Beeinflusst die Polypengröße das Krebsrisiko? Größentabelle für Dickdarmpolypen

In diesem Artikel
Dickdarmpolypen sind Zellansammlungen, die im Dickdarm wachsen. Sie können sich in Größe und Form unterscheiden und sowohl gutartig als auch krebsartig sein. Größere Dickdarmpolypen haben im Allgemeinen ein höheres Risiko, sich zu Krebs zu entwickeln. Deshalb ist ihre Größe wichtig (siehe Was sind Polypen und wie sollten Dickdarmpolypen behandelt werden?)
Es gibt keine bestimmte Größe, ab der ein Polyp als krebsartig gilt. Die meisten Fachleute betrachten jedoch einen Polypen ab 1 Zentimeter (cm) Durchmesser als mit hohem Krebsrisiko verbunden .
Die Größe von Dickdarmpolypen
Die folgende Abbildung zeigt die Größe von Dickdarmpolypen und ihren möglichen Zusammenhang mit Krebs:
Einteilung von Dickdarmpolypen nach ihrer Größe
Fachleute teilen die Polypengröße anhand folgender Kriterien ein:
|
Größe des Dickdarmpolypen |
Durchmesser |
Krebsrisiko |
|
Sehr klein |
5 mm und kleiner |
Das Krebsrisiko ist gering. Ein 2020 veröffentlichter Artikel berichtete, dass 75% aller Polypen höchstens 5 mm groß sind und sich nur selten zu kolorektalem Krebs entwickeln. |
|
Klein |
6 - 9 mm |
Das Krebsrisiko ist gering. Eine Untersuchung von 2017 fand bei 6.523 kleinen Polypen keinen Krebs. |
|
Groß |
1 cm und größer |
Größere Dickdarmpolypen können ein höheres Krebsrisiko haben. Fachleute bezeichnen Polypen über 1 cm als „advanced“, also fortgeschritten. Eine frühzeitige Überwachung sollte bereits erfolgen, solange die Polypen noch klein sind. |
Arten von Dickdarmpolypen und ihr Krebsrisiko
Es gibt verschiedene Arten von Dickdarmpolypen, die jeweils ein unterschiedliches Krebsrisiko aufweisen können. Ihre Merkmale und Risiken sind:
|
Beschreibung |
Krebsrisiko |
|
|
Entzündlich |
Entzündliche Polypen können bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) auftreten. |
Entzündliche Polypen werden selten bösartig, aber CED erhöhen das Risiko für kolorektalen Krebs. |
|
Hamartomatös |
Hamartomatöse Polypen können bei Menschen mit bestimmten genetischen Erkrankungen wie Peutz-Jeghers-Syndrom, Cowden-Syndrom oder juveniler Polyposis auftreten. |
Hamartomatöse Polypen werden selten bösartig. Bei einem Polyposis-Syndrom können sie jedoch mit einem Risiko für kolorektalen Krebs verbunden sein. |
|
Hyperplastisch |
Hyperplastische Polypen sind häufig und treten meist im distalen Dickdarm auf. |
Hyperplastische Polypen auf der rechten Dickdarmseite können ein Krebsrisiko bergen. Wenn keine erbliche Ursache vorliegt, ist das Risiko meist gering. |
|
Adenom |
Adenome machen etwa zwei Drittel aller Dickdarmpolypen aus. |
Adenome sind präkanzerös, also Krebsvorstufen. Sie haben somit ein erhöhtes Risiko, sich zu Krebs zu entwickeln. |
|
Sessiles serratiertes Adenom und traditionelles serratiertes Adenom |
Sessile und traditionelle serratierte Polypen verdanken ihren Namen ihren rauen, unregelmäßigen Rändern. |
Sessile und traditionelle serratierte Polypen sind präkanzerös und haben somit ein erhöhtes Risiko, sich zu Krebs zu entwickeln. |
Wie werden Dickdarmpolypen diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt meist durch eine Darmspiegelung, ein endoskopisches Verfahren. Die Koloskopie ist die häufigste und genaueste Methode zur Diagnose von Dickdarmpolypen. Dabei führt ein Arzt einen dünnen, flexiblen Schlauch, das Koloskop, in den Dickdarm ein. An seiner Spitze befinden sich eine Kamera und eine Lichtquelle. So lassen sich Dick- und Enddarm betrachten. Entdeckte Polypen können meist im selben Eingriff entfernt werden, was als Polypektomie bezeichnet wird. Die entfernten Polypen werden zur pathologischen Untersuchung ins Labor geschickt.
Form und Wachstum von Dickdarmpolypen
Dickdarmpolypen wachsen langsam. Die Entstehung eines kleinen Polypen kann etwa zehn Jahre dauern.
Sie können flach oder eingesenkt sein. Außerdem können sie auf zwei unterschiedliche Arten wachsen: sessil, also ohne Stiel, oder gestielt:
- Sessile Polypen: Sie besitzen keinen Stiel und liegen flach an der Dickdarmwand an.
- Gestielte Polypen: Sie wachsen wie ein Pilz auf einem schmalen Stiel.
Diese Polypen können gutartig, präkanzerös oder krebsartig sein.
Form und Wachstum von Adenomen
Adenome machen etwa 66% der Dickdarmpolypen aus und sind präkanzerös. Ihre Formen und Wachstumsmuster:
- Tubuläres Wachstum: Diese Adenome wachsen röhrenförmig und sind kleiner als ein halber Zoll, also etwa 1,27 cm.
- Villöses Adenom: Größere Adenome mit einem unregelmäßigen, blumenkohlartigen Wachstumsmuster.
- Tubulovillöses Adenom: Adenome mit den Wachstumsmustern sowohl tubulärer als auch villöser Adenome.
Das Wachstumsmuster der Polypen kann beeinflussen, wie häufig eine Kontrollkoloskopie erforderlich ist. Die Entwicklung eines Adenoms zu Krebs kann etwa 10 Jahre dauern. Diese Zeit variiert jedoch zwischen Menschen und kann bei erblichen Syndromen kürzer sein.
Sollten alle entdeckten Polypen entfernt werden?
Nach Angaben der Amerikanischen Gesellschaft für Gastrointestinale Endoskopie (AGED) sollten in der Regel alle entdeckten Polypen entfernt werden.
Fachleute können Polypen meist während einer Koloskopie entfernen. Bei einer Vorsorgekoloskopie lassen sich alle präkanzerösen Polypen abtragen und damit ihr Risiko einer Krebsentstehung beseitigen. Ein nicht entfernter Polyp kann Blutungen, einen Darmverschluss oder Krebs verursachen.
Verwandtes Thema: Nicht vollständig entfernte Dickdarm- und Enddarmpolypen treten häufig erneut auf
Kontrollkoloskopien entsprechend dem Darmkrebsrisiko
Menschen mit durchschnittlichem Risiko für kolorektalen Krebs sollten ihre Dickdarmpolypen in bestimmten Abständen durch Koloskopien kontrollieren lassen:
- Die Darmkrebsfrüherkennung beginnt mit 45 Jahren und wird regelmäßig bis zum Alter von 75 Jahren fortgesetzt.
- Bei Menschen zwischen 75-85 Jahren können sich die Untersuchungen je nach Faktoren wie dem allgemeinen Gesundheitszustand von früheren Vorsorgeuntersuchungen unterscheiden.
- Ab einem Alter von 85 Jahren erfolgt keine Darmkrebsfrüherkennung.
Menschen mit hohem Darmkrebsrisiko sollten in der Regel vor dem Alter von 45 Jahren mit Vorsorgekoloskopien beginnen und häufiger zur Kontrolle gehen. Da Beginn und Häufigkeit jedoch individuell variieren, ist eine fachärztliche Beratung am sinnvollsten.
Mögliche Symptome von Dickdarmpolypen
Dickdarmpolypen können ohne Symptome bleiben und werden meist bei der Darmkrebsfrüherkennung entdeckt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nie Beschwerden verursachen. Mögliche Symptome sind:
- Hell- oder dunkelrote Blutungen aus dem After
- Blut im Stuhl
- Schleim im Stuhl
- Bauchschmerzen
- Verstopfung
- Durchfall
- Symptome oder Befunde einer Eisenmangelanämie
Häufige Fragen zu Dickdarmpolypen
Welche Polypengrößen sind bedenklich?
Eine Studie von 2019 an 15906 Polypen ergab:
- Bei Polypen unter 5 mm (Millimetern) wurde kein Krebs gefunden.
- Bei Polypen über 30 mm waren 4,3% krebsartig.
Wie diese Studie zeigt, ist das Risiko einer Krebsentstehung bei Polypen unter 5 mm sehr gering.
Wie groß sind krebsartige Polypen meist?
Nach Angaben des National Cancer Institute steigt das Darmkrebsrisiko mit der Polypengröße. 30% bis 50% der Polypen über 2 cm sind krebsartig.
Der Einfluss der Polypengröße auf das Krebsrisiko zusammengefasst
Fachleute teilen Dickdarmpolypen nach Größe, Form und Wachstumsmuster ein. Bestimmte Polypentypen und größere Polypen können mit einem höheren Darmkrebsrisiko verbunden sein. Polypen können gutartig, präkanzerös oder krebsartig sein und müssen keine Symptome verursachen. Deshalb sind regelmäßige Koloskopien und Vorsorgeuntersuchungen wichtig, besonders bei Menschen mit erhöhtem Darmkrebsrisiko. Während dieser Untersuchungen können Fachleute auch nicht krebsartige Polypen entfernen.
-Verwandtes Thema: Darmkrebsfrüherkennung durch Koloskopie
Quellen
2. Hossain E, Bhandari P, Arndtz S, et alPWE-040 Cancers in colonic polyps: size mattersGut 2019;68:A191.
War dieser Artikel hilfreich?
Ihre Rückmeldung hilft uns, unsere Inhalte zu verbessern.





Leserkommentare
Kommentar verfassen
Ihr Name und Ihr Kommentar werden erst nach Freigabe durch die Administration veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird Besuchern niemals angezeigt.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.