Wussten Sie, dass bei 1 von 7 Lungenkrebserkrankungen erbliche Mutationen vorliegen?

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Mit jährlich mehr als 2 Millionen Neuerkrankungen zählt Lungenkrebs weiterhin zu den häufigsten Krebsarten und steht gemeinsam mit Brustkrebs an der Spitze dieser Liste. Obwohl ein großer Teil der Fälle, etwa 90%, mit dem Rauchen zusammenhängt, ist das Lungenkrebsrisiko nicht bei allen Rauchern gleich. Auch Menschen, die nie geraucht haben, können erkranken. Die Ursachen beschränken sich somit nicht auf Tabakrauch und andere Chemikalien. Genetische Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass bei der Entstehung von Lungenkrebs auch erbliche Faktoren eine Rolle spielen können. Diese aktuellen Erkenntnisse unterstützen einen breiteren Einsatz genetischer Tests in der Diagnostik und Behandlung von Lungenkrebs.
Bei 15% der Lungenkrebspatienten wurden erbliche Mutationen festgestellt
Eine in JCO Precisicion Oncology am 22. November 2023 veröffentlichte Studie zeigte, dass bei etwa jedem siebten genetisch getesteten Lungenkrebspatienten pathogene erbliche genetische Varianten (pathogenic germline variants, PGVs) vorlagen.
HINWEIS: Eine genetische Variante ist ein Unterschied beziehungsweise eine Veränderung der DNA-Sequenz zwischen Individuen. Mutation und genetische Variante werden häufig als austauschbare Begriffe verwendet. Eine pathogene erbliche genetische Variante ist eine krankheitsverursachende Veränderung der DNA-Sequenz, die in der Regel innerhalb einer Familie weitergegeben werden kann.
Diese Häufigkeit liegt über früheren Angaben und deutet darauf hin, dass eine Untersuchung auf erbliche genetische Veränderungen bei allen Lungenkrebspatienten sinnvoll sein könnte.
Die Forschenden untersuchten die Daten von 7788 Lungenkrebspatienten, bei denen im Zeitraum 2015-2022 genetische Tests durchgeführt worden waren.
Für die Untersuchungen wurden Genpanels eingesetzt, die insgesamt 159 verschiedene Gene erfassten. Meist erfolgte die Beurteilung mit einem Panel aus 80-84 Genen (44,1%) oder aus 42-47 Genen (22,4%).

Erläuterung zu den Abbildungen: Genetische Testergebnisse aller Patienten der Studiengruppe. (A) Gesamtergebnisse der genetischen Tests: Anteile mit positivem, Träger-, unklarem oder negativem Befund. (B) Häufigkeit der am häufigsten festgestellten pathogenen erblichen genetischen Veränderungen bei Personen mit positivem Ergebnis.
Bei 14,9% der untersuchten Patienten, insgesamt 1161 Personen, wurde eine pathogene genetische Variante festgestellt. Bei 49,3% fanden sich weder pathogene Veränderungen noch Varianten unklarer Bedeutung. Bei 32,8% waren die Ergebnisse unklar, während 2,9% als Träger bestimmter genetischer Varianten eingestuft wurden.
In einer auf bestimmte Gene konzentrierten Analyse von mehr als 1000 Patienten fanden die Forschenden pathogene genetische Varianten am häufigsten im BRCA2-Gen (2,8%), im CHEK2-Gen (2,1%) und im ATM-Gen (1,9%). Bei 0,9% der Patienten wurden zudem EGFR-Varianten festgestellt.
Von den 1161 Patienten mit pathogenen Varianten kamen 61,3% potenziell für klinische Studien infrage, da sie Varianten in Genen der DNA-Schadensreparatur aufwiesen. Insgesamt hatten 1104 Patienten (95,1%) Befunde in Genen, die das klinische Management anderer Krebsarten beeinflussen könnten.
Die Mehrheit der Patienten mit erblichen krebsassoziierten Mutationen (71,1%) hatte zuvor bereits eine andere Krebsdiagnose erhalten. Am häufigsten waren dies Brustkrebs (33,5%), gastrointestinale Krebserkrankungen (23%) und Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts (15,4%).
Die höchste Häufigkeit pathogener Varianten zeigte sich insbesondere bei Patienten mit früherem Eierstockkrebs (20,2%) und anderen gynäkologischen Krebserkrankungen (18%).
Die Forschenden weisen auf Einschränkungen hin, darunter unterschiedlich große Genpanels und Tests einzelner Gene bei manchen Patienten. Daher könnte der tatsächliche Anteil pathogener genetischer Varianten höher liegen als berichtet.
Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass eine routinemäßige Untersuchung aller Lungenkrebspatienten auf pathogene genetische Varianten (PGV) in Krebsrisikogenen sowohl für die Patienten als auch für ihre Familien nützlich sein könnte. Ein solches Screening könnte zu personalisierten Behandlungsansätzen und einem besseren Verständnis der Risiken für Angehörige beitragen.
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