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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie
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Welche langfristigen Folgen hat eine Covid-19-Infektion? 50 Symptome

Welche langfristigen Folgen hat eine Covid-19-Infektion? 50 Symptome
In diesem Artikel

Das schwere akute respiratorische Syndrom-Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) wurde erstmals im Dezember 2019 in China nachgewiesen. Im seitdem vergangenen Jahr infizierten sich weltweit mehr als 100 Millionen Menschen, und mehr als 2 Millionen starben an der auch als „Coronavirus-Krankheit – 2019“ bezeichneten Covid-19 Erkrankung.

Obwohl Wissenschaft und Medizin mit einem beispiellosen Einsatz die genetische Sequenzierung des SARS-CoV-2-Virus (Bestimmung der Sequenz), die Diagnostik, die Behandlung und die Prävention durch Impfung bewältigt haben, sind die bei Menschen nach der akuten Krankheitsphase auftretenden langfristigen Folgen noch nicht geklärt.

Welche chronischen Symptome treten nach Covid-19 auf?

Bislang gibt es für Menschen, bei denen COVID-19 bleibende Folgeschäden hinterlassen hat (nach einer Erkrankung zurückbleibende Störungen) , keinen festgelegten Begriff für diesen anhaltenden Zustand. In verschiedenen Artikeln wurde er dennoch mit den folgenden Begriffen beschrieben:

  • Long-COVID-19
  • Long Haulers
  • Post-acute COVID-19
  • Persistent COVID-19 Symptoms (anhaltende Covid-19-Symptome)
  • Post COVID-19 Manifestations (Symptome nach Covid-19)
  • Long-term COVID-19 Effects (langfristige Covid-19-Folgen)
  • Post Covid-19 Syndrome (Syndrom nach Covid-19)

Was geschieht nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung?

Die vom SARS-CoV-2-Virus verursachte Covid-19-Erkrankung kann in den Wochen bis Monaten nach der ersten Genesung Folgeschäden und andere medizinische Komplikationen (Probleme) umfassen, die als Long – Covid oder Covid long – haulers bezeichnet werden. Wenn nach der Genesung von Covid-19 der gesundheitliche Ausgangszustand nicht vollständig wieder erreicht wird und anhaltende Symptome, Befunde oder abnorme klinische Abweichungen bestehen, kann dies also auf mögliche langfristige Folgen der Erkrankung hinweisen.

Mit einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Analyse früherer Daten) wurde eine Studie durchgeführt, die die langfristigen Folgen von Covid-19 beschreiben sollte. Dazu wurden entsprechende Artikel untersucht, um die Häufigkeit sämtlicher bislang über die akute Phase von Covid-19 hinaus andauernder Symptome, Befunde oder abnormer Laborparameter zu bestimmen.

Was ist eine Metaanalyse? Metaanalysen sind die umfassendsten Untersuchungen, die die Ergebnisse mehrerer voneinander unabhängiger Studien zu einem bestimmten Thema zusammenführen und die gewonnenen Befunde statistisch analysieren. Die Ergebnisse von Metaanalysen sind wissenschaftlich die stärksten Belege.

Für die Studie wurden bis zum 1. Januar 2021 Artikel gesucht, die bestimmte Schlüsselwörter verwendeten (Langzeit-Covid, chronische Zustände nach Covid, Komplikationen, wiederkehrende Zustände, anhaltende Zustände und Genesungsprozess), mindestens 100 Personen umfassten, Symptome, Befunde und Parameter berichteten und auf Englisch in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht worden waren.

Welche langfristigen Folgen hat Covid-19?

Welche langfristigen Folgen hat Covid 19 chronische Symptome

In der Studie mit 47910 Patienten im Alter von 17 – 87 Jahren betrug die Nachbeobachtungszeit nach einer Virusinfektion zwischen 14 und 110 Tagen. Aufgrund der Studienergebnisse wird geschätzt, dass 80% der Patienten ein oder mehrere langfristige Symptome entwickelten . Es wurde jedoch nicht ermittelt, ob ein Zusammenhang mit Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, zugrunde liegenden gesundheitlichen Problemen, Viruslast oder fortgeschrittener Erkrankung bestand. Die meisten dieser Symptome ähneln denen der akuten Phase von Covid-19.

Die 5 häufigsten langfristigen Folgen der Infektion mit dem neuen Coronavirus sind:

  • Müdigkeit (58%) (bei Frauen häufiger)
  • Kopfschmerzen (44%)
  • Aufmerksamkeitsstörungen (27%)
  • Haarausfall (25%)
  • Atemnot (24%)

Solche Veränderungen wurden überwiegend bei Menschen berichtet, die schweres und kritisches Covid-19 überstanden hatten. Langfristige Folgen traten jedoch auch bei Menschen mit leichter Infektion auf, die nicht ins Krankenhaus mussten.

Weitere langfristige Folgen:

Lungenerkrankungen

  • Husten
  • Brustschmerzen
  • Verminderte pulmonale Diffusionskapazität (O2-CO2-Austausch in der Lunge)
  • Schlafapnoe
  • Lungenfibrose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen)
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)

Neurologische Erkrankungen

  • Demenz
  • Depression
  • Angst (Ängstlichkeit)
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Zwangsstörungen (OKB)

Darüber hinaus gibt es Symptome wie Haarausfall, Ohrensausen und Nachtschweiß, die nicht keiner bestimmten Ursache zugeordnet werden können.

Müdigkeit

Müdigkeit ist die am häufigsten beobachtete langfristige Folge von Covid-19 (58%).

Bei Erkrankungen wie dem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) wurden selbst ein Jahr nach der Genesung bei mehr als zwei Dritteln der Patienten klinisch bedeutsame Müdigkeitssymptome beobachtet. Auch bei akutem Covid-19 gibt es Menschen, die noch 100 Tage nach den ersten Symptomen Müdigkeit zeigen.

Das Auftreten von teilweise starker Müdigkeit, Schmerzen, neurokognitiven Einschränkungen und Schlaflosigkeit nach Covid-19 ähnelt dem Chronischen Müdigkeitssyndrom (KYS). Zu dessen Ursachen zählen Viren, Immundysfunktion (Störung des Immunsystems), endokrin-metabolische Dysfunktion und neuropsychiatrische Faktoren. Mit KYS verbundene Infektionserreger sind Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus, Enterovirus und Herpesvirus. Deshalb wird angenommen, dass SARS-CoV-2 in die Liste der Viren aufgenommen werden könnte, die KYS verursachen.

Neurologische Symptome: Kopfschmerzen und Aufmerksamkeitsstörungen

Die neurologischen Symptome Kopfschmerzen und Aufmerksamkeitsstörungen gehören zu den fünf häufigsten Langzeitfolgen. Auch Anosmie (Geruchsverlust – 21%) zählt zu den häufigen langfristigen Symptomen, obwohl sie nicht unter den ersten fünf liegt. Darüber hinaus wird angenommen, dass auch geistige Benommenheit und Neuropathie (durch Nervenschäden bedingter Verlust von Sensorik und Motorik) langfristige Folgen von Covid-19 sein könnten, obwohl sie in den ausgewerteten Artikeln nicht vorkamen.

Erwachsene können nach einer Covid-19-Diagnose außerdem ein Risiko für eine neue psychiatrische Erkrankung haben. Am häufigsten wurden dabei Angststörungen, Schlaflosigkeit (die auch zu weiteren psychiatrischen Problemen führen kann) und Demenz beobachtet.

Haarausfall

Haarausfall nach Covid-19 wird als Telogen Effluvium eingeordnet, also als Haarausfall nach einer Infektion oder einem Faktor, der erheblichen systematischen Stress verursacht. Er entsteht durch einen vorzeitigen Übergang der Follikel von der aktiven Wachstumsphase (Anagen) in die Ruhephase (Telogen). Er dauert ungefähr 3 Monate, kann jedoch emotional belastend sein.

Atemnot

Bei 24% der Covid-19-Patienten ist Atemnot und bei 19% Husten ein Symptom. Selbst 60 bis 100 Tage nach der Diagnose bestanden bei 35% der Patienten dieser Zustand und Auffälligkeiten in Lungen-CT-Untersuchungen (Computertomografie) weiter. Bei 10% der Patienten liegen Lungenerkrankungen wie eine verminderte pulmonale Diffusionskapazität vor. 

In einer chinesischen Studie mit stationär behandelten Covid-19-Patienten, die keinen schweren Verlauf hatten, wurde ebenfalls berichtet, dass bei zwei Dritteln selbst 90 Tage nach der Entlassung noch radiologische Abweichungen bestanden.

Obwohl sie in den ausgewerteten Artikeln nicht erwähnt wurden, gehören auch folgende Symptome zu den festgestellten 50 langfristigen Folgen:
  • Plötzlicher Gewichtsverlust
  • Ohrenschmerzen
  • Augenprobleme
  • Niesen
  • Kalte Nase
  • Brennendes Gefühl in der Luftröhre
  • Schwindelgefühl
  • Herzklopfen
  • Schmerzen oder Brennen in der Lunge
  • Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Sicca-Syndrom (auch Trockenheitssyndrom genannt; Trockenheit von Mund und Augen)
  • Vertigo
  • Körperschmerzen
  • Konfusion (Bewusstseinstrübung)
Außerdem wurde in den Studiendaten ein Anstieg der folgenden Marker berichtet:
  • D-Dimer (20%)
  • NT-proBNP (11%)
  • C-reaktives Protein (CRP) (8%)
  • Serumferritin (8%)
  • Prokalzitonin (PCT) (4%)
  • IL-6 (3%)

Warum hat Covid-19 langfristige Folgen?

Der Grund dafür, dass manche Patienten nach COVID-19 langfristig Symptome haben, ist unklar. Dies lässt sich teilweise durch genetische Veranlagung, das Alter des Patienten, Dosis und Weg der Infektion, das Eindringen entzündungshemmender Zellen und Proteine, das Vorliegen gleichzeitiger Infektionen sowie frühere Exposition gegenüber kreuzreaktiven Stoffen erklären. Dies sind vom Wirt kontrollierte Faktoren, die den Ausgang einer Virusinfektion beeinflussen.

Ob SARS-CoV-2, ähnlich den während der Genesung bei Viren wie HIV, Hepatitis-C-Virus (HCV), dem Hepatitis-B-Virus (HBV) und einigen Herpesviren beobachteten chronischen Läsionen, erhebliche Gewebeschäden verursachen kann, die zu einer chronischen Form der Erkrankung führen, ist weiterhin unbekannt.

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ZUGEHÖRIGES VIDEO: Covid-19-Symptome? An welchem Tag treten welche Symptome auf?

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Quellen

Sandra Lopez-Leon, Talia Wegman-Ostrosky, Carol Perelman, Rosalinda Sepulveda, Paulina A Rebolledo, Angelica Cuapio, Sonia Villapol. More than 50 Long-term effects of COVID-19: a systematic review and meta-analysis. medRxiv Posted January 30, 2021.
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Drozdogan-Assistent

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