Neue FDA-Zulassung für die Lutetiumtherapie: Einsatz jetzt früher möglich

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Am 28. März 2025 erweiterte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Indikation des radioaktiven Therapeutikums Lutetium Lu 177 Vipivotidtetraxetan (Pluvicto). Die neue Zulassung umfasst auch erwachsene Patienten mit PSMA-positivem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), die bereits einen Androgenrezeptor-Signalweghemmer erhalten haben und bei denen ein Aufschub einer taxanbasierten Chemotherapie als angemessen gilt.
Kastrationsresistentes Prostatakarzinom (CRPC), bezeichnet eine Prostatakrebserkrankung, die trotz testosteronsenkender Behandlung (Kastration) weiter fortschreitet. Der Krebs hat damit eine Resistenz gegen die Behandlung entwickelt und wächst weiter.
Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom (mCRPC) bedeutet, dass sich der Prostatakrebs in andere Körperregionen wie Knochen oder Lymphknoten ausgebreitet hat (Metastasenbildung) und gegen die Kastrationsbehandlung resistent geworden ist.
Bei etwa 10–20% der Patienten mit einer Prostatakrebsdiagnose entwickelt sich ein CRPC.
Eine neue Ära bei Prostatakrebs beginnt
Ein mCRPC ist besonders in Stadien mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten eine große Herausforderung. Zielgerichtete radioaktive Therapien gelten in dieser Patientengruppe als neue Hoffnung. Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen ist das FDA-Zulassungsverfahren für Pluvicto (lutetium Lu 177 vipivotide tetraxetan) , einen radioaktiven Therapiewirkstoff.
Pluvicto war bereits 2022 nach Behandlung mit einem Androgenrezeptorhemmer (ARPI, Androgen Receptor Pathway Inhibitor) und taxanbasierter Chemotherapie für PSMA-positive mCRPC-Patienten zugelassen worden. Nun hat am 28. März 2025 die FDA den Anwendungsbereich erweitert und den Einsatz auch in früheren Krankheitsphasen erlaubt, wenn Patienten eine Chemotherapie aufschieben möchten. Dies könnte sowohl den Patientenkomfort als auch die Lebensdauer verbessern.
Was bedeutet die neue Indikation?
Nach der neuen FDA-Zulassung kann Pluvicto nun auch bei Patienten mit folgenden Merkmalen eingesetzt werden:
- PSMA-positives metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom liegt vor,
- eine Therapie mit einem Androgenrezeptor-Signalweghemmer (ARPI) wurde bereits durchgeführt,
- erwachsene männliche Patienten, die aber noch keine taxanbasierte Chemotherapie erhalten haben und diese aufschieben möchten.
Damit wird es nun möglich, ohne auf die Entwicklung einer Chemotherapieresistenz zu warten die Erkrankung bereits früher gezielt mit radioaktiven Molekülen zu behandeln.
PSMAfore-Studie: Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit
Die neue Zulassung beruht auf PSMAfore (NCT04689828) , einer multizentrischen, offenen, randomisierten klinischen Studie. Aufgenommen wurden 468 Patienten, deren Erkrankung nach einer vorherigen ARPI-Therapie fortgeschritten war .
Studiendesign
- Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 auf zwei Arme verteilt:
- Eine Gruppe erhielt alle 6 Wochen Pluvicto (7,4 GBq/200 mCi).
- Die andere Gruppe wechselte zu einer anderen ARPI-Therapie.
- Nach Fortschreiten der Erkrankung nahmen 60% der Patienten des ARPI-Arms durch einen Crossover in den Pluvicto-Arm diese Behandlung in Anspruch.

Ergebnisse zur klinischen Wirksamkeit
Radiografisches progressionsfreies Überleben (rPFS)
- Pluvicto-Arm: Medianes rPFS: 9,3 Monate
- ARPI-Arm: Medianes rPFS: 5,6 Monate
- Hazard Ratio (HR): 0,41
Dies zeigt, dass Pluvicto hinsichtlich der Verzögerung des Krankheitsfortschritts um 59% wirksamer ist (p<0,0001, statistisch signifikant).
Gesamtüberleben (OS)
- Pluvicto-Arm: Medianes OS: 24,5 Monate
- ARPI-Arm: Medianes OS: 23,1 Monate
- Hazard Ratio: 0,91
Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Es wird jedoch von einem wichtigen Beitrag zu Verträglichkeit und Lebensqualität ausgegangen.
Sicherheit: Bekannte Risiken bestehen weiterhin
Die Nebenwirkungen von Pluvicto entsprachen den bisherigen klinischen Erfahrungen. Am häufigsten wurden beobachtet:
- Müdigkeit
- Mundtrockenheit
- Anämie
- Verminderter Appetit
- Abnahme der Lymphozyten- und Thrombozytenzahl
- Strahlenbedingte Knochenmarksuppression (Myelosuppression)
- Beeinträchtigung der Nierenfunktion (renale Toxizität)
Dosierung und Anwendung
Empfohlene Dosis: Alle 6 Wochen intravenös 7,4 GBq (200 mCi) verabreichen.
Insgesamt 6 Dosen oder bis zur Krankheitsprogression beziehungsweise nicht akzeptabler Toxizität fortsetzen.
Warum ist das wichtig?
Die neue Zulassung bietet Patienten, die eine Chemotherapie vermeiden oder eine besser verträgliche Behandlung wünschen , eine wichtige Alternative. Ein früherer Behandlungsbeginn könnte zudem die Krankheitskontrolle verbessern. Die geeignete Auswahl PSMA-positiver Patienten mittels PET-Bildgebung ist für den Behandlungserfolg entscheidend.
Fazit
Die neue FDA-Zulassung für Pluvicto ist ein wichtiger Meilenstein in der Behandlung von Prostatakrebs. Eine zielgerichtete, auf molekularer Ebene wirksame und möglicherweise lebensverlängernde Option steht nun einer größeren Patientengruppe zur Verfügung.
Wirkmechanismus der zielgerichteten molekularen Radionuklidtherapie
Lutetium Lu 177 Vipivotidtetraxetan bindet an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) auf Prostatakrebszellen, um Tumorzellen sowohl sichtbar zu machen als auch zu zerstören.

Die intravenös verabreichten radioaktiven Peptide (Lutetium Lu 177 Vipivotidtetraxetan) binden an die anvisierten Krebszellen, geben dort große Strahlenmengen ab und können die Krebszellen zerstören. Nach der Behandlung kann ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. In der Regel werden 4–6 Behandlungszyklen benötigt.
Quellen
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