Bessere Ergebnisse durch Chemotherapie vor der Operation bei lokal fortgeschrittenem Kolonkarzinom

In diesem Artikel
Kolon- und Rektumkarzinome, also Krebserkrankungen des Dickdarms, sind weltweit die 3. häufigste Krebsart. Etwa 40% werden in einem lokal fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, das wir auch als Stadium 2 oder 3 von Kolon- und Rektumkrebs bezeichnen. Während die direkte Operation bei früherem Kolonkrebs im Stadium 1 inzwischen Standard ist, bleibt bei lokal fortgeschrittener Erkrankung die Frage aktuell: „Sollen wir sofort operieren oder zunächst mit einer tumorverkleinernden Chemotherapie beginnen und danach operieren?“ Die Ergebnisse einer bemerkenswerten klinischen Studie zu dieser Frage wurden am 19. Januar 2023 im Journal Of Clinical Oncology (JCO) veröffentlicht.

Im Stadium 2 hat sich der Krebs in die äußere Schicht des Kolons (Serosa) oder das umliegende Gewebe (Mesokolon) ausgebreitet, jedoch nicht in die Lymphknoten (T3-T4a N0).
Im Stadium 3 hat sich der Krebs vom Kolon in umliegendes Gewebe sowie in benachbarte Lymphknoten ausgebreitet (T1-T4a N1-N2).
Der Unterschied zwischen Kolon- und Rektumkrebs
Aufgrund der anderen Biologie lokal fortgeschrittener Rektumkarzinome hat sich ein Behandlungsbeginn mit neoadjuvanter (präoperativer) Chemotherapie oder Strahlentherapie breiter durchgesetzt. Denn die Anatomie des Rektums unterscheidet sich von der des Kolons. Auch die benachbarten Organe und der Erhalt der Schließmuskelfunktion sind wichtige Aspekte. Bei lokal fortgeschrittenem Kolonkrebs zeigen Studien, dass eine Operation nach neoadjuvanter Chemotherapie günstigere Krankheitsverläufe ermöglichen kann. Deshalb bevorzugen manche Ärzte eine Operation nach neoadjuvanter Behandlung. Ein Konsens besteht hierzu jedoch noch nicht, und es bleibt unklar, welche Patienten für eine neoadjuvante Therapie geeignet sind.
Zu den Vorteilen der neoadjuvanten Behandlung gehören:
- ein geringeres Risiko für Mikrometastasen durch frühzeitige systemische Behandlung,
- eine Verkleinerung des Primärtumors, die seine operative Entfernung erleichtert,
- eine bessere Therapietreue, wenn die systemische Behandlung vor der Operation erfolgt.
Mikrometastasen sind sehr kleine, voneinander getrennte Ansiedlungen von Krebszellen in anderen Organen oder Geweben, die während der Ausbreitung vom Primärtumor entstehen und etwa 0,2 mm oder kleiner sind. Diese Zellen können sich in einem anderen Organ oder Gewebe ansiedeln und einen neuen Tumor bilden. Mikrometastasen sind im Frühstadium schwer nachzuweisen. Eine frühzeitige Chemotherapie kann helfen, sie zu beseitigen oder zu kontrollieren und so das Risiko eines Krebsrezidivs zu senken.
Die FOxTROT-Studie
FOxTROT (Fluoropyrimidine Oxaliplatin and Targeted Receptor Pre-Operative Therapy) ist eine randomisierte kontrollierte Studie zur Wirkung neoadjuvanter Chemotherapie bei Kolonkrebs. In der Studie erhielten 1053 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Kolonkrebs (T3-4 N0-2) eine Chemotherapie vor und nach der Operation.
Die Patienten der einen Gruppe erhielten vor der Operation eine Chemotherapie mit Oxaliplatin und Fluoropyrimidin, während die andere Gruppe die Chemotherapie ausschließlich nach der Operation erhielt. Bei einigen Patienten wurde außerdem zufällig darüber entschieden, ob sie Panitumumab erhielten.
525 Patienten wurden direkt operiert und erhielten anschließend eine adjuvante Chemotherapie; 528 Patienten erhielten eine 6-wöchige neoadjuvante Chemotherapie, eine Operation und eine adjuvante Chemotherapie.
Die Ergebnisse der FOxTROT-Studie zeigten den Nutzen präoperativer Chemotherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Kolonkrebs.
Raten rezidivierender oder residualer, also verbliebener Erkrankung nach 2 Jahren:
- In der neoadjuvanten Gruppe betrugen sie 17%,
- in der adjuvanten Gruppe 22%.
Außerdem traten bei Patienten mit präoperativer Chemotherapie seltener schwere Komplikationen nach der Operation auf.
Panitumumab erhöhte den Nutzen der neoadjuvanten Chemotherapie nicht. Bei Tumoren mit einem dMMR-Defekt war der Nutzen der neoadjuvanten Behandlung jedoch sehr gering.
Zusammenfassend bietet neoadjuvante Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Kolonkrebs folgende Vorteile:
- Sie senkte die Rate residualer oder rezidivierender Erkrankungen.
- Sie erleichterte die operative Entfernung des Tumors und erhöhte damit die Rate vollständiger chirurgischer Resektionen (R0).
- Sie ermöglichte eine bessere Therapietreue als die adjuvante Chemotherapie nach der Operation.
Die FOxTROT-Studie legt nahe, dass präoperative Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Kolonkrebs eine wirksame Behandlungsoption sein könnte. Zugleich wird betont, dass weitere Forschung hierzu erforderlich ist.
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Für Interessierte: Stadienbestimmung bei Kolon- und Rektumkrebs

Das AJCC/UICC-Stagingsystem in der 8. Auflage ist das neueste Verfahren zur Stadienbestimmung von Krebserkrankungen.
In diesem System richtet sich das Krebsstadium nach Faktoren wie Tumorgröße (T), Lymphknotenbefall (N) und dem Vorliegen von Metastasen (M). Das System ist hierarchisch aufgebaut und umfasst verschiedene Unterstadien für jeden Faktor. Durch die Zusammenführung aller Faktoren wird das Gesamtstadium des Krebses bestimmt.
Das AJCC/UICC-Stagingsystem in der 8. Auflage wurde entwickelt, um die Stadienbestimmung zu präzisieren und die Behandlungsplanung zu unterstützen. Es dient neben der Bestimmung des Krebsstadiums auch der Einschätzung der Prognose und der Behandlungsoptionen.
Die mithilfe des TNM-Systems bestimmten Gesamtstadien des Kolonkarzinoms lassen sich folgendermaßen einteilen:
- Stadium 0: Der Krebs befindet sich nur in der inneren Schicht des Kolons, der Schleimhaut (Tis).
- Stadium I: Der Krebs hat sich von der inneren bis zur äußeren Schicht des Kolons (Serosa) ausgebreitet, jedoch nicht in die Lymphknoten (T1-T2 N0).
- Stadium II: Der Krebs hat sich vom Kolon in das umliegende Gewebe (Mesokolon) ausgebreitet, jedoch nicht in die Lymphknoten (T3-T4a N0).
- Stadium III: Der Krebs hat sich auch auf benachbarte Lymphknoten ausgebreitet (T1-T4a N1-N2).
- Stadium IV: Der Krebs hat sich auf Organe oder Gewebe außerhalb des Kolons ausgebreitet (T1-T4a N0-N2 M1).
Überlebensraten bei kolorektalem Krebs nach Stadium
SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) ist eine Datenbank zur Erfassung der Krebsepidemiologie und Überlebensraten in den USA. Laut SEER unterscheiden sich die relativen 5-Jahres-Überlebensraten bei kolorektalem Krebs nach dem Stadium.
Die relative 5-Jahres-Überlebensrate bezeichnet den Anteil der Patienten, die nach einer Krebsdiagnose mindestens 5 Jahre überleben. Nach den SEER-Daten liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei kolorektalem Krebs über alle Stadien hinweg insgesamt bei etwa 65%.
Nach SEER betragen die relativen 5-Jahres-Überlebensraten bei kolorektalem Krebs nach Stadium:
- Stadium 0: 92,4%
- Stadium I: 87,4%
- Stadium II: 67,3%
- Stadium III: 53,4%
- Stadium IV: 14,9%
Die relative Überlebensrate vergleicht das Überleben von Menschen mit einer bestimmten Erkrankung über einen festgelegten Zeitraum mit der anhand von Alter, Geschlecht, ethnischer Gruppe und anderen Faktoren erwarteten Lebenserwartung.
Diese Raten sollten jedoch nur als Orientierung dienen, da relative Überlebensraten von vielen Faktoren abhängen können. Wichtig ist außerdem, dass sich die Fortschritte der letzten Jahre und die Ergebnisse neu zugelassener Therapien noch nicht in den Statistiken widerspiegeln.
Quellen
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