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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Welche Erstlinienbehandlungen sind beim fortgeschrittenen Melanom am wirksamsten?

Welche Erstlinienbehandlungen sind beim fortgeschrittenen Melanom am wirksamsten?
In diesem Artikel

Das Melanom ist eine Unterform, die nur etwa 5% aller Hautkrebserkrankungen ausmacht. Wegen seines biologisch bedingten Potenzials zur rascheren Ausbreitung muss es jedoch engmaschig beobachtet werden. Weltweit erhalten jedes Jahr etwa 325.000 Menschen eine Melanomdiagnose; 20% bis 25% haben bei der Diagnose bereits eine fortgeschrittene Erkrankung (Stadium III–IV) . Daher ist die Kenntnis aktueller und wirksamer Behandlungsmöglichkeiten beim fortgeschrittenen Melanom für die Patientenversorgung von entscheidender Bedeutung.

Einer der wichtigsten Meilensteine war 2011 die FDA-Zulassung des CTLA-4-Inhibitors Ipilimumab (Yervoy) . Dadurch begann mit Immuntherapien eine neue Ära der Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms. Als erster immunologischer Ansatz mit langfristigem Überlebensnutzen veränderten sie das Behandlungsparadigma grundlegend. Insbesondere bei Patienten ohne BRAF-Mutation (BRAF-Wildtyp) ist die Immuntherapie heute als Standard in der Erstlinie etabliert.

Bei der Entscheidung über eine Immuntherapie müssen jedoch auch die molekularen Merkmale berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist hier das BRAF-Gen, das an den das Zellwachstum regulierenden MAPK/ERK-Signalwegen beteiligt ist. Seine häufigste Mutation V600E findet sich bei etwa 40–50% der Melanompatienten. Das Vorliegen der Mutation ist entscheidend für zielgerichtete Behandlungen mit BRAF- und MEK-Inhibitoren. Daher wird vor Behandlungsbeginn bei allen Patienten mit fortgeschrittenem Melanom eine BRAF-Mutationsanalyse empfohlen.

Nachfolgend wird die Auswahl der systemischen Erstlinientherapie bei kutanem Melanom im Stadium 4 ohne Hirnmetastasen zusammengefasst:

Vorgehen bei der Auswahl der ersten systemischen Therapie für Patienten mit extrakraniell metastasiertem kutanem Melanom

Vor dem Hintergrund dieser wissenschaftlichen und klinischen Entwicklungen sind dies die wirksamsten Erstlinienoptionen beim fortgeschrittenen Melanom und ihre klinische Bedeutung:


Die wirksamsten Erstlinienbehandlungen

1. Nivolumab + Ipilimumab (bevorzugte Kombination)

Warum wird sie bevorzugt?

Die Kombination aus Nivolumab (PD-1-Inhibitor) und Ipilimumab (CTLA-4-Inhibitor) bietet bei metastasiertem Melanom die bisher längsten Überlebensergebnisse. Insbesondere bei aggressivem Verlauf, beispielsweise erhöhtem LDH sowie Leber- und Hirnmetastasen, gilt sie als besonders vorteilhafte Option.

Vergleich des 10-Jahres-Überlebens in der CheckMate-067-Studie: Nivolumab und Ipilimumab beim Melanom

Ergebnisse der CheckMate-067-Studie

  • Gesamtüberleben (OS) nach 10 Jahren:

    • Nivolumab + Ipilimumab: 43%

    • Nivolumab allein: 37%

    • Ipilimumab allein: 19%

  • Progressionsfreies Überleben (PFS) nach 10 Jahren:

    • Nivolumab + Ipilimumab: 31%

    • Nivolumab: 23%

    • Ipilimumab: 6%

  • Melanomspezifisches Überleben (MSS) nach 10 Jahren:

    • Nivolumab + Ipilimumab: 52%

    • Nivolumab: 44%

    • Ipilimumab: 23%

In der BRAF-Wildtyp-Untergruppe:

  • OS-Raten nach 10 Jahren:

    • Nivolumab + Ipilimumab: 39%

    • Nivolumab: 37%

    • Ipilimumab: 17%

Nebenwirkungen:

  • Nebenwirkungen vom Grad ≥3 treten zwar bei 63% auf, doch ein langfristiger Nutzen kann auch nach Beendigung der Behandlung anhalten.

2. Nivolumab + Relatlimab (besser verträgliche alternative Kombination)

Für wen wird sie bevorzugt?

Für Patienten, die Nivolumab + Ipilimumab wegen eines hohen Toxizitätsrisikos nicht vertragen würden, wenn zugleich eine wirksamere Behandlung als eine PD-1-Monotherapie gewünscht ist.

Wirksamkeitsvergleich Nivolumab + Relatlimab versus Nivolumab: Ergebnisse der RELATIVITY-047-Studie

Ergebnisse der RELATIVITY-047-Studie

  • Medianes PFS:

    • Nivolumab + Relatlimab: 10 Monate

    • Nivolumab: 5 Monate

  • PFS-Rate nach 2 Jahren:

    • Nivolumab + Relatlimab: 39%

    • Nivolumab: 29%

  • Gesamtüberleben (OS) nach 3 Jahren:

    • Nivolumab + Relatlimab: 56%

    • Nivolumab: 48%

Nebenwirkungen:

  • Die Rate von Nebenwirkungen vom Grad ≥3 ist mit 21% niedriger.

3. PD-1-Inhibitoren als Monotherapie (Nivolumab oder Pembrolizumab)

Für wen werden sie bevorzugt?

Eine ideale Option für Patienten, die Kombinationstherapien nicht vertragen oder eine geringere Krankheitslast aufweisen.

Klinische Befunde:

  • Pembrolizumab (KEYNOTE-006-Studie)

    • OS nach 7 Jahren: 38%

    • PFS nach 7 Jahren: 24%

  • Nivolumab (CheckMate-066-Studie)

    • OS nach 3 Jahren: 51% (Dacarbazin-Kontrollgruppe: 22%)

    • PFS nach 3 Jahren: 32% (Kontrollgruppe: 3%)

Nebenwirkungen:

  • Seltener und leichter als unter Kombinationen.


Wichtige Aspekte der Therapieentscheidung

  • Nivolumab + Ipilimumab ist die hinsichtlich des Überlebens wirksamste Option; das hohe Toxizitätsrisiko muss jedoch berücksichtigt werden.

  • Nivolumab + Relatlimab ist eine besser verträgliche und gegenüber Monotherapien wirksamere Alternative.

  • PD-1-Inhibitoren allein, Nivolumab oder Pembrolizumab, bieten insbesondere älteren Patienten und Menschen mit Begleiterkrankungen eine sichere Option.


Weitere aktuelle und in Erforschung befindliche Ansätze

Pembrolizumab + Lenvatinib (LEAP-004)

  • Zeigt insbesondere bei Patienten mit Resistenz gegen PD-1-/PD-L1-Inhibitoren vielversprechende Ergebnisse.

  • In der LEAP-004-Studie betrug die objektive Ansprechrate (ORR) 21%, die mediane Ansprechdauer 8 Monate; bei Patienten mit vorausgegangener dualer Immuntherapie lag die ORR bei 33%.

  • Diese Kombination gehört noch nicht zur klinischen Routine, sondern wird untersucht.

Kombination aus Pembrolizumab + Ipilimumab

  • Zeigte in frühen Studien wie KEYNOTE-129 Wirksamkeit.

  • Es wurde ein Potenzial für eine ähnliche Wirkung bei geringerer Toxizität als unter Nivolumab + Ipilimumab gezeigt.

  • Mangels ausreichend vieler randomisierter klinischer Studien wird die Kombination jedoch noch nicht als Standardbehandlung empfohlen.

GM-CSF + hoch dosiertes Ipilimumab (E1608)

  • Die Ergänzung um GM-CSF ging mit längerem Überleben und geringerer Toxizität einher.

  • Für die Übernahme in die klinische Praxis sind jedoch weitere Belege erforderlich.

Mikrobiota und FMT

  • Das Darmmikrobiom hat einen wichtigen Einfluss auf das Ansprechen auf Immuntherapien.

  • Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) zeigte in frühen Studien bei immuntherapieresistentem Melanom Wirksamkeit.

  • Dieser Ansatz befindet sich weiterhin in der Erforschung.

T-VEC + Immuntherapie

  • Die Kombination des onkolytischen Virus T-VEC mit Immuntherapie zeigte in frühen Studien vielversprechende Ergebnisse.

  • Da in Phase-III-Studien jedoch kein signifikanter Beitrag zum Gesamtüberleben nachgewiesen wurde, gilt sie weiterhin als experimentell.

Hirnmetastasen

  • Bei Patienten mit Hirnmetastasen kann Nivolumab + Ipilimumab einen erheblichen klinischen Nutzen bieten.

  • Ein multidisziplinärer Ansatz und eine neuroonkologische Beurteilung sind erforderlich.

Nichtkutanes Melanom (mukosaler und uvealer Typ)

  • Bei diesen Unterformen liegt meist keine BRAF-Mutation vor.

  • Die systemische Behandlung unterscheidet sich und muss gesondert beurteilt werden.

Dauer der Immuntherapie und Entscheidungen über die Fortführung

  • Bei stabiler Erkrankung oder partiellem Ansprechen wird die Immuntherapie in der Regel 2 Jahre angewendet.

  • Bei komplettem Ansprechen kann die Behandlung nach mindestens 6 Monaten beendet werden.

Behandlungsansätze nach Progression

  • Progression nach Nivolumab + Ipilimumab: Alternativen wie klinische Studien, TIL-Therapie oder Nivolumab + Relatlimab.

  • Progression nach Relatlimab: Nivolumab + Ipilimumab kann erneut bevorzugt werden.

  • Nach einem PD-1-Inhibitor allein können kombinierte Immuntherapien erwogen werden


Zusammenfassung und Fazit

Die Erstlinienbehandlung bei fortgeschrittenem Melanom ohne BRAF-Mutation sollte unter Berücksichtigung von Schwere und Ausbreitung der Erkrankung sowie Allgemeinzustand des Patienten gewählt werden.

  • Wirksamste Option: Nivolumab + Ipilimumab

  • Besser verträgliche Alternative: Nivolumab + Relatlimab

  • Monotherapieoption mit geringer Toxizität: Nivolumab oder Pembrolizumab

Immuntherapiebasierte Ansätze beim fortgeschrittenen Melanom gehören heute zu den erfolgreichen Beispielen personalisierter Medizin und verlängern die Lebenszeit deutlich.

DROZDOGAN KI

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Drozdogan-Assistent

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