Krebspatienten suchen vor einer Operationsentscheidung eine Zweitmeinung: Forschungsergebnisse zu Motivation, Bedürfnissen und Erwartungen

Die Untersuchung erfasste soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Beruf, Familienstand und Bildung sowie medizinische Eigenschaften von Krebspatienten, die eine Zweitmeinung suchten. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen dieser Suche und ihrer Motivation, ihren Bedürfnissen und Erwartungen.
In der Studie wurden 212 Krebspatienten, denen eine Operation bevorstand und die eine Zweitmeinung suchten, mittels Fragebogen befragt. Erfasst und ausgewertet wurden ihre Zufriedenheit mit dem ersten Spezialisten, ihr Wunsch nach einer Zweitmeinung, ihr Informationsbedarf, ihre Präferenzen bei Entscheidungen sowie ihre Erwartung und Hoffnung auf eine abweichende Zweitmeinung.
Die untersuchten Krebspatienten waren durchschnittlich 53 Jahre alt und überwiegend weiblich (%82). Bei %76 war Brustkrebs diagnostiziert worden. Die Mehrheit der Patienten (%62) hatte das Bedürfnis, Sorgen abzubauen und eine klarere Entscheidung zu treffenund suchte deshalb eine Zweitmeinung. Dies wurde in der Studie als „Suche nach einer Zweitmeinung aus innerer Motivation“ bezeichnet (internal motives for second-opinion). Ein anderer Teil (38%) suchte nach negativen Erfahrungen und unerfüllten Bedürfnissen aus äußerer Motivation eine Zweitmeinung (external motives). Bei Patienten mit äußerer Motivation zeigte sich eine stärkere Angstneigung. Sie waren mit dem zuerst aufgesuchten Arzt weniger zufrieden, bevorzugten eine aktivere Rolle bei medizinischen Entscheidungen und hatten größere Erwartungen und Hoffnungen auf eine abweichende Zweitmeinung.
Die Beweggründe für eine Zweitmeinung unterscheiden sich zwischen Patienten. Um mit diesem Angebot erfolgreich sein Ziel zu erreichen, ist es wichtig zu verstehen, warum Patienten und Familien eine Zweitmeinung suchen. Weitere Forschung zur Beurteilung objektiver und subjektiver Ergebnisse einer Zweitmeinung wäre hilfreich.
Der Bedarf an einer zweiten fachärztlichen Meinung in der Krebsbehandlung ist somit nicht zu übersehen. Weltweit nimmt die Suche nach Zweitmeinungen zu. Die wichtigsten Gründe sind die negative Wahrnehmung des Begriffs Krebs, ungünstige Ergebnisse im fortgeschrittenen Stadium und der wesentlich leichtere Informationszugang durch digitale Technologien. Zudem neigen Ärzte in den letzten Jahren aufgrund rechtlicher Vorgaben dazu, Diagnose und möglichen Krankheitsverlauf vollständig und realistisch mitzuteilen. Dies kann bei Patienten und Angehörigen Unzufriedenheit und die Suche nach weiteren Möglichkeiten auslösen.
Auch wir sammeln wissenschaftliche Studien über Zweitmeinungen aus aller Welt und teilen sie mit Ihnen. Dabei überlegen wir, wie groß dieser Bedarf ist, welche Gründe dahinterstehen, was wir in unserem Land tun sollten und wie wir einem solchen realen Bedürfnis begegnen können. Das Ergebnis lautet: Jeder Mensch, der eine Krebsbehandlung erhalten soll und sich nicht ausreichend informiert oder zufriedengestellt fühlt, sollte Zugang zu einer richtigen und zuverlässigen zweiten fachärztlichen Meinung erhalten.
Quellen
Cancer patients seeking a second surgical opinion: results of a study on motives, needs, and expectations.
J Clin Oncol. 2003 Apr 15;21(8):1492-7.
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