Wie hoch ist das lebenslange Magenkrebsrisiko bei Trägern einer CDH1-Mutation?

In diesem Artikel
Bedeutung einer erblichen CDH1-Genmutation
CDH1, das Cadherin-1-Gen, ermöglicht die Verbindung zwischen Zellen und trägt so zur gesunden Bildung von Geweben und Organen bei. Es liegt auf Chromosom 16 und spielt insbesondere für die Zelladhäsion eine entscheidende Rolle. Strukturelle Mutationen dieses Gens können jedoch das Krebsrisiko erhöhen. CDH1-Mutationen sind stark mit bestimmten Krebsarten verbunden, insbesondere mit Magen- und Brustkrebs.
Erbliche Mutationen sind genetische Veränderungen, die von den Eltern übernommen werden und meist von Geburt an bestehen. Andere Veränderungen entstehen im Laufe des Lebens durch Umweltfaktoren oder weitere Einflüsse im genetischen Material. Sie werden als somatische Mutationen bezeichnet.
Schätzungsweise etwa 3% aller Magenkrebserkrankungen gehen auf erbliche Mutationen zurück.
Magenkrebs und CDH1: Wie hoch ist das Risiko laut einer neuen Studie?
Pathogene (pathogenic) oder wahrscheinlich pathogene (likely pathogenic) Veränderungen im CDH1-Gen erhöhen das Magenkrebsrisiko.
„Pathogen“ bezeichnet genetische Veränderungen, die eine Krankheit verursachen können. „Wahrscheinlich pathogen“ beschreibt dagegen Varianten mit diesem Potenzial, für die noch weitere Daten benötigt werden.
Geringeres Risiko als bisher angenommen
Eine am 14. Juli 2024 in JAMA veröffentlichte neue Studie zeigte, dass das Magenkrebsrisiko bei Trägern von CDH1-Mutationen niedriger als bisher angenommen sein könnte. Es bleibt jedoch höher als in der Allgemeinbevölkerung.
Insbesondere eine familiäre Vorgeschichte von Magenkrebs erhöht das Risiko zusätzlich.
In der neuen Untersuchung wurde das lebenslange Magenkrebsrisiko bei Männern mit CDH1-Mutation auf 10% und bei Frauen auf 7% geschätzt.
Bei Personen mit drei erstgradigen Verwandten mit Magenkrebs kann dieses Risiko bis zu 38% betragen.
Etwa 3% aller Magenkrebserkrankungen lassen sich erblichen Faktoren zuschreiben. Dies unterstreicht die Bedeutung genetischer Tests und der Familienanamnese für die Krebsprävention.
Helicobacter pylori und erbliche Faktoren: Eine Kombination, die das Magenkrebsrisiko erhöht
Helicobacter pylori (H. pylori) ist ein mit Magenkrebs und Magengeschwüren verbundenes Bakterium. Schätzungsweise die Hälfte der Weltbevölkerung ist damit infiziert. In Kombination mit bestimmten Mutationen von DNA-Reparaturgenen wurde das höchste Magenkrebsrisiko beobachtet. Diese Kombination macht eine Krebsentstehung bei Menschen mit erblichen Risikofaktoren noch wahrscheinlicher. Insbesondere zeigte eine Studie aus Japan, dass die Kombination aus H.-pylori-Infektion und pathogenen Mutationen in DNA-Reparaturgenen das Magenkrebsrisiko erheblich erhöht. Die Befunde deuten darauf hin, dass der Beitrag von Umweltfaktoren zum erblichen Magenkrebsrisiko wichtiger als bislang angenommen ist.
Die frühe Erkennung und wirksame Behandlung einer H.-pylori-Infektion könnte daher bei Menschen mit erblichem Magenkrebsrisiko dieses Risiko erheblich verringern.
CDH1-Mutationstest und seine Bedeutung
Eine genetische Untersuchung zum Nachweis einer CDH1-Mutation kann wichtige klinische Folgen für Betroffene und ihre Familien haben. Die für Mutationsträger empfohlenen Früherkennungs- und Präventionsstrategien können die Chance auf eine frühe Magenkrebsdiagnose erhöhen.
Wenn jemand eine CDH1-Mutation trägt und zugleich mehrere Magenkrebsfälle in der Familie vorliegen, kann zur Risikosenkung eine prophylaktische totale Gastrektomie, also die vollständige Entfernung des Magens, empfohlen werden. Außerdem ist durch regelmäßige Endoskopien und Biopsien eine kontinuierliche engmaschige Überwachung des Magens erforderlich.
Fazit
Eine CDH1-Genmutation birgt für ihre Träger Risiken für Magen- und Brustkrebs. Dies lässt sich durch Früherkennung und individuell zugeschnittene Behandlungspläne angehen. Neuere Studien ermöglichen ein genaueres Verständnis dieser Risiken und damit fundiertere Entscheidungen für Betroffene und ihre Familien. Jeder Mensch mit CDH1-Mutation sollte genetische Beratung und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen erhalten.
Quellen
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