Überraschende Hilfe beim Hand-Fuß-Syndrom nach Chemotherapie: Diclofenac-Gel

In diesem Artikel
Das Hand-Fuß-Syndrom (HFS) ist eine Nebenwirkung verschiedener Krebsmedikamente, insbesondere des oral als Tablette eingenommenen Chemotherapeutikums Capecitabin. Es äußert sich meist durch schmerzhafte Rötung, Schwellung und mitunter Krusten und Wunden an Händen und Füßen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Schweregrade der Beschwerden:
- Grad 1: Missempfindungen oder Kribbeln an Händen und Füßen.
- Grad 2: Schmerzlose Schwellung oder Rötung und Beschwerden beim Gehen oder Greifen.
- Grad 3: Entzündungen und schmerzhafte Schwellungen an Handflächen, Fußsohlen, Zehennägeln und ihrer Umgebung.
- Grad 4: Geschwüre, Hautabschuppung, starke Schmerzen, Blasenbildung sowie eingewachsene oder sich ablösende Nägel.

Capecitabin wird häufig bei Magen-Darm-Krebs und Brustkrebs eingesetzt. Bei 25-75% der Behandelten treten unterschiedliche Grade des Hand-Fuß-Syndroms auf. Es ist meist nicht lebensbedrohlich, kann die Lebensqualität jedoch deutlich beeinträchtigen. Besonders wichtig ist, dass es eine Verringerung der Capecitabin-Dosis erfordern und dadurch die Gesamtwirksamkeit der Behandlung mindern kann. Bei 10-25% führt es zu einer Dosisreduktion und bei etwa 10% sogar zum vollständigen Abbruch.
Frühere Studien deuteten darauf hin, dass orale nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) das Hand-Fuß-Syndrom lindern könnten. Wegen ihrer eigenen Nebenwirkungen und Einschränkungen waren jedoch Alternativen nötig. Deshalb wurde die topische, auf die Haut aufgetragene Anwendung des NSAR Diclofenac untersucht. Beispiele sind Diclomec Gel, Dikloron Gel und Voltaren Emulgel.
Die Ergebnisse dieser innovativen Studie wurden auf der ASCO-Jahrestagung 2023 der American Society of Clinical Oncology vorgestellt. Sie geben neue Hoffnung, Capecitabin-Nebenwirkungen besser zu behandeln und Patienten eine längere Fortsetzung der Therapie zu ermöglichen.
Einzelheiten der Studie
In der klinischen Studie D-TORCH behandelten Forschende Patienten mit topischem Diclofenac, um die dermatologische Funktionsskala (DFS) zu verbessern. Sie beobachteten einen deutlichen Rückgang sowohl des Anteils mit HFS vom Grad 2 oder höher als auch des Auftretens von HFS insgesamt. Diese Befunde sprechen dafür, dass Diclofenac Schwere und Häufigkeit des Syndroms verringern kann.
Das ist wichtig, um die Behandlungserfahrung und Lebensqualität zu verbessern und Patienten länger unter wirksamen Therapien zu halten.
D-TORCH untersucht topisches Diclofenac zur Vorbeugung von HFS vom Grad 2 oder höher bei Brust- oder Magen-Darm-Krebspatienten unter Capecitabin. Es ist die erste randomisierte klinische Studie zu dieser Frage. Die 264 Teilnehmer der indischen Untersuchung erhielten Diclofenac- oder Placebo-Gel.

Die Studienergebnisse:
- HFS vom Grad 2 oder höher trat unter auf die Haut aufgetragenem Diclofenac bei 3,8% auf, unter Placebo bei 15% (P = 0,003).
- HFS aller Schweregrade trat bei 6,1% gegenüber 18,1% auf.
- Zudem nahm die Lebensqualität vom Ausgangswert bis zur Nachbeobachtung, also bis zur HFS-Entwicklung oder nach 12 Wochen, unter Diclofenac weniger stark ab als unter Placebo.
- HFS-bedingte Capecitabin-Dosisreduktionen waren unter Diclofenac etwa 3-mal seltener als unter Placebo (3,8% gegenüber 13,5%). Das könnte für den onkologischen Nutzen wichtig sein. In beiden Gruppen blieb die Therapietreue mit über 90% durchgehend hoch.
Diclofenac zusätzlich zu Capecitabin kann somit Nebenwirkungen reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Dieser Fortschritt könnte Patienten ermöglichen, länger von wirksameren Krebsbehandlungen zu profitieren, und neue Hoffnung im Kampf gegen Krebs geben.
Quellen
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.




Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.