Was ist eine platinbasierte Chemotherapie? Informationen über häufig eingesetzte wirksame Krebsmedikamente

In diesem Artikel
Die platinbasierte Chemotherapie nimmt einen wichtigen Platz in der Krebsbehandlung ein und hat vielen Patienten Hoffnung gegeben. Sie richtet sich gegen Krebszellen und ermöglicht eine wirksame Bekämpfung. Dieser Artikel erklärt ausführlich, was eine platinbasierte Chemotherapie ist, wie sie wirkt und welche Nebenwirkungen sie haben kann.
Hinweis: Die englische Bezeichnung lautet „platinum-based“. Statt „platinbasiert“ werden auch die Ausdrücke „auf Platinbasis“, „platinhaltig“ oder „Platin enthaltend“ verwendet. Am häufigsten ist jedoch die Bezeichnung „platinbasiert“.
Was ist eine platinbasierte Chemotherapie?
Die platinbasierte Chemotherapie ist eine Form der Krebsbehandlung mit Medikamenten, die Platinionenverbindungen enthalten.
Diese Medikamente werden zur Behandlung vieler Krebsarten eingesetzt. Sie können zahlreiche Krebszellen wirksam abtöten, zugleich aber auch schwere Nebenwirkungen verursachen.
Ein kurzer Überblick über die überraschende Geschichte der Platinverbindungen
Die Geschichte der ersten Platinverbindung Cisplatin beginnt 1844 im Labor des italienischen Chemikers Michele Peyrone. Ihm gelingt die Synthese von Cisplatin, doch damals wird nicht angenommen, dass die Verbindung biologisch aktiv ist. Über viele Jahre ist sie als „Peyrone-Lösung“ bekannt.
Das tatsächliche Potenzial von Cisplatin entdeckt jedoch erst 1965 der Biophysiker Barnett Rosenberg. Bei der Untersuchung elektrischer Felder auf das Bakterienwachstum bemerkt er, dass exponierte Bakterien aufhören zu wachsen und kleiner werden. Rosenberg und sein Team finden heraus, dass das Phänomen nicht auf den elektrischen Strom, sondern auf eine von den Elektroden freigesetzte Platinverbindung zurückgeht. Sie nennen diese Verbindung „Cisplatin“.
Rosenberg vermutet, dass die neue Verbindung auch gegen Tumoren wirken könnte, und beginnt, ihre krebshemmende Wirkung in Mausmodellen zu untersuchen. Die Experimente zeigen eine wirksame Verkleinerung von Tumoren bei Mäusen. Diese Ergebnisse werden 1969 in der angesehenen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Nachfolgend: Barnett Rosenberg und Loretta Van Camp beim Erproben von Cisplatin an Mäusetumoren

Diese Entdeckung weckt das Interesse des National Cancer Institute der Vereinigten Staaten, das beschließt, klinische Studien mit Cisplatin zu unterstützen. 1972 beginnen die ersten klinischen Studien bei Patienten mit fortgeschrittenem Hodenkrebs. 1978 erhält Cisplatin von der FDA die Zulassung zur Behandlung von Hodenkrebs. Diese Zulassung revolutioniert die Behandlung, und Cisplatin verlängert das Überleben von Patienten mit Hodenkrebs deutlich.
Platinbasierte Chemotherapie im Überblick
Zu den am häufigsten eingesetzten platinbasierten Chemotherapeutika gehören:
- Cisplatin: das erste platinbasierte Chemotherapeutikum. Es wurde 1978 zur Krebsbehandlung entwickelt und zugelassen und wird bei Hoden-, Eierstock-, Blasen-, Lungenkrebs und vielen weiteren Krebsarten eingesetzt.
- Carboplatin: eine veränderte Form von Cisplatin mit einem ähnlichen Wirkmechanismus, aber weniger Nebenwirkungen. Es wird bei Eierstock-, Lungenkrebs und weiteren Krebsarten eingesetzt.
- Oxaliplatin: wird bei kolorektalem Krebs, also Dickdarm- und Enddarmkrebs, meist zusammen mit anderen Medikamenten eingesetzt.
Die häufigsten platinbasierten Chemotherapieschemata
Platinbasierte Chemotherapeutika werden meist mit anderen Chemotherapeutika kombiniert. Hier einige häufig verwendete Schemata:
- BEP: ein Schema zur Behandlung von Hodenkrebs mit Bleomycin, Etoposid und Cisplatin.
- FOLFOX: ein Schema zur Behandlung von kolorektalem Krebs mit Folinsäure (Leucovorin), 5-Fluorouracil und Oxaliplatin.
- Carboplatin und Paclitaxel: eine häufige Kombination zur Behandlung von Eierstockkrebs.
- Cisplatin und Pemetrexed: häufig beim Adenokarzinom als Unterform des Lungenkrebses eingesetzt.
Onkologen verabreichen Chemotherapien meist intravenös, also durch Injektionen in eine Vene. Oft werden sie mit weiteren fortgeschrittenen Verfahren wie Strahlentherapie oder zielgerichteten Therapien kombiniert. Das Chemotherapieschema wird individuell nach Krebsart, aktuellem Krankheitsstadium, allgemeinem Gesundheitszustand und verschiedenen weiteren Faktoren festgelegt.
Wie die platinbasierte Chemotherapie wirkt
Platinbasierte Chemotherapeutika greifen in schnell teilenden Zellen, einschließlich Krebszellen, die DNA an und verändern sie. Sie gehen chemische Bindungen mit DNA-Molekülen in den Zellen ein und verursachen dadurch strukturelle Veränderungen und Schäden. Diese stören die Zellteilung und verhindern, dass weitere Krebszellen entstehen. DNA-Schäden lösen außerdem den programmierten Zelltod, die Apoptose, aus. Indem diese Medikamente die Apoptose in Krebszellen auslösen, tragen sie zur Beseitigung des Krebsgewebes bei.
Studien des vergangenen Jahrzehnts zeigten, dass platinbasierte Chemotherapeutika, insbesondere Oxaliplatin, einen immunogenen Zelltod auslösen. Dabei werden Krebszellen abgetötet und das Immunsystem angeregt, sie zu erkennen und anzugreifen. Dies stärkt die Fähigkeit des Körpers, den Krebs zu beseitigen.
Wie wirksam ist die platinbasierte Chemotherapie?
Weltweit haben Fachleute platinbasierte Chemotherapeutika klinisch als Medikamente der ersten Wahl gegen Krebserkrankungen anerkannt.
Zu den Krebsarten, die damit behandelt werden können, gehören:
- Lymphome
- Hodenkrebs
- Brustkrebs
- Eierstockkrebs
- Kopf-Hals-Tumoren
- Lungenkrebs
- Gebärmutterhalskrebs
- Sarkome
Viele Patienten sprechen zunächst gut auf Cisplatin an. Mit der Zeit erleiden manche jedoch einen Rückfall, also ein erneutes Auftreten der Krankheit, und entwickeln eine Arzneimittelresistenz. Dadurch sinkt die Gesamtwirksamkeit der Behandlung. Auch unter Carboplatin besteht eine ähnliche Neigung zur Resistenzentwicklung. Bei Oxaliplatin, einem platinbasierten Wirkstoff der dritten Generation, ist diese Wahrscheinlichkeit zwar geringer, doch es hat sich nicht bei einem so breiten Spektrum von Krebsarten als wirksam erwiesen wie andere Platinmedikamente.
Nebenwirkungen der platinbasierten Chemotherapie
Die platinbasierte Chemotherapie richtet sich vor allem gegen schnell teilende Krebszellen, kann aber auch gesunde Zellen mit hoher Teilungsrate beeinträchtigen. Dies ist einer der Gründe für häufige Nebenwirkungen in Bereichen wie Knochenmark, Verdauungstrakt und Haarfollikeln.
Häufige Nebenwirkungen können sein:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Haarausfall
- Geschmacksverlust
- Schluckauf
- Dunkler Urin
- Mundtrockenheit
- Vermindertes Schwitzen
- Durst
- Trockene Haut
Was ist von einer platinbasierten Chemotherapie zu erwarten?
Platinbasierte Chemotherapeutika werden meist intravenös (IV) oder durch Injektion verabreicht. Dabei können die Medikamente innerhalb kurzer Zeit mit einer Spritze über einen Katheter rasch in eine Vene gegeben werden. Alternativ fließt eine gemischte Medikamentenlösung aus einem Kunststoffbeutel durch einen Schlauch in den Katheter; dies kann Minuten bis Stunden dauern.
Menschen, die eine längerfristige Chemotherapie benötigen, können von einem zentralvenösen Katheter (ZVK, Portkatheter) profitieren. Ein Portkatheter wird in eine große Vene im Brust- oder Armbereich eingesetzt und verbleibt dort während der Behandlung. Dieser intravenöse Zugang ermöglicht die Medikamentengabe ohne wiederholte Nadelstiche.
Platinbasierte Chemotherapie zusammengefasst
Platinbasierte Chemotherapeutika sind eine Gruppe platinhaltiger Medikamente zur Behandlung verschiedener Krebsarten. Sie richten sich gegen schnell teilende Krebszellen, greifen in deren DNA ein und führen dadurch zum Zelltod. Wir setzen sie häufig bei Hoden-, Eierstock-, Blasen- und Lungenkrebs ein. Ihre Wirksamkeit hängt von Krebsart, Stadium und Allgemeinzustand des Patienten ab. Sie können jedoch ein starkes Mittel zur Tumorverkleinerung und zum Einleiten einer Remission, also eines Rückgangs der Erkrankung, sein.
Die Medikamente werden intravenös verabreicht und können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall verursachen. Engmaschige Überwachung, ausreichende Aufklärung und unterstützende Versorgung sind entscheidend, um diese möglichen Nebenwirkungen zu behandeln und bestmögliche Ergebnisse für Patienten mit einer platinbasierten Chemotherapie zu erzielen.
Quellen
2. Kelland, L. (2007). The resurgence of platinum-based cancer chemotherapy. Nature Reviews Cancer, 7(8), 573-584. DOI: 10.1038/nrc2167
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