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Prof. Dr. Mustafa Özdoğan · Facharzt für medizinische Onkologie

Behandlung und Verlauf von Leberkrebs: Welche Neuerungen gab es in den letzten 20 Jahren?

Behandlung und Verlauf von Leberkrebs: Welche Neuerungen gab es in den letzten 20 Jahren?
In diesem Artikel

Ein bemerkenswerter Artikel in Liver International fasst die Veränderungen beim hepatozellulären Karzinom in den letzten 20 Jahren zusammen. Untersucht wurden zwischen 1986 - 1992 und zwischen 2006 – 2012 behandelte 1318 Patienten mit hepatozellulärem Karzinom (HCC). Der Artikel diskutiert die positiven Auswirkungen technologischer und therapeutischer Neuerungen in diesen beiden Zeiträumen.

Das hepatozelluläre Karzinom ist die häufigste Leberkrebsart und aufgrund seiner Natur schwer zu behandeln. Dabei denkt man zunächst an das Hepatitis-B-Virus. Weltweit stehen nahezu % 66 der hepatozellulären Karzinome mit Hepatitis B in Zusammenhang.

Dass % 66 der hepatozellulären Karzinome mit Hepatitis B zusammenhängen, zeigt vor allem, dass wir einer vermeidbaren Krebsart gegenüberstehen. Werden Hepatitis-B-Impfungen ab Geburt konsequent durchgeführt, könnten weltweit nahezu %70 dieser Tumoren verhindert werden. In den letzten 20 Jahren wurden operative Verfahren bis hin zur Lebertransplantation weltweit leichter anwendbar. Zusätzliche lokale ablative Verfahren wie Alkoholinjektion, Radiofrequenzablation zur Tumorzerstörung durch Hitze oder Kryoablation zur Zerstörung durch Einfrieren brachten erhebliche Vorteile. Auch die erfolgreiche Anwendung arterieller Therapien zusammen mit Chemotherapie, insbesondere gefäßverschließender embolisierender Wirkstoffe und radioaktiver Substanzen, gehört zu den wichtigen Veränderungen der letzten 20 Jahre. Zielgerichtete Therapien verlängerten bekanntlich in den letzten 10 Jahren bei nahezu allen Tumoren das Überleben. Auch beim hepatozellulären Karzinom erzielte Sorafenib als zielgerichtetes Medikament einen Überlebensunterschied. Bis 2017 gab es bei fortgeschrittenem oder inoperablem Leberkrebs keine wirksame Zweitlinienoption. Im Jahr 2017 erhielt zunächst Regorafenibund danach das Krebsimmuntherapeutikum Nivolumab eine FDA-Zulassung. So entstanden neue Behandlungsmöglichkeiten nach Sorafenib.

Fassen wir zusammen, was sich in der Behandlung des hepatozellulären Karzinoms in den letzten 20 Jahren änderte und ändern sollte:

1) Von 1986 bis 2012 blieb das Hepatitis-B-Virus der wichtigste Auslöser des hepatozellulären Karzinoms (1986 – 1992: % 66.2, 2006 – 2012: % 66). Obwohl diese Krebsart vermeidbar ist, änderte sich ihre hepatitisbedingte Häufigkeit zwischen 1986 - 1992 und 2006 - 2012 nicht. Dies zeigt unzureichendes Bewusstsein für regionale Präventionsstrategien und erklärt das Ausbleiben einer Veränderung.

2) Zwischen 2006 - 2012 wurde Krebs häufiger im Frühstadium diagnostiziert.

3) Die Rate operativer Resektionen änderte sich offenbar nicht wesentlich. Während zwischen 1986 - 1992 transarterielle Chemoembolisationen häufiger waren, wurden zwischen 2006 – 2012 mehr lokale Ablationen durchgeführt. Früher wurden häufiger Tumorgefäße verschlossen. Mit technischen Fortschritten nahm dagegen die Radiofrequenzablation deutlich zu, bei der eine Nadel durch die Haut in die Leber eingeführt und der Tumor durch Hitze zerstört wird. Die arterielle Chemoembolisation wurde zu %40.6 angewendet; später betrug der Anteil lokaler Ablationen %55. Dies lässt sich als positive Nutzung der Technik zusammenfassen. Transarterielle Therapien waren für Patienten und Behandler schwieriger und riskanter; Radiofrequenzablation ist heute wesentlich praktischer und kann in der interventionellen Radiologie leicht gewählt und durchgeführt werden. Dies zeigt die entsprechende Entwicklung lokaler Ablationsverfahren.

4) Besonders wichtig ist, dass Patienten mit hepatozellulärem Karzinom, die zwischen 2006 und 2012 behandelt wurden, deutlich länger lebten als jene von 1986 - 1992. Die durchschnittliche Lebenszeit betrug 1986 – 1992: 7.9 Monate, 2006 – 2012: 65 Monate. Dies zeigt, dass eine der wichtigsten Veränderungen aus früher Krebsdiagnose entstand, einem zentralen bestimmenden Faktor langen Überlebens.

Die Lebensverlängerung über 20 Jahre beruht auf früher Leberkrebsdiagnose und Behandlungsfortschritten. Enttäuschend bleibt jedoch, dass der durch Hepatitis B verursachte Anteil von % 66 unverändert blieb. Angesichts gewachsenen Bewusstseins bei Bevölkerung und Ärzten, leichteren Informationszugangs und stärkerer Nachfrage nach medizinischen Fragen während dieser 20 Jahre ist dies enttäuschend. Daraus entsteht ein neues Ziel: Sollten wir Behandlung oder Prävention stärker gewichten? Wir müssen dieses Gleichgewicht wohl gut herstellen. In den letzten 20 Jahren scheinen wir uns eher auf Behandlung als auf Vorbeugung konzentriert zu haben. Bei einer zu %66 vermeidbaren Erkrankung könnten Länder bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie genauso viel oder sogar mehr als in Behandlungsforschung in Prävention investierten.

Quellen

Yim SY, Seo YS, Jung CH.
The management and prognosis of patients with hepatocellular carcinoma: what has changed in 20 years?
Liver Int. 2015 Sep
DROZDOGAN KI

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