Sacituzumab Govitecan bei hormonpositivem Brustkrebs im Blickpunkt des ESMO-Kongresses 2022

Die meistbeachtete Präsentation am ersten Tag des am 9. September begonnenen ESMO-Kongresses 2022 betraf ein Medikament, das bereits 2020 für triple-negativen Brustkrebs und 2021 für Urothelkarzinome eine FDA-Zulassung erhalten hatte. Sein Wirkstoff ist Sacituzumab Govitecan. Diesmal zeigte die TROPiCS-02-Studie seine Wirksamkeit bei hormonpositivem/HER2-negativem Brustkrebs.
Die Ergebnisse von TROPiCS-02 zeigen einen Gesamtüberlebensvorteil durch Sacituzumab Govitecan bei stark beziehungsweise mehrfach vorbehandelten Menschen. Zugleich werfen sie Fragen zum optimalen klinischen Einsatz auf.
Bei Sacituzumab Govitecan handelt es sich um ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat und damit um eines der neuartigen, mit fortschrittlicher Biotechnologie entwickelten Krebsmedikamente.
Auf dem Kongress wurden Daten der geplanten zweiten Zwischenanalyse der Phase-III-Studie TROPiCS-02 zum Gesamtüberleben vorgestellt.
- Bei mehrfach vorbehandeltem hormonrezeptorpositivem/HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs zeigte sich unter Sacituzumab gegenüber einer Behandlung nach ärztlicher Wahl eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens: median 14,4 gegenüber 11,2 Monate; Hazard Ratio [HR] 0,79 [95%-Konfidenzintervall (KI) 0,65-0,96; p=0,02).
- Außerdem wurden signifikante Verbesserungen der Ansprechrate und Lebensqualität berichtet. Die Nebenwirkungen waren beherrschbar.
- Eine frühere Auswertung von TROPICS-02 hatte einen statistisch signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) gezeigt: median 5,5 gegenüber 4 Monate.
- Nach 12 Monaten betrugen die PFS-Raten 21% gegenüber 7%.
Diese Daten zeigen, dass das gegen Trop-2 gerichtete Sacituzumab Govitecan eine sehr vielversprechende Option bei stark vorbehandeltem metastasiertem Brustkrebs ist. Bei HR-positiver/HER2-negativer Erkrankung gibt es wirksame endokrine Therapien, beispielsweise in Kombination mit CDK4/6-Hemmern, die das Gesamtüberleben deutlich verbessern. Versagen sie, wird jedoch Chemotherapie eingesetzt, deren verfügbare Medikamente mit jeder weiteren Therapielinie an Wirksamkeit verlieren. Kürzlich zeigte Trastuzumab Deruxtecan bei HER2-niedrigen Tumoren einen bemerkenswerten klinischen Nutzen. Dies gilt jedoch nicht für Tumoren ohne niedrige HER2-Expression. Für stark vorbehandelte Betroffene bleiben dann begrenzte Optionen und ungünstige Ergebnisse.
Obwohl der Nutzen in TROPiCS-02 geringer ausfiel als der zuvor für Sacituzumab bei triple-negativem Brustkrebs gezeigte, belegen die Ergebnisse von TROPiCS-02 einen klinisch relevanten Effekt für diese Patientengruppe. Bei fortgeschrittenem hormonpositivem/HER2-negativem Brustkrebs sollte Sacituzumab daher nun für spätere Therapielinien in Betracht gezogen werden.
Für den optimalen Einsatz müssen jedoch wichtige Fragen geklärt werden: erstens die Wirksamkeit von Sacituzumab nach Trastuzumab Deruxtecan bei HER2-niedrigen Tumoren; zweitens die mögliche Identifizierung von Biomarkern, die besonders profitierende Personen erkennen lassen; und drittens die Bewertung dieser Wirksamkeitsdaten im Zusammenhang mit Lebensqualität und patientenberichteten Ergebnissen beziehungsweise Nebenwirkungen.
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Unten finden Sie eine grafische Zusammenfassung der Ergebnisse von TROPiCS-02:

Abbildung. Gesamtüberleben unter Sacituzumab Govitecan gegenüber einer Behandlung nach ärztlicher Wahl bei stark vorbehandeltem HR-positivem/HER2-negativem metastasiertem Brustkrebs
Quellen
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