mit der Chemotherapie zielgerichtete Medikamente ein. Auch die Her2-rezeptornegative Gruppe behandeln wir nach Einteilung in zwei unterschiedliche Untergruppen. Her2-negativer Brustkrebs wird in hormonempfindliche und dreifach beziehungsweise triple-negative Formen unterteilt. Während hormonempfindlicher, Her2-negativer Brustkrebs leichter zu behandeln ist, wissen wir, dass die Tumoren unserer Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs aggressiver sind.
In diesem Beitrag stellen wir die Ergebnisse einer wichtigen Studie mit Patientinnen mit Her2-negativem, also hormonempfindlichem oder triple-negativem Brustkrebs vor.
Bei der Brustkrebsbehandlung berücksichtigen wir als Onkologinnen und Onkologen zwei wichtige Angaben zum Tumor: zum einen die oben erläuterten Eigenschaften, also die Tumorbiologie, zum anderen die Ausbreitung der Erkrankung. Diese teilen wir grob in drei Untergruppen ein: Brustkrebs im Frühstadium, lokal fortgeschrittenen Brustkrebs und metastasierten, also fortgeschrittenen Brustkrebs. Die hier besprochene Patientinnengruppe hat Her2-negative, lokal fortgeschrittene Tumoren, die nicht unmittelbar operiert werden können und deshalb erst nach einer tumorverkleinernden Chemotherapie operiert wurden.
Die in der Ausgabe des New England Journal of Medicine (NEJM) vom 1. Juni 2017 veröffentlichte Studie umfasste Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem, her2-rezeptornegativem Brustkrebs und nach tumorverkleinernder Chemotherapie sowie anschließender Operation verbliebenem Tumor, also einem höheren Rückfallrisiko, insgesamt 910 Betroffene. Sie erhielten vorbeugend das als Tablette oral einzunehmende Chemotherapeutikum Capecitabin (capecitabine) über 6 Monate.
Bei den mit Capecitabin behandelten Brustkrebspatientinnen sank die Rückfallrate von %32 auf %26, während zugleich die Überlebensrate nach 5 Jahren von %83 auf %89 stieg.
Innerhalb dieser Patientinnengruppen profitierten diejenigen mit triple-negativem Brustkrebs offenbar stärker. Bei triple-negativen Patientinnen sank die Rückfallrate nach Capecitabin innerhalb von 5 Jahren von %44 auf %30. Ihre Überlebensrate nach 5 Jahren stieg von %70 auf %79. Besonders erfreulich war, dass bei triple-negativem Brustkrebs nach 5 Jahren zusätzlich nahezu 10 Prozent der Patientinnen das Leben gerettet wurde.
Die am Studienende gewonnenen Daten sind geeignet, unsere tägliche Behandlungsstrategie zu verändern. Wie sich zeigt, kann das Hinzufügen eines Chemotherapeutikums mit sehr gut beherrschbaren Nebenwirkungen im Rahmen der richtigen Strategie das Leben unserer Patientinnen erheblich verändern. Die Wissenschaft bietet ihnen auf dem Weg zur Krebsbehandlung jeden Tag eine neue Möglichkeit und einen neuen Lichtblick.
Quellen
Adjuvant Capecitabine for Breast Cancer after Preoperative Chemotherapy.
N Engl J Med 2017; 376:2147-2159 June 1, 2017
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