Erste Gentherapie für Hämophilie B erhält die FDA-Zulassung

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Als erste Gentherapie für erwachsene Patienten mit Hämophilie B, die bereits eine Faktor-IX-Prophylaxe erhalten, derzeit oder früher lebensbedrohliche Blutungen haben beziehungsweise hatten oder wiederholt schwere spontane Blutungen erleiden, erhielt Etranacogene Dezaparvovec (Hemgenix) am 22. November 2022 die Zulassung der FDA, der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde.
Was ist Hämophilie B?
Hämophilie B ist eine erbliche Blutgerinnungsstörung durch einen Mangel an Gerinnungsfaktor IX. Ohne ausreichend Faktor IX kann das Blut nicht richtig gerinnen, um eine Blutung zu stoppen. Die Störung ist angeboren, also von Geburt an vorhanden, und selten. Die häufigste Form, Hämophilie A, betrifft etwa 12 von 100 Tausend Menschen; Hämophilie B etwa 3,7 von 100 Tausend.
Das Ergebnis von 20 Jahren Forschung und klinischer Erprobung
Seit mehr als 20 Jahren zeichnet sich eine Gentherapie für Hämophilie ab. Trotz Fortschritten beeinträchtigen die fortwährende Zufuhr von Faktor IX zur Vorbeugung von Blutungen und die Blutungsereignisse selbst die Lebensqualität. Die Zulassung bietet Menschen mit Hämophilie B eine neue Option und ist ein wichtiger Fortschritt bei der Entwicklung innovativer Therapien für diese mit hoher Krankheitslast verbundene Form.
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Wie wirkt Hemgenix?
Hemgenix mit dem Wirkstoff Etranacogene Dezaparvovec schleust mithilfe eines adenoassoziierten Virus ein funktionsfähiges Gen in Leberzellen ein, das ihnen die Herstellung des Gerinnungsfaktors vorgibt. Dazu wird ein Trägervirus mit genetischem Material beladen, das die Produktion von Faktor IX veranlasst. Laut einer Pressemitteilung des Herstellers CSL Behring bleiben diese genetischen Anweisungen in der Zelle, werden jedoch nicht in die eigene DNA des Patienten eingebaut.
Die Gentherapie wird pro Patient 3,5 Millionen Dollar kosten und ist damit die bislang teuerste Behandlung. Allerdings übersteigen in den USA die Kosten eines lebenslangen Faktor-IX-Ersatzes bei einem Patienten mit Hämophilie B 20 Millionen Dollar.
FDA-Zulassung auf Grundlage der HOPE-B-Studie
Die Zulassung beruhte auf HOPE-B, einer einarmigen offenen Studie mit 54 Männern, die eine Faktor-IX-Ersatztherapie benötigten. Die meisten Menschen mit Hämophilie B sind männlich.
In den 18 Monaten nach einer einmaligen Hemgenix-Infusion sank die adjustierte jährliche Blutungsrate gegenüber dem Ausgangswert um 64% (P = 0,0002). Blutungen, die mit Faktor IX behandelt wurden, nahmen um 77% ab (P < 0,0001); 98% der mit der vollen Dosis Etranacogen Dezaparvovec behandelten Patienten beendeten ihre Faktor-IX-Prophylaxe.
Wie lange die Wirkung anhält, bleibt eine offene Frage. Die Daten sind jedoch ermutigend: Nach 6 Monaten betrug die mittlere Faktor-IX-Aktivität 39 IU/dL (39% des Normalwerts), nach 18 Monaten 36,9 IU/dL (37% des Normalwerts). Bisher gibt es keine Hinweise auf die Entwicklung von Inhibitoren gegen die Infusion.
Nebenwirkungen waren häufig, aber überwiegend leicht. Dazu gehörten Kopfschmerzen und grippeähnliche Beschwerden bei jeweils 13% der Teilnehmenden. Neun Patienten benötigten wegen erhöhter Leberenzyme Steroide.
Weitere Gentherapien gegen Hämophilie befinden sich in Vorbereitung, darunter bei Hämophilie A Valoctocogene Roxaparvovec (Roctavian, BioMarin). Eine FDA-Entscheidung zu dieser Therapie wird im März 2023 erwartet.
Quellen
2. FDA Approves First Gene Therapy for Hemophilia B - Medscape - 23. November 2022.
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